Bei der Aktion "einfach heiraten" der evangelischen Landeskirche in Bayern am 26. Juni haben 810 Paare an 67 Orten mitgemacht. Wie die Landeskirche am Montag mitteilte, ließen sich 288 Paare kirchlich trauen und 522 Paare segnen.

Die große Beteiligung am bislang heißesten Wochenende des Jahres zeige, "wie groß die Sehnsucht vieler Menschen nach Segen, dem 'Ja' Gottes und kirchlicher Begleitung ihrer Liebe ist", sagte Landesbischof Christian Kopp. Das Altersspektrum reichte von jungen Paaren bis hin zu über 90-Jährigen, die ihre Liebe noch einmal bestätigen und dafür Segen empfangen wollten, hieß es.

Die meisten Paare kamen demnach nach Kempten in die St.-Mang-Kirche. Bis 23 Uhr feierten dort 28 Paare ihre Trauung oder Segnung. Auch in Oberstdorf war die Nachfrage groß. Im gläsernen Turm der Skisprungschanze ließen sich 26 Paare trauen oder segnen.

Laut Thomas Prieto Peral, Regionalbischof im Kirchenkreis Schwaben-Altbayern, hätten viele dieser Paare schon lang auf eine passende Gelegenheit für eine kirchliche Trauung gewartet oder den Wunsch nach einem Segen für ihre Partnerschaft in sich getragen. "Als Kirche dürfen wir nicht warten, bis die Menschen kommen - wir müssen zu ihnen hin."

Herzbewegende Momente auf dem Tegelberg

Auf dem Tegelberg haben sich 22 Paare segnen oder trauen lassen. Ein Paar sei sogar über den Klettersteig aufgestiegen, die meisten seien aber mit der Bergbahn gekommen, sagte der Pfarrer in Füssen-Reutte, Michael Jäger, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag. 

Es habe viele "herzbewegende Worte und Momente" bei den Segnungen und Trauungen gegeben, sagte Jäger. Ein Paar der letztjährigen Ausgabe von "einfach heiraten" sei auf einen Kaffee vorbeigekommen.

Bei einem anderen Paar zum Beispiel habe der Mann nach der Segnung um die Hand seiner Partnerin angehalten, die völlig ahnungslos gewesen sei. "Gänsehautmoment", sagte Jäger - "'einfach heiraten' war mega diesmal, einfach unglaublich". Vier Pfarrer und drei Bläser seien für die Aktion auf dem Tegelberg im Einsatz gewesen.

Fußbäder und Eis gegen die Hitze

Die außergewöhnlich hohen Temperaturen stellten die Teams vor Ort vor besondere Herausforderungen. Manche Paare entschieden sich angesichts der Hitze kurzfristig gegen die Teilnahme, andere kamen gerade deshalb. Über 600 Haupt- und Ehrenamtliche engagierten sich für die Aktion und sorgten der Mitteilung zufolge oft mit viel Kreativität dafür, dass alle Beteiligten gut durch den heißen Tag kamen. So habe man in Amberg kühle Fußbäder und eine Eistheke oder in Wilhermsdorf und Neustadt an der Aisch kurzfristig eine Slush-Eis-Maschine organisiert.

Die Aktion knüpfte an die positive Resonanz des Vorjahres an. 2025 hatten 801 Paare an 56 Orten in Bayern das Angebot von "einfach heiraten" genutzt. Die bundesweite Aktion werde fortgesetzt: Am 2. Juli 2027 gebe es die nächste Gelegenheit für eine spontane Trauung oder Segnung.

Bundeseweit an rund 370 Orten, über 5.000 Paare

Rund um das Schnapszahldatum 26.06.2026 waren die Events an bundesweit rund 370 Orten geplant. Dabei trauen Pastorinnen und Pastoren oft den ganzen Tag lang standesamtlich bereits verheiratete Paare kirchlich. Alle weiteren Paare sind dazu eingeladen, einen Segen zu empfangen. In einer Mitteilung erklärt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), insgesamt hätten sich bundesweit über 5.000 Paare segnen oder kirchlich trauen lassen.

Die Feiern fanden in historischen Kirchen und Kapellen wie in Davenstedt statt. Aber auch an ungewöhnlichen Orten wird dazu eingeladen: in eine Kneipe in Hannover oder auf eine historische Schwebefähre im Landkreis Cuxhaven, auf ein Riesenrad in Mainz oder in den Schanzenturm der Skisprungschanze Oberstdorf. Bei Temperaturen von teilweise deutlich über 30 Grad zählen auch Freiluftveranstaltungen wie am Nordseestrand von Bensersiel, an der Weser oder unter schattigen Bäumen von Klostergärten zu den Trauorten.

Spontane Segnung möglich

In Bayern läuft die Aktion schon seit 2023, mit zunehmendem Erfolg. Kamen dazu bei der Premiere noch 251 Paare an 13 Orten zu Segnungen und Trauungen zusammen, waren es im vergangenen Jahr schon 808 Paare an 56 Orten. 

Wer wollte, konnte zur Trauung oder zum Segen sogar spontan vorbeikommen. Doch viele haben sich vorher angemeldet. Allein im evangelischen Kloster Loccum bei Nienburg sind es fast 50 Paare, wie Prior Arend de Vries berichtet. "Segne die Liebe" heißt dort das Motto. Einige seien erst am selben Tag im Standesamt getraut worden, sagt de Vries. Andere wollen bei einer Trauerinnerung ihren Zuspruch nach 30 Jahren Ehe noch einmal bekräftigen.

Rückgang bei Trauungen

Die Aktion fällt in eine Zeit, in der nicht nur kirchliche Trauungen, sondern Eheschließungen insgesamt zurückgehen. 2025 heirateten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 348.700 Paare, 2019 waren es noch rund 416.300.

Die evangelischen Landeskirchen trauten 2023 rund 28.000 Paare kirchlich, 2022 waren es noch rund 35.400. In der katholischen Kirche gaben sich 2025 knapp 19.500 Paare das Ja-Wort, dort waren es ein Jahr zuvor noch gut 22.500.