Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, warnt vor den psychischen Belastungen, denen junge Menschen angesichts der Debatte über eine angeblich zunehmende Kriegsgefahr ausgesetzt sind:

"Junge Menschen brauchen Hoffnung, nicht Dauerangst vor Krieg", so Heinrich laut einer Mitteilung der EKD vom Donnerstag.

Im Rahmen ihrer vierten sogenannten #Präsestour besucht die 28-jährige Präses in den kommenden Monaten junge Soldat*innen, Schüler*innen und Geflüchtete, um mit ihnen über ihre Erfahrungen und Ängste im Kontext von Krieg, Frieden und Wehrpflicht zu sprechen. Ziel der Gespräche sei es, die Perspektiven junger Menschen sichtbarer zu machen – auch im Hinblick auf politische Entscheidungen wie eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Heinrich: "Über Wiedereinführung des Wehrdiensts entscheiden Menschen, die nicht betroffen sind"

Den Auftakt der Tour bildet laut EKD ein Besuch am Bundeswehrstandort Altenstadt (Oberbayern), wo Heinrich am 24. Juli junge Rekrut*innen in der Grundausbildung treffen wird. Einen Tag später steht ein Gespräch mit Schüler*innen des evangelischen Lichtenstern-Gymnasiums in Sachsenheim (Baden-Württemberg) auf dem Programm. Dabei soll es auch um die Frage gehen, wie Jugendliche zur Diskussion um einen verpflichtenden Dienst stehen.

Heinrich betont laut der Mitteilung:

"Über die Wiedereinführung eines allgemeinen Wehrdienstes entscheiden maßgeblich Menschen, die persönlich von diesem nicht mehr betroffen sein werden. Umso mehr ist sicherzustellen, dass die Interessen und Perspektiven derjenigen, die zu einem Wehr- oder Ersatzdienst eingezogen werden könnten, gehört und ernst genommen werden."

Geplant sind zudem Begegnungen mit ukrainischen Jugendlichen in Berlin, die infolge des russischen Angriffskriegs geflüchtet sind und über die Initiative "SPORTS for MORE" in Neukölln sportliche Gemeinschaft finden.

Auch ein Besuch eines Sommerlagers der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Weimar steht auf dem Programm. Dort engagieren sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern für Erinnerungskultur und Friedensarbeit, unter anderem an der Gedenkstätte Buchenwald. Eine weitere Station soll Heinrich laut EKD-Mitteilung nach Litauen führen, wo sie sich mit deutschen NATO-Soldat*innen austauschen will.

Tour-Motto: Krieg und Frieden aus junger Perspektive

Die Tour steht unter dem Titel "Krieg und Frieden aus junger Perspektive" und knüpft an frühere Sommertouren der Präses an. In den vergangenen Jahren hatte sie unter anderem zu Flucht, Migration und gesellschaftlicher Teilhabe Gespräche geführt. Diesmal soll auch die neue Friedensdenkschrift der EKD Thema sein, die im November auf der Synodentagung in Dresden vorgestellt wird.

Anna-Nicole Heinrich wurde 2021 als erste junge Frau im Ehrenamt zur Präses der EKD-Synode gewählt. Sie berichtet über die Begegnungen und Eindrücke ihrer Tour regelmäßig auf ihrem Instagram-Kanal @annanicoleheinrich.