Die Idee stammt von Pfarrerin Tia Pelz. Vor zwei Jahren feierte sie erstmals unter dem Motto "Gruselkirche" einen Gottesdienst zum Reformationstag, der Halloween und Reformation miteinander verbinden sollte.

Die Idee erforderte Mut: Sollte man als Christ:in gegen diesen ursprünglich heidnischen, heute stark konsumierten Feiertag protestieren?

Pelz kam zu einer klaren Antwort:

"Wir können diesen Kampf nur verlieren. Gegen Verkleidung und Süßes kommt man kaum an. Und es gibt gute Gründe, Halloween in die Kirchen zu holen."

Ihr erstes Reformationsfest war kein Widerstand, sondern ein Miteinander: nicht gegen Halloween, sondern mit ihm.

Das Format hat bereits Nachahmer gefunden: Zahlreiche Gemeinden in Bayern gestalten inzwischen ähnliche Gottesdienste, die Halloween und Reformation verbinden. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Thema Angst. In allen Gruselgottesdiensten geht es darum, Ängsten ins Auge zu sehen, darüber ins Gespräch zu kommen und Wege zu finden, wie der Glaube Halt geben kann.

Es folgt eine Auswahl an Gruselgottesdiensten, die in diesem Jahr Halloween und Reformation miteinander verbinden:

1. Christuskirche Selb: "Glaube statt Grusel" 

Am 31. Oktober um 19 Uhr lädt die Christuskirche in Selb gemeinsam mit der Evangelischen Jugend Fichtelgebirge zum ersten Gottesdienst unter dem Motto "Glaube statt Grusel". Pfarrerin Sandra Herold und Jugendreferentin Miriam Zöllner haben ein Programm für alle Generationen entworfen.

Im Mittelpunkt steht eine Begegnung mit Martin Luther, der zunächst über die Halloween-Dekoration und die fantasievollen Kostüme staunt. Bald aber geht es ans Wesentliche: Wie gehe ich mit Angst um? Zwischen den Stationen können die Besucher:innen aktiv werden: Aufschreiben, was ihnen gegen Angst hilft, sich hinter Masken verstecken, bei einem Witze-Voting lachen, Süßes segnen oder Gruselgeschichten in der Bibel nachlesen.

Der Gottesdienst findet parallel zum traditionellen Reformationsfest in Selb-Erkersreuth statt, das in diesem Jahr das 1700-jährige Jubiläum des nizänischen Glaubensbekenntnisses feiert.

Mehr Informationen hier.

2. Aubstadt: Familiengruselgottesdienst in der Johanneskirche

Am 31. Oktober um 17 Uhr verwandelt sich die Johanneskirche in Aubstadt in einen Familiengruselgottesdienst. Bereits Tage vorher haben Kinder und Jugendliche begonnen, die Kirche zu schmücken, unterstützt vom Kindergottesdienst-Team, das eigene Bastelideen einbringt.

Für zusätzliche Stimmung soll eine Nebelmaschine sorgen, die der örtliche Faschingsverein leiht. Der Gottesdienst wird von Pfarrerin Julia Mucha gemeinsam mit dem Kindergottesdienst-Team und einigen Jugendlichen gestaltet. Laut Mucha werden die Jugendlichen auch kleine gruselige Leckereien vorbereiten, und im Anschluss können sich die Besucher:innen bei Bratwürsten und Getränken stärken.

Mehr Informationen hier.

3. Altdorf: Gruselkirche am Vorabend zum Reformationstag

In Altdorf lädt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde am 30. Oktober um 17 Uhr zur Gruselkirche ein. Pfarrerin Judith Felsner erklärt: "Halloween ist inzwischen so etabliert, dass wir kein Gegenprogramm anbieten wollten, sondern ein zusätzliches Angebot", sagt Felsner.

Die Kinder sitzen im Kreis auf Sitzkissen, die Kirche ist nur von Kerzen erleuchtet. "Dunkelheit und Licht werden zentrale Motive sein – die Kinder gestalten Lichttüten, die symbolisch die Finsternis vertreiben", sagt Felsner. Es gibt Bastelaktionen, Gesang, Gebete und eine Begegnung mit Martin Luther, der von seinen eigenen Ängsten erzählt. Höhepunkt ist eine nächtliche Turmführung, bei der die Teilnehmer:innen vom Balkon aus gemeinsam "Sei mutig und stark und fürchte dich nicht" in die Stadt singen.

Der Gottesdienst ist ausgebucht – etwa 30 Kinder nehmen teil.

Mehr Informationen hier.

4. Amberg: Familiengottesdienst gegen die Angst

In Amberg lädt die Erlöserkirche am 31. Oktober um 17 Uhr zu einem Familiengottesdienst ein, der sich spielerisch und ernst zugleich mit dem Thema Angst beschäftigt. "Es wird ein Familiengottesdienst gegen die Angst", sagt Pfarrerin Dr. Rebecca Scherf, die auch Studienleiterin am Evangelischen Studienseminar für Pfarrerausbildung ist.

Kinder und Erwachsene können verkleidet kommen. "Wir suchen mit Martin Luther Wege, um die Monster und Geister in Schach zu halten", erklärt Scherf. Der Gottesdienst kombiniert Gespräch, Spiel und kleine Aktionen, und im Anschluss können die Familien direkt im Viertel auf Halloween-Tour gehen.

Mehr Informationen hier.

5. Nürnberg-Ziegelstein: Die Original-Gruselkirche 

Die Melanchthonkirche in Nürnberg-Ziegelstein öffnet wieder am 31. Oktober um 17 Uhr ihre Türen für den klassischen Gruselgottesdienst. Kerzen flackern zwischen Spinnennetzen, Kürbissen und violettem Licht, Ballons hängen von den Balken, kleine gruselige Snacks wie Spinneneier oder blutige Fingerkekse sorgen für eine augenzwinkernde Note.

Die Besucher:innen sitzen auf Kissen im Kreis, basteln Lichttüten, singen, beten und begegnen Martin Luther, der von seinen eigenen Ängsten erzählt und Tipps gibt, wie man ihnen begegnen kann. Am Ende gibt es einen fröhlichen Ausklang, der die düstere Kulisse aufhellt.

Pfarrerin Tia Pelz sagt: "Der Tod ist nie so sichtbar und verspottet wie zu dieser Jahreszeit – gerade kurz bevor wir an unsere Verstorbenen denken. Und genau das passt zur christlichen Überzeugung: Gott ist stärker als der Tod."

Mehr Informationen hier.

Mitmachen

Ihr veranstaltet auch einen Gruselgottesdienst? Dann schickt uns eure Informationen hier.