5.04.2016
Studie zur Konfirmandenarbeit

Konfirmation fördert Zivilgesellschaft in Europa

Eine europaweite Studie über Jugend und Religion zeigt: Konfirmanden lassen sich nicht nur wegen der Geldgeschenke konfirmieren. Welche Gründe die Entscheidung dafür stattdessen hat.
Hände und Füsse im Kreis auf Wiese

Die Konfirmation leistet über die kirchliche Sozialisation hinaus auch einen wichtigen Beitrag für die Zivilgesellschaft. Dieses Fazit zieht der Bamberger evangelische Theologieprofessor Henrik Simojoki aus einem Forschungsprojekt, an dem mehr als 28.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden in neun europäischen Ländern teilgenommen haben. "Das weit verbreitete Klischee, man lasse sich nur wegen der Geschenke konfirmieren und hake den Termin ansonsten ab, konnte in unserer Studie empirisch nicht bestätigt werden", betonte Simojoki in einer Mitteilung der Universität Bamberg.

Die Studie habe es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstmals ermöglicht, empirisch nachzuweisen, dass die Konfirmandenarbeit Zusammenhalt schafft, prosoziales Handeln fördert und zu ehrenamtlichem Engagement anregt. Fast 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie während ihrer Konfirmationszeit erfahren hätten, wie wichtig ihnen Einsatz für andere sei. "Besonders aufgrund der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, der Ausbildung einer Gemeinschaft und vor allem durch den eigenen Kontakt mit Ehrenamt während der Konfirmationszeit wollen sich viele ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden danach selbst engagieren", erklärt Simojoki dieses Ergebnis.

Konfirmation wichtig für ehrenamtliche Arbeit in der Kirche

Für den Professor, Inhaber des Lehrstuhls für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik an der Universität Bamberg, waren länderspezifische Unterschiede besonders aufschlussreich. Zum Beispiel, was das kirchliche Engagement betrifft: Während nur 11 Prozent der dänischen Befragten nach ihrem Festtag ehrenamtlich in der Kirche arbeiten wollen, liegt der entsprechende Anteil in Deutschland bei rund 32 Prozent und in Finnland sogar bei 45 Prozent. "Die Studie zeigt, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden die jugendlichen Betreuerinnen und Betreuer sehr schätzen und sie als Vorbild wahrnehmen", sagt Simojoki. "Man kann also sagen: Je mehr Ehemalige ehrenamtlich in der Konfirmationszeit mitwirken, desto größer ist die Motivation für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, sich nach der Konfirmation auch selbst einzubringen."

Henrik Simojoki ist Teil des deutschen Teams, das gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus neun europäischen Ländern die Nachhaltigkeit der Konfirmandenarbeit erforscht hat. Mehr als 28.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden, über 4.100 kirchliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen sowie 1.635 Konfirmationsgruppen in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz sowie Polen und Ungarn haben anonymisierte Fragebögen für das Forscherteam ausgefüllt - zu Beginn und am Ende der Konfirmandenzeit sowie auch zwei Jahre danach. Das Projekt über Jugend und Religion ist damit eine der größeren europäischen Jugendstudien.

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