Ein paar vorsichtige Töne aus einem Blechblasinstrument, rhythmisches Sprechen eines Psalms, neugierige Blicke auf die Orgel: In der Kirche in Marktleuthen wird an diesem Samstag nicht nur über Glauben gesprochen. Hier wird ausprobiert, gelacht, musiziert. Konfirmandinnen und Konfirmanden aus mehreren Gemeinden des Dekanats Selb erleben einen besonderen Projekttag rund um die Kirchenmusik.
Die Idee dahinter ist simpel und gleichzeitig ziemlich wirkungsvoll: Jugendliche sollen Kirchenmusik nicht nur hören, sondern selbst erleben. Genau deshalb stehen an diesem Tag verschiedene Stationen bereit, an denen sie Instrumente ausprobieren, singen oder sogar in das Innere der Kirchenorgel blicken.
Ein Tag für die Musik
Eingeladen sind Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Marktleuthen, Kirchenlamitz, Thierstein, Höchstädt und Selb. Dekanatskantorin Constanze Schweitzer-Elser hat den Tag gemeinsam mit Dekan Volker Pröbstl vorbereitet.
"Wir wollen einfach zeigen, dass Musik in der Kirche eine wichtige Rolle spielt und dass es großen Spaß macht, selbst zu musizieren", erklärt Schweitzer-Elser. Die Jugendlichen sollen erleben, wie vielfältig Kirchenmusik sein kann und welche Menschen daran beteiligt sind.
Die Gruppen wechseln im Laufe des Tages zwischen verschiedenen Stationen. Mal geht es ums Singen, mal um Instrumente – und manchmal auch um das Zusammenspiel von Rhythmus und Text.
Psalmen, Rhythmus und ein bisschen Mut
Eine der Stationen führt direkt in die Welt der Sprache und des Rhythmus. Gemeinsam mit der Kantorin und Dekan Pröbstl erarbeiten die Jugendlichen eine Nachdichtung eines Psalms. Gesungen wird, gesprochen wird – und am Ende entsteht eine kleine Aufführung.
Für viele Konfis ist das zunächst ungewohnt. Doch die anfängliche Zurückhaltung weicht schnell. "Oft sind sie erst ein bisschen schüchtern", erzählt Pröbstel. "Aber ich bin immer wieder erstaunt, wie mutig sie werden, wenn sie zum Beispiel Verse vortragen oder mit einfachen Instrumenten musizieren."
Der entscheidende Unterschied: Hier wird Musik nicht konsumiert, sondern selbst gestaltet.
Bläser, Orgel und echte Neugier
An einer anderen Station stellen Mitglieder des Posaunenchores ihre Instrumente vor. Die Jugendlichen dürfen selbst ausprobieren, wie sich ein erstes Blasinstrument anfühlt – ein Erlebnis, das oft überraschend viel Spaß macht.
Ein weiteres Highlight ist der Blick auf die Orgel. Der nebenberufliche Kirchenmusiker Lars Dietrich erklärt, wie dieses beeindruckende Instrument funktioniert. Für viele Jugendliche ist es das erste Mal, dass sie die Empore betreten und sehen, wie eine Orgel von innen aussieht.
Gerade dieses direkte Erleben ist entscheidend, findet Kantorin Schweitzer-Elser. Wenn Jugendliche selbst spielen dürfen, entsteht Interesse ganz automatisch. Die Orgel fasziniert nach wie vor durch ihre Größe, ihre Klangvielfalt und ihre technische Raffinesse.
Ein Projekt mit Geschichte
Der Konfi-Musiktag ist inzwischen keine Premiere mehr. Bereits zum dritten Mal findet das Projekt statt. Die Idee entstand vor zwei Jahren in einer besonderen Situation: In mehreren Gemeinden gab es längere Vakanzzeiten.
Die Evangelische Jugend im Fichtelgebirge entwickelte deshalb Konfitage, die einzelne Unterrichtseinheiten bündeln und gleichzeitig neue Impulse setzen sollten. Aus dieser Idee entstand schließlich der Musiktag.
"Uns war wichtig, dass Musizieren in der Kirche für die Konfirmanden nicht einfach vorbeigeht", erklärt Dekan Pröbstl. Die Jugendlichen sollen ein Gespür dafür bekommen, wie viele Menschen sich mit ihren Fähigkeiten einbringen, damit ein Gottesdienst überhaupt entstehen kann.
Mehr als ein Klischee
Kirchenmusik hat allerdings mit einem hartnäckigen Klischee zu kämpfen. Viele denken immer noch an das klassische Bild: eine ältere Person an der Orgel und alte Lieder.
Doch die Realität sieht anders aus – zumindest im Dekanat Selb. Hier gibt es Kinder- und Jugendchöre, Gospelchöre, Posaunenchöre und zahlreiche musikalische Projekte.
"Kirchenmusik ist bunt und vielfältig", betont Pröbstl. Gerade diese Vielfalt sei eine große Chance für die Kirche.
Gemeinschaft als Schlüssel
Was an diesem Tag besonders auffällt: Musik bringt Menschen schnell zusammen. Anfangs sitzen einige Jugendliche noch vorsichtig nebeneinander. Doch je länger der Tag dauert, desto lockerer wird die Atmosphäre.
Schweitzer-Elser beobachtet genau das: "Wenn man gemeinsam etwas macht, entsteht eine besondere Dynamik. Die Jugendlichen hören einander zu und werden mutiger."
Und vielleicht bleibt bei dem einen oder der anderen sogar mehr hängen als nur eine schöne Erinnerung. Vielleicht entsteht Neugier auf ein Instrument. Vielleicht der Wunsch, im Chor mitzusingen oder im Posaunenchor mitzuspielen. Dann hätte dieser Konfi-Musiktag sein Ziel erreicht.