Scheidender EKD-Ratsvorsitzender
Heinrich Bedford-Strohm trägt nicht ohne Grund den Spitznamen "Facebook-Bischof". Der bayerische Landesbischof und scheidende EKD-Ratsvorsitzende ist sehr aktiv in den Sozialen Medien. Grund genug, ihm auf Facebook zehn Fragen zu stellen.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm ist Landesbischof der bayerischen Landeskirche – doch manche nennen ihn auch "Facebook-Bischof". Das kommt daher, dass er gerne Videos und Text in den Sozialen Medien teilt. Was liegt also näher, als ihn genau dort, also auf Facebook, zu interviewen?

Der Evangelische Pressedient (epd) hat genau das getan. "Zehn Jahre – zehn Fragen" lautete das Motto. Unter einem Facebook-Post von Bedford-Strohm stellte der epd die Fragen direkt als Kommentar. User*innen konnten somit direkt eingreifen, einige fühlten sich auch berufen, selbst Fragen zu stellen.

Pünktlich um 9 Uhr morgens fand sich der Bischof am Laptop ein. Themen waren natürlich sein zehnjähriges Jubiläum als Landesbischof, seine zu Ende gehende Zeit als EKD-Ratsvorsitzender, die vielen Hasskommentare, die er abbekommen hat sowie die aktuellen Probleme der Kirchen, Stichwort Mitgliederschwund und Missbrauchsskandale.

Bedford-Strohm: Dorfpfarrer wäre "reizvolle Option"

Auch einen Blick in die Zukunft wagte man. "Ihr Vorgänger war nach seiner Bischofszeit noch einmal Dorfpfarrer. Das kann man sich beim Kosmopoliten, Theologie-Professor und "Menschenfischer" Bedford-Strohm nur schwer vorstellen... oder vielleicht doch?", lautete die Abschlussfrage. Woraufhin Bedford-Strohm erklärte, Dorfpfarrer sei zwar " in jedem Falle eine reizvolle Option".

Er habe jedoch zwei Professuren, in Bamberg und in Stellenbosch/Südafrika: "Jungen Menschen noch einmal auf der Basis meiner Erfahrungen als Bischof etwas zu vermitteln, darauf freue ich mich." Er werde auch die Gelegenheit nutzen, mehr Einladungen aus der Ökumene anzunehmen.

"Aber ich möchte dann vor allem mehr Freiheit haben und nicht schon wieder voll verplant sein."

Hier ist der Post, das Interview findet Ihr in den Kommentaren:

Und hier ist das Interview in Textform:

Herr Bedford-Strohm, fast jeden Morgen stellen Sie ein Video bei Facebook ein - stehen Sie dafür extra früher auf?

Bedford-Strohm: Nein, normalerweise bin ich von selbst sehr früh wach. Sicherheitshalber stelle ich meinen Wecker. Aber ich brauche ihn nie...

Sie gelten als medienaffin, Sie sind der "Facebook-Bischof", mal nennt man Sie "Padford-Strohm" - woher kommt Ihre Begeisterung für neue Medien und soziale Netzwerke?

Bedford-Strohm: Ich finde es spannend, ohne irgendwelche hierarchischen oder ehrfurchtsbasierten Hürden mit Menschen zu kommunizieren. Aber "Begeisterung" will ich relativieren. Ja: Begeisterung für vieles Tolle, was man damit machen kann - aber auch Sorge über bestimmte Gefahren...

Weil Sie auch mal deutlich (politisch) Position beziehen, hagelt es auch Hass und Häme im Netz. Haben Sie noch nie gedacht: Ich mach das nicht mehr, ich geh' offline?!

Bedford-Strohm: Nein, nicht deswegen. Immer mal wieder prüfe ich, ob die Gefahren am Ende doch das Gute überwiegen und ich deswegen raus sollte aus Facebook. Aber bisher wiegen für mich die Chancen mehr. Dafür, mit dem Hass umzugehen, habe ich meine inneren Ressourcen...

Im Netz sind die Hemmschwellen niedriger: Welche sehr direkte Frage oder welcher "Angriff" dort hat Sie denn in den vergangenen Jahren mal sprachlos gemacht?

Bedford-Strohm: Häufig geht es mir so, wenn es um den Islam geht. Manche Kommentatoren unterstellen bei dialogorientierten Aussagen dann, ich würde den fundamentalistischen Islam hofieren. Dabei will ich genau das Gegenteil: mit Muslimen zusammen die Religionen als Kräfte der Toleranz und Versöhnung profilieren...

Es gibt nicht viele Bischöf*innen, die so öffentlich im Netz auftreten. Warum ist das so? Und gehört diese Öffentlichkeit letztlich nicht inzwischen zum "Stellenprofil"?

Bedford-Strohm: Ich habe jetzt keinen genauen Überblick. Aber ich nehme wahr, dass auch viele andere Bischöf*\innen im Netz aktiv sind. Jede/r eben auf seine und ihre Weise. Was da passt, ist ja auch immer persönlichkeitsbedingt und kann nicht verallgemeinert werden...

Sie sind seit zehn Jahren bayerischer Landesbischof - und sind es noch zwei Jahre: Was ist Ihnen in dieser Zeit noch wichtig in Bayern anzupacken?

Bedford-Strohm: Das Wichtigste: Unseren Zukunftsprozess "Profil und Konzentration" weiter voranbringen und dabei nicht aus der Angst und der Knappheit agieren, sondern aus unseren geistlichen Quellen schöpfen und so aus der inneren Fülle handeln. Ich möchte auch die Mitgliederkommunikation verbessern. Ich möchte - zum Beispiel per Email - unsere Mitglieder erreichen können, ohne dafür über eine Million Euro Briefporto bezahlen zu müssen.

Die Kirchen verlieren weiter Mitglieder. Was erwidern Sie Menschen, die sagen: "Das mit Gott beschäftigt mich, aber ich kann ja auch ohne Kirche beten..."

Bedford-Strohm: Das erste, was ich sage, ist: Du kannst auch alleine beten, aber für das Leben des Glaubens brauchst du Gemeinschaft, brauchst du andere, die den Glauben mit dir zusammen leben. Und das Zweite: All die wunderbaren Worte der Bibel würden wir gar nicht kennen, all die Segensworte bei Trauungen und Taufen würden nicht gesprochen, all die alten Kirchengebäude, die wir lieben, und die Aufführung des Weihnachtsoratoriums, die wir genießen, all die soziale Arbeit für die Schwächsten würde es nicht geben, wenn es nicht diese Institution Kirche gäbe. Deswegen ist es gut, sie trotz all ihrer Schwächen und Fehler auch zu unterstützen.

Warum ist das überhaupt so, dass die Menschen den Kirchen den Rücken kehren? Welche Rolle spielen dabei auch in der bayerischen Landeskirche die Missbrauchsfälle?

Bedford-Strohm: Es ist richtig und nachvollziehbar, dass die Kirchen beim Thema Missbrauch im Zentrum stehen, auch wenn das leider ein Problem vieler gesellschaftlicher Großorganisationen ist. Denn bei uns als Kirchen ist die moralische Fallhöhe am größten. Hier wird auch nicht nach Konfessionen differenziert. Jede der Kirchen muss ja auch ihre eigenen, allerdings je unterschiedlichen Hausaufgaben machen. Ich werbe aber auch dafür, die Kirchen nicht auf dieses Thema zu reduzieren. All die tolle Arbeit, die so viele Menschen in den Kirchen jeden Tag tun und die eben nicht in die Schlagzeilen kommt, muss sichtbar bleiben...

Oder liegt der Mitgliederschwund doch auch am "Glauben" selbst? Ist unsere Welt heute nicht viel zu rational, zu aufgeklärt, um an die Auferstehung des Menschgewordenen Gottessohns zu glauben?!

Bedford-Strohm: Jedenfalls ist es heute, anders als früher, nicht mehr gesetzt, dass Menschen die Inhalte der christlichen Tradition für sich übernehmen. Wir müssen sie plausibel machen. Und wir müssen deutlich machen, wie tragfähig sie als Grundlage für ein gutes Leben sind. Denn das sind sie! Es wäre für mich eine Verarmung des Lebens, wenn ich nach der Devise: ich glaube nur, was ich sehe, leben würde. Man kann Gott weder beweisen noch kann man beweisen, dass es Gott nicht gibt. Aber auf Gott vertrauen, das kann man. Und das ist etwas Wunderbares...

Ihr Vorgänger Johannes Friedrich war nach seiner Bischofszeit noch einmal Dorfpfarrer. Das kann man sich beim Kosmopoliten, Theologie-Professor und "Menschenfischer" Bedford-Strohm nur schwer vorstellen... oder vielleicht doch?

Bedford-Strohm: Das wäre auch für mich in jedem Falle eine reizvolle Option. Aber ich habe zwei Professuren in Bamberg und in Stellenbosch/Südafrika, denen ich in meiner Bischofszeit nicht gerecht werden kann. Da habe ich, weil es Honorarprofessuren sind, keine festen Lehrverpflichtungen. Aber jungen Menschen noch einmal auf der Basis meiner Erfahrungen als Bischof etwas zu vermitteln, darauf freue ich mich. Dann wird auch vieles andere dran sein, auch Einladungen aus der Ökumene, etwa in Afrika, wozu ich jetzt immer Nein sagen muss. Aber ich möchte dann vor allem mehr Freiheit haben und nicht schon wieder voll verplant sein.

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