Zwischen Kriegen, Klimakrise und persönlicher Verunsicherung haben Bayerns Bischöfe und Bischöfinnen in ihren Silvesterpredigten zu Zuversicht, Mut, Gottvertrauen und gesellschaftlichem Engagement aufgerufen. Die Geistlichen sprachen über die Kraft des Glaubens, den richtigen Umgang mit der Zeit und die Stärke eines festen Herzens.
Erzbischof Herwig Gössl, Bamberg
"Du bewegst die Welt" – Glaube als Gegenmittel gegen Hass und Hetze
Der katholische Erzbischof Herwig Gössl rief laut Mitteilung dazu auf, die eigene Bequemlichkeit angesichts weltweiter Krisen zu überwinden. Für das Jahr 2026 gab er das Motto "Du bewegst die Welt" für das Erzbistum aus. Der christliche Glaube sei das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze, sagte Gössl im Bamberger Dom.
"Dabei kommt es wirklich auf jeden einzelnen Menschen an", betonte er.
Das Gefühl der Ohnmacht angesichts globaler Probleme sei für viele Menschen niederdrückend. Der Glaube gebe jedoch einen Maßstab in einer Welt, die zunehmend maßlos werde.
Bischof Bertram Meier, Augsburg
"Den Kairos am Schopf packen" – Warum der richtige Moment zählt
In Augsburg erklärte Bischof Bertram Meier laut Predigtmanuskript den Unterschied zwischen der getakteten Alltagszeit und besonderen Gnadenmomenten. Er nutzte dafür die griechischen Begriffe Chronos für die messbare Zeit und Kairos für den "rechten Augenblick".
Während Chronos den Menschen unter Druck setzen und "auffressen" könne, sei Kairos eine günstige Gelegenheit, die es "am Schopf zu packen" gelte.
Als persönliches Beispiel nannte Meier eine Operation, die für ihn zu einem solchen besonderen Moment des Gebets und des Gottvertrauens geworden sei.
Landesbischof Christian Kopp, München
"Neuanfang beginnt mitten im Unfertigen" – Hoffnung jenseits des Bruchs
Der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp rief zum Jahreswechsel zu mehr Verantwortung und Engagement für Erneuerung auf. Der christliche Glaube sei ein Glaube an die Erneuerung, an das "Refreshment", sagte Kopp in seiner Neujahrspredigt in der Münchner Matthäuskirche laut Manuskript. "Überall lauern Wege und Lösungen."
Das neue Jahr habe gerade erst begonnen und sei mit vielen Erwartungen verbunden, sagte Kopp. Er sprach von der Sehnsucht nach Frieden, insbesondere nach einem Ende des Krieges in der Ukraine, und wandte sich gegen Hetze und Schuldzuweisungen.
Die Welt brauche "Neu-Macher" – aus Liebe, Anstand oder Klugheit. "Denn Schmutzfinken aller Art erleben unser Land und die Welt gerade zu viele", sagte der Landesbischof.
Anlass seiner Predigt war auch die biblische Jahreslosung für 2026: "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!" Diese bedeute nicht, Altes zu beseitigen, sondern Bestehendes zu verwandeln.
"Neuanfang beginnt mitten im Unfertigen."
Gerade im Angesicht von Tod und Trauer zeige sich diese Hoffnung.
Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern, Nürnberg
"Hab keine Angst" – Das feste Herz als Quelle von Resilienz
Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern sprach in der Lorenzkirche über die Bedeutung eines "festen Herzens". Dieses sei nicht starr, sondern anpassungsfähig und ein "Wunder an Resilienz".
Die innere Festigkeit des Herzens entstehe aus dem Vertrauen in die Glaubwürdigkeit Gottes.
Angesichts vieler beängstigender Realitäten rief sie den Menschen die Aufforderung Gottes in Erinnerung: "Hab keine Angst. Fürchte dich nicht."
Kardinal Reinhard Marx, München und Freising
"Ein Jahr voller Fragezeichen" – Hoffnung im Epochenwandel
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zeigte sich an Silvester in der Kirche St. Michael in der Münchner Innenstadt nachdenklich und besorgt. "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu." Zum Ende eines "turbulenten, aufregenden" Jahres bekannte der Kardinal, dass er mit "großen Sorgen in die Zukunft" gehe.
"Wir erleben heute wahrscheinlich einen Epochenwandel, der tiefer geht, als wir heute sehen."
Den anhaltenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verurteilte Marx scharf. "Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen." Gleichzeitig sei seine "Hoffnung ungebrochen", dass die Kirche etwas erreichen und etwas tun könne. "Ich glaube an den Weg der Erneuerung, wir können eine missionarische Kirche sein, weil die Welt dieses Zeugnis braucht."