Erntedank 2021
Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm ruft zu Erntedank zu mehr Dankbarkeit und Achtung vor Nahrungsmitteln auf. In Deutschland sei Essen "ungewöhnlich billig". Es müsse ein Umdenken stattfinden, forderte er.
Essen zu Erntedank

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hob in einer Andacht auf Radio Bayern 2 hervor, wie wichtig es sei, an Erntedank dankbar zu sein. Es sei gut, "dass wir Gott Dank sagen, der diese Welt geschaffen hat und sie erhält und der Wachsen und Gedeihen gibt."

Bedford-Strohm: "Nahrungsmittel in Deutschland ungewöhnlich billig"

Zudem wies Bedford-Strohm darauf hin, dass wir manchmal das Bewusstsein für die Kostbarkeit unserer Nahrung verloren hätten. "Nahrungsmittel sind in Deutschland ungewöhnlich billig. Und was billig ist, ist für viele dann auch nichts wert. In Deutschland werden jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Eine unfassbare Zahl. Sie ist so hoch, weil wir die Kostbarkeit dieser Lebensmittel nicht mehr im Kopf und im Herzen haben. Die Bauern, die unsere Lebensmittel herstellen, müssen immer öfter um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, weil die Preise, die sie erzielen können, einfach zu niedrig sind."

Zudem hob der EKD-Ratsvorsitzende die Arbeit der Bäuer*innen hervor: "Wenn ich etwa bei Landfrauentagen spreche, habe ich eine Halle voll mit Bäuerinnen vor mir, vor deren Lebensleistung ich nur den Hut ziehen kann. Oft höre ich dann, wie sie sich – wenn sie konventionell produzieren – moralisch disqualifiziert fühlen, weil sie als Tierquäler und Umweltverschmutzer dargestellt werden. Das tut mir weh. Es ist unfair, Menschen pauschal so zu verurteilen, die jeden Tag in der Natur arbeiten und eine tiefe Beziehung zu ihren Tieren haben."

Verbraucher*innen sollen für angemessene Preise bezahlen

Bedford-Strohm betonte, dass nicht nur die Erzeuger*innen eine Verantwortung für das Wohl der Tiere hätten: " Wir Verbraucher müssen bereit sein, für qualitativ gute Lebensmittel auch den Preis zu bezahlen, den es braucht, um rentabel wirtschaften zu können. Also etwa die Milch, die Biobauern produzieren, auch wirklich zu kaufen anstatt die billigste Milchpackung in den Einkaufswagen zu legen. Oder weniger Fleisch zu kaufen, aber dafür hochwertiges, von Produzenten, die dem Tierwohl verpflichtet sind, auch wenn es einen höheren Preis hat als abgepacktes billiges Supermarktfleisch."

Zu Fragen des Tierwohls und der Tierethik hat die EKD im September 2019 ein Impulspapier der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung mit dem Titel "Nutztier und Mitgeschöpf! Tierwohl, Ernährungsethik und Nachhaltigkeit aus evangelischer Sicht" herausgegeben.

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