Der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp besucht ab Ende April die lutherischen Partnerkirchen in Tansania und Kenia. Er freue sich sehr auf die Reise und die Menschen in Ostafrika, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Denn durch die weltweite Kirche werde deutlich, was ihm vor allem in der jetzigen Zeit mit gesellschaftlichen Spannungen und zunehmendem Rechtsruck wichtig sei:
"Christentum und Nationalismus sind sich spinnefeind, sie vertragen sich nicht."
Nationalstreben sei für das Christentum undenkbar, betonte der evangelische Theologe.
Das Christentum sei das verbindende Element, werde aber von Land zu Land und von Region zu Region in anderer Ausprägung gelebt, sagte Kopp. In kenianischen und tansanischen Gottesdiensten zum Beispiel werde viel gesungen und getanzt, der Glaube werde mit vollem Körpereinsatz gelebt. Außerdem erlebe er dort eine sehr herzliche Willkommenskultur gegenüber Fremden. Ein wenig mehr davon würden Deutschland und auch Bayern guttun, findet Kopp. "Viele Menschen haben immer noch oder wieder Angst vor dem vermeintlich Fremden, das fängt schon damit an, wenn jemand anders aussieht."
Die Kenianische Evangelisch-Lutherische Kirche
Die Kenianische Evangelisch-Lutherische Kirche (Kenya Evangelical-Lutheran Church, KELC) ist eine von zwei lutherischen Kirchen des Landes. Sie ist vorwiegend im südöstlichen Teil Kenias beheimatet, ging aus der benachbarten tansanischen lutherischen Kirche (ELCT) hervor und ist seit 1992 Mitglied im Lutherischen Weltbund. Zu unterscheiden ist sie von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kenia (ELCK), die vor allem im Westen Kenias verwurzelt ist. Die KELC verfolgt derzeit einen zunehmend diakonisch-pädagogisch geprägten Ansatz.
Schon früh versorgte die KELC Straßen- und Waisenkinder. Im Jahr 2000 wurde die Abteilung für christliche Bildungsarbeit gegründet. Ihr folgte 2002 ein Aktionsplan zur Bekämpfung von Aids. Nach einer langen Dürre mit nachfolgenden Fluten engagierte sich die KELC in den Jahren 2005 und 2006 in der Bekämpfung der Folgen von Hunger. Nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007 startete sie ein Nothilfeprogramm für die Opfer politischer Gewalt und führte Friedensarbeit in der Jugendarbeit ein. Seit 2010 baut die KELC ihre Arbeit auf allen Ebenen aus: Frauenwerk, Jugendwerk, Bildungswerk, Diakonisches Werk.
Erste Frau im lutherischen Bischofsamt in Ostafrika
Mehr als 80 Prozent der Menschen in Kenia sind Christen, die Mehrheit von ihnen Protestanten. Lutherisch sind insgesamt rund 100.000 Kenianerinnen und Kenianer, aufgeteilt auf zwei Kirchen. Zur Bischöfin der KELC wurde im November 2025 Catherine Ngina gewählt. Sie ist nach Angaben des landeskirchlichen Partnerschaftswerk "Mission EineWelt" die erste lutherische Bischöfin Ostafrikas sowie erst die zweite Frau in diesem Amt in Afrika überhaupt. Die Kenianische Evangelisch-Lutherische Kirche ist eine Partnerkirche der bayerischen evangelischen Landeskirche.
Tansania hat neun Millionen Lutheraner - Tendenz steigend
Auf dem Programm stehen der Austausch mit der Kenya Evangelical Lutheran Church (KELC) und der Evangelical Lutheran Church Tanzania (ELCT). Letztere ist mit rund neun Millionen Mitgliedern die zweitgrößte lutherische Kirche der Welt - Tendenz steigend. Vor allem im globalen Süden nehmen die Mitgliedszahlen stark zu, wohingegen sie in Deutschland zurückgehen. "Wir sind in einem großen Change-Prozess und müssen künftig mit weniger Mitteln auskommen", sagte Kopp mit Blick auf Bayern.
"Was sind aber die Punkte, die Kirche lebendig halten? Was denken die Menschen in Tansania und Kenia darüber? Auf diesen Austausch freue ich mich."
Die Kirchen in Kenia und Tansania stünden dennoch vor gesellschaftlich großen Herausforderungen, sagte Kopp. Vor allem nach den Wahlen im Oktober 2025 sei die politische Gewalt gegenüber politisch Demonstrierenden in Tansania nochmal gestiegen. In Kenia sei die Gewalt gegen Frauen ein großes Problem.
Über Grenzen hinweg
In Deutschland nähmen die gesellschaftliche Polarisierung sowie verbale Gewalt in Form von Hass und Hetze zu. Die Frage sei, was die Aufgabe von Christinnen und Christen in einer solchen Situation sei und wie die Kirchen helfen könnten, sagte Kopp.
"Wir als Kirche bieten Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung über Grenzen hinweg."
Außerdem werde man über den Rückgang der globalen Entwicklungsgelder sprechen. Nach jüngsten OECD-Angaben sanken im vergangenen Jahr die von den Industrieländern bereitgestellten Mittel im Vergleich zum Vorjahr um 23,1 Prozent auf 174,3 Milliarden US-Dollar. Das habe enorme Auswirkungen auf weltweite Gerechtigkeit und Ausgleichsprozesse, sagte Kopp.
Mehr als 60 Gruppen aus bayerischen Kirchengemeinden seien derzeit in Tansania in sozialen Projekten aktiv, vor allem an Schulen, Kitas und Ausbildungsstätten. Die Ostafrika-Reise des Landesbischofs dauert vom 27. April bis 9. Mai.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (Evangelical Lutheran Church in Tanzania, ELCT) ist ein Zusammenschluss einer Reihe von lutherischen Kirchen in Tansania. Sie ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und inzwischen mit rund neun Millionen Mitgliedern in 28 Diözesen die zweitgrößte lutherische Kirche der Welt. Der Sitz der Kirche befindet sich in Arusha.
Seit mehr als 60 Jahren unterhält sie eine Partnerschaft mit der bayerischen evangelischen Landeskirche. Auch viele bayerische Dekanate und Kirchengemeinden unterstützen seit Jahrzehnten gezielt Projekte ihrer tansanischen Partner, etwa zur Bekämpfung der Folgen von Trockenheit, zur Ernährungssicherung oder zur Förderung von Bildung. So kommt es, dass bayerische Pfarrpersonen in Tansania arbeiten und tansanische in Bayern. Darüber hinaus sind andere Fachkräfte, entsandt von der bayerischen Landeskirche, in der ELCT im Einsatz, etwa Ärzte, Pädagoginnen und Handwerksmeister.
Stark im Gesundheits- und Bildungswesen
Die ELCT finanziert sich selbst aus Kollekten und Spenden der Christinnen und Christen vor Ort. Für Projekte erhält sie mitunter Unterstützung von Kirchen des Nordens. Neben dem spirituellen Angebot engagiert sich die Kirche im Gesundheits- und Bildungswesen des Landes, das sie entscheidend mitträgt. Die ELCT unterhält 24 Krankenhäuser sowie unterschiedliche Schulformen von der Grundschule bis zu verschiedenen Universitäten mit theologischen, humanwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fakultäten. Standorte sind Makumira, Iringa und Daressalam und Moshi.
Tansania war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Teil von Deutsch-Ostafrika. Während der ausbeuterischen Kolonialzeit kamen auch die ersten Missionare aus Deutschland ins Land, auf die die bis heute andauernden Partnerschaften zurückgehen. Die meisten Menschen in Tansania sind Christen oder Muslime. Das Zusammenleben gilt als vorbildlich friedlich. Genaue Zahlen liegen nicht vor, weil bei Volkszählungen die Religionszugehörigkeit nicht mehr abgefragt wird.