3.04.2014
Abschluss Frühjahrstagung

Landessynode stellt Weichen für "Legislaturperiode"

Die bayerische evangelische Landessynode tagte vom 30. März bis 3. April in Bayreuth. Zum Abschluss nahmen Kirchenparlamentarier die kommende Europa-Wahl und das Kirchenasyl in den Blick.
Plenum der Landessynode.

Die bayerische Landessynode hat zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung in Bayreuth zu einer regen Beteiligung bei der Europa-Wahl aufgerufen und Gemeinden, die Flüchtlingen Kirchenasyl gewähren, den Rücken gestärkt. Außerdem hat das Kirchenparlament der 2,5 Millionen bayerischen Protestanten bei seiner konstituierenden Sitzung die Weichen für die anstehende "Legislaturperiode" gestellt. Zur neuen Präsidentin des evangelischen Kirchenparlaments wurde die Erlanger Biologin Annekathrin Preidel (57) gewählt, zu ihren Stellvertretern der der Ansbacher Dekan Hans Stiegler (56) und der Kemptener Rechtsanwalt Hans-Christoph Bodenstab (56).

Vernetzung und Inspiration

Wie die neue Synodalpräsidentin Preidel in ihrer ersten Ansprache sagte, will sie die verschiedenen kirchlichen Gremien stärker vernetzen. Ihr Expertenwissen als Biologin werde sie verstärkt bei existenziellen Themen wie der Präimplantationsdiagnostik und der Sterbehilfe einsetzen. Aufgabe der Kirche insgesamt sei es, bei den Menschen für die "frohe Botschaft" des christlichen Glaubens zu werben. Kirche dürfe sich nicht in erster Linie auf "Dienstleistungen", wie Taufen oder Hochzeiten beschränken, sondern sollte stärker "inspirierende Impulse" vermitteln.

In seiner Gratulation würdigte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Preidel als "kompetente, selbstbewusste und artikulierte" Frau. Für die Kirche sei es gut, dass eine Naturwissenschaftlerin mit einem Spitzenamt betraut wurde, weil dieser Bereich oft nicht genügend repräsentiert werde. Preidel ist Nachfolgerin der Richterin Dorothea Deneke-Stoll, die nach sechs Jahren im Amt nicht mehr kandidierte.

Neue Lust am christlichen Glauben

Neben der neuen personellen Besetzung der Führungsriege stand auch die inhaltliche Ausrichtung der neuen Synode im Mittelpunkt. Als Konsequenz aus der letzten kirchlichen Mitgliederstudie will die Landeskirche stärker für den christlichen Glauben werben. Deshalb regte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm eine neue "Erweckungsbewegung" für die evangelische Kirche an. Denn die zunehmende Entfremdung junger Menschen von Kirche und christlicher Tradition sei "alarmierend". Auch die Zahl der Menschen, die ihrer Kirche wenigstens noch schwach verbunden seien, nehme ab. Deshalb müsse die Kirche wieder für eine neue Lust am christlichen Glauben werben.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach in seinem Grußwort das Imageproblem der Kirche an: Angesichts des aktuellen "Esoterik-Booms" gebe es zwar mehr Religion in der Gesellschaft. Diese Religion würde aber oft als "Selfmade- und Patchwork-Religion" sowie als "Verbrauchs-Religion" für individuelles Wohlbefinden gesehen. Es sei daher gemeinsame Aufgabe der evangelischen und katholischen Kirche, mehr auf die Menschen einzugehen und ihnen die Prinzipien des Evangeliums nahezubringen.

Kirchenasyl für Menschen auf der Flucht

In einem einstimmigen Beschluss hob die Synode die Bedeutung des Kirchenasyls hervor. Kernanliegen des Kirchenasyls sei, dass Flüchtlinge zu ihrem Recht kommen und der Schutz der Menschenwürde gerade auch bei Menschen auf der Flucht gewahrt werde. Deshalb sei das Kirchenasyl ein "wertvoller Dienst am Rechtsstaat". Den Staat bittet das Kirchenparlament der 2,5 Millionen bayerischen Protestanten, das Kirchenasyl zu achten. Zugleich weist die Synode darauf hin, dass das Kirchenasyl kein rechtsfreier Raum sei.

Wie Oberkirchenrat Michael Martin erklärte, hat die Zahl der Kirchenasyle stark zugenommen. Im letzten Jahr sei 22 Menschen in evangelischen und katholischen Gemeinden Schutz gewährt worden. Aktuell gebe es rund zehn Kirchenasyle. Diese Zunahme zeigt nach Überzeugung der Synode die Notwendigkeit, das geltende Asylrecht und seine Anwendung zu verbessern sowie ein Zuwanderungsrecht zu erarbeiten.

Zu ihrer nächsten Tagung trifft sich die Landessynode im Herbst in Regensburg. Dabei werden die Finanzen und der kirchliche Haushalt im Mittelpunkt stehen.

Dossier

Landessynode

Das bayerische Kirchenparlament, auch Landessynode genannt, bestimmt auf ihren Tagungen den Kurs der evangelischen Kirche in Bayern. Die wichtigsten Entscheidungen, aktuelle Entwicklungen sowie Interviews mit den Synodalen finden Sie in unserem Dossier zum Thema Landessynode:   www.sonntagsblatt.de/landessynode

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