11.10.2019
Nach dem Anschlag von Halle

Lichterkette um Münchner Synagoge mit Bedford-Strohm: Einsatz für die Menschenwürde ist Pflicht

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat am Freitagabend bei der Lichterkette auf dem Münchner Jakobsplatz rund um die Synagoge Ohel Jakob zum Einsatz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus aufgerufen.
2019 Kirchentag Hesselberg Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm2
Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof, beim Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg im Juni 2019.

"Wir fühlen uns tief verbunden mit den jüdischen Schwestern und Brüdern", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) laut Redemanuskript. Dies sei "nicht nur eine Gefühlsäußerung" zwei Tage nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle mit zwei Toten. Es gehe um eine Verpflichtung: "Wir werden in unserem Alltag für die Menschenwürde eintreten."

Bedford-Strohm sagte weiter, man werde "überall Kontra geben, wo ganze Menschengruppen wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihrer Religionszugehörigkeit abgewertet werden". Und man werde die zur Rede stellen, die Rechtsradikalen Deckung geben - auch dann, wenn sie selbst nicht so dächten, erläuterte der Bischof bei der Lichterkette:

"Wenn im Bundestag und im Landtag vertretene Parteien rechtsradikale Ideen in ihren Reihen dulden, dann disqualifizieren sie sich im demokratischen Diskurs." Man werde nicht einfach zuschauen, "wenn solche Einstellungen in unserem Land salonfähig werden".

Die ständige Stellvertreterin des Landesbischofs, die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, forderte eine Bewegung gegen Antisemitismus und Rassismus, "Betroffenheitslyrik" alleine reiche nicht mehr aus: "Es ist nicht mehr viel Zeit", mahnte sie. Wenn man sich um die Sicherheit von Menschen sorgen müsse, die in der Öffentlichkeit Jiddisch oder Hebräisch sprechen, wenn man jüdische Gottesdienste und Einrichtungen täglich schützen müsse, sei das kein Alarmzeichen mehr: "Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft. Und es ist ein Zeichen für einen vitalen Rechtsterrorismus", sagte Breit-Keßler.

Die Regionalbischöfin forderte die Menschen auf, "geschlossen am Sabbat als Gäste" in den jüdischen Gottesdienst zu gehen und dort die jüdischen Feste mitzufeiern. Sie forderte die Lichterketten-Teilnehmer auf, bis nach dem Ende des um 18.20 Uhr beginnenden Gottesdienstes in der Synagoge zu bleiben. "Dann begrüßen wir unsere jüdischen Geschwister und Freunde, die aus der Synagoge kommen", sagte die Theologin. Dann wüssten sie, "dass wir da sind: an ihrer Seite. Heute. Und in Zukunft".

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Antisemitismus

Die Kippa ist eine Kopfbedeckung für männliche Juden.
Nach dem Synagogen-Anschlag in Halle fordert die frühere Zentralratspräsidentin Knobloch Polizeischutz für alle jüdischen Einrichtungen in Deutschland. Die bayerischen Behörden haben am Tag danach schnell reagiert, sagt Innenminister Herrmann. Stimmen aus Religion und Politik im Überblick.

Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus

Stopp Halt Widerstand
Das Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus in Nürnberg ist am Samstag mit einem Gedenken an die Opfer des NSU zu Ende gegangen. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm rief Christen dazu auf, sich menschenverachtenden Meinungen entgegenzustellen.

Gebet der Solidarität

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim Gebet in der Münchner Hautpsynagoge
Mit einem gemeinsamen Gebet in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seine Verbundenheit mit der jüdischen Bevölkerung gezeigt. Antisemitismus und Rechtsextremismus seien kein Kavaliersdelikt, sagte er - und kritisierte besonders eine Partei.

Religiöse Feiertage

25 Stunden lang nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen, nicht duschen, nur nachdenken über sich selbst und über das, was man falsch gemacht hat. Daran halten sich Juden auf der ganzen Welt ab Dienstagabend. Am 9.10. ist Jom Kippur, der große Versöhnungstag, und er beginnt wie alle Feiertage im Judentum am Vorabend. Rabbi Langnas erkärt, warum der Feiertag für die jüdische Seele so wichtig ist: