22.09.2019
Kreative Gemeinde

Singles in der Kirche: 14 Tipps für Kirchengemeinden

Was können Kirchengemeinden tun, um Singles zu erreichen? Und wie können sich Singles in ihrer Gemeinde einbringen? Die besten Tipps.
Kirche und Singles Tipps und Empfehlungen

Wer sich mit statistischen Zahlen und Studien zum Single-Dasein beschäftigt, merkt schnell: Singles sind nicht gleich Singles. Bereits die Definition des Begriffs ist nicht einfach: Meinen wir damit Menschen, die alleine wohnen? Oder ohne Partner leben? Unverheiratet sind? Sprechen wir über Menschen, die unfreiwillig alleine leben? Oder verwitwet sind?

In der öffentlichen Diskussion werden statistische Zahlen häufig dazu genutzt, populäre Thesen zur Single-Gesellschaft zu stützen. Dann heißt es, München sei eine "Single-Stadt", doch beziehen sich die Daten auf die statistische Erfassung der Einpersonenhaushalte. Inzwischen lebt eine ganze Industrie von den Interpretationen der Daten zu vermeintlichen "Singles". Es gibt speziell konfektioniertes Essen für Singles, Single-Wohnungen oder Single-Reisen.

Singles nach Lebensphasen unterscheiden

Wenn sich Kirchengemeinden also um Singles kümmern wollen, ist das nicht ganz einfach. Wer sich die Daten und Studien anschaut, findet Unterscheidungen, die hilfreich sind. Der Soziologe Stephan Baas orientiert sich vor allem an Lebensphasen und unterscheidet vier Single-Gruppierungen:

  1. JUNGE SINGLES: Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die von zu Hause ausziehen und sich noch vor der Familienphase befinden. Sie sind auf der Suche nach einer Partnerschaft und wechseln häufig den Wohnort. Rein statistisch heiraten die jungen Menschen heute später und bekommen auch später ihr erstes Kind als noch vor zwanzig Jahren.
     
  2. SINGLES im MITTLEREN ALTER: Dazu gehören überwiegend Männer und Frauen, die sich haben scheiden lassen – statistisch gesehen wird jede dritte Ehe geschieden. Einen signifikanten Anstieg der Scheidung gibt es übrigens bei Paaren mit Kindern, die das 6. Lebensjahr überschritten haben.
     
  3. SINGLES IM HÖHEREN ERWACHSENENALTER: Dazu gehören überwiegend Frauen ab 75 Jahren, die verwitwet sind und alleine leben. Sie machen rund 80 Prozent der Einpersonenhaushalte in Deutschland aus, gelten aber in der Regel als gut vernetzt.
     
  4. SINGLES im SENIORENALTER: Dazu gehören ältere Menschen, die sich im hohen Alter noch scheiden lassen.

Diese Aufteilung zeigt, dass das Single-Dasein eher an eine Lebensphase gekoppelt ist und viel mit unserer Gesellschaft, der Erziehung und unseren Werten zu tun hat. Dabei fällt auf, dass sich das Geschlechterverhältnis in Deutschland kaum verändert hat: Wenn das erste Kind kommt, fallen die meisten Paare in herkömmliche Geschlechterrollen zurück. Dann übernimmt die Frau die Kindererziehung und den Haushalt, während der Ehemann arbeitet.

Was können Gemeinden für Singles tun?

Wenn Kirchengemeinden oder diakonische Einrichtungen die vielen verschiedenen Single-Lebensformen in ihrer Arbeit besser berücksichtigen wollen, müssen sie sich mit den verschiedenen Facetten des Single-Daseins beschäftigen.

Die "Church of England" hat sich schon 2014 auf den Weg gemacht und eine große Kampagne zum Thema gestartet. Ausgangspunkt bildete eine Umfrage, bei der über 7.000 Singles in der Kirche befragt wurden. Das Ergebnis: Die überwiegende Zahl der erwachsenen Gemeindemitglieder ist verheiratet. Allerdings ist jedes dritte erwachsene Kirchenmitglied ein Single. Aus den Erkenntnissen der Studie wurden verschiedene Maßnahmen abgeleitet. Die Kirche hat inzwischen ein Portal mit dem Titel "Single-friendly-church" gestartet. Dort finden sich Tipps für Gemeinden, Online-Angebote für Singles und Informationen für Interessierte.

6 Tipps für kirchliche Einrichtungen

Die Umfrage der "Church of England" ergab, dass viele Singles in der Kirche das Gefühl haben, nicht richtig oder nur als "Menschen zweiter Klasse" wahrgenommen zu werden. Daraus entstand eine ganze Reihe an Empfehlungen für kirchliche Einrichtungen:

  1. Sprache: Bei Predigten, Fürbitten oder Verlautbarungen sollten Pfarrerinnen und Pfarrer darauf achten, Singles in ihrer Vielfalt anzusprechen. Auch sollte der Fokus weniger auf Familie liegen als auf einer individuellen Ansprache.
  2. Vorbilder: Auf Leitungsebene sollten Mitarbeiter ihr Single-Dasein thematisieren und als Vorbild dienen für den richtigen Umgang mit der Zielgruppe.
  3. Diversität: In den Gremien sollten alle Altersgruppen und Menschen in verschiedenen Lebensphasen vertreten sein – unter anderem auch Singles.
  4. Verantwortung: In jeder Gemeinde sollte es für die jeweilige Gruppierung einen Ansprechpartner geben.
  5. Theologie: Es gibt eine Kommission, die theologische Grundsätze entwickelt und sich um die Weiterentwicklung der kirchlichen Angebote und Kampagnen kümmert.
  6. Training: Es gibt Fortbildungsangebote für kirchliche Mitarbeitende zum Thema Singles.

Auch die Singles werden dazu animiert, sich einzubringen und zu engagieren.

  1. Singles können in ihrer Gemeinde das Thema ansprechen und den Kirchenvorstand dazu anregen, sich mit der Studie oder dem Thema zu beschäftigen.
  2. Singles sollten eigene Ideen für Veranstaltungsformate entwickeln und diese in der Gemeinde anbieten.
  3. Singles sollten sich in der Gemeinde engagieren und konkrete Aufgaben übernehmen.

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Empfehlungen gibt es aber bereits eine ganze Reihe von Formaten, die speziell für Singles entwickelt wurden. 

Experimentierwerkstatt zum Thema Singles in Nürnberg

Bei einer "Experimentierwerkstatt" im Amt für Gemeindedienst wurde eine ganze Reihe von Veranstaltungsformaten und Ideen für Angebote entwickelt. Wichtig zu berücksichtigen: Oft möchten Singles nicht zu Veranstaltungen gehen, die sich explizit an Singles wenden – sie wollen vielmehr Menschen aus verschiedenen Lebenszusammenhängen kennenlernen. Deshalb braucht es Veranstaltungsformate, die offen und durchlässig sind.

Single Kirche Formate Ideen

Hier kommen 5 Ideen für Single-Formate in Kirchengemeinden:

Tauffest für Alleinerziehende:

Viele Alleinerziehende würden ihre Kinder gerne taufen lassen, scheuen aber den Aufwand und die Öffentlichkeit. Bei einem Tauffest für Alleinerziehende können mehrere Kinder getauft und die Alleinerziehenden entlastet werden. Außerdem finden sich vielleicht auch Familien, die ihre Kinder lieber in einer Gruppe taufen lassen möchten.

Sonntags nicht putzen

Während Familien den Sonntag oft als Zeit für gemeinsame Unternehmungen schätzen, beklagen viele Singles, dass sie nicht wissen, was sie am Wochenende alleine unternehmen sollen. Warum nicht eine Gruppe gründen, die sich nach dem Gottesdienst trifft und gemeinsam das Mittagessen kocht oder reihum einen Ausflug organisiert?

Wohnzimmer-Gespräche

Singles suchen nach Gelegenheiten, in Kontakt zu treten und sich mit anderen auszutauschen. Bei einem "Salon" oder "Wohnzimmer-Gesprächen" könnten sich Interessierte einmal im Monat zu einem Thema in einer anderen Wohnung treffen. Vielleicht beginnt der Abend mit einem Gespräch über die Losung, oder es werden kurze Impulsvorträge zu aktuellen Themen angeboten, über die anschließend diskutiert werden kann.

Newcomer-Treff

Dieses Angebot wendet sich vor allem an junge Menschen, die neu in die Stadt gezogen sind und Anschluss suchen. In jeder Gemeinde könnte es junge "Tutoren" oder "Kümmerer" geben, mit dem Auftrag, sich um Neuankömmlinge oder neu Zugezogene zu kümmern – etwa, indem sie Stadtführungen organisieren oder gemeinsame Unternehmungen anbieten.

Dinner for more

Wo kann ich andere Menschen weder über eine Dating-Plattform noch im Verein kennenlernen? Beim "Dinner for more" laden Gemeinden zum Abendessen zu einem bestimmten Thema oder für einen bestimmten Zweck ein. Es gibt drei oder vier Gänge, für jeden Gang wechseln die Gäste ihren Platz und bekommen einen kurzen Gesprächsimpuls. Am Ende bleibt Zeit für eine Diskussionsrunde oder ein gemeinsames Projekt. Möglicherweise werden die Einnahmen für einen guten Zweck verwendet.

 

Haben Sie auch eine Idee für eine Veranstaltungsreihe oder ein Format? Dann schreiben Sie mir: rharmsen@epv.de

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