Ein Kapitel Kirchengeschichte in Bayreuth-Laineck ist beendet – und gleichzeitig beginnt ein neues, mehrere tausend Kilometer entfernt. Die Prinzipalien der ehemaligen Epiphaniaskirche – also Altar, Taufbecken und Ambo – haben eine neue Bestimmung gefunden: Sie sollen künftig in einer evangelischen Gemeinde im ukrainischen Charkiw genutzt werden.

Anfang März wurden die liturgischen Stücke aus der inzwischen leergeräumten Kirche abgeholt. Was zunächst wie ein nüchterner Abtransport wirkte, entwickelte sich für viele Beteiligte zu einem emotionalen Moment. Denn mit der Übergabe endet endgültig die über 50-jährige Geschichte der alten Lainecker Epiphaniaskirche.

Neue Kirche gleich nebenan

Vorbei ist die Geschichte der Gemeinde allerdings nicht. Im Gegenteil: Anfang Januar wurde direkt neben dem alten Gebäude die neue Epiphaniaskirche feierlich eingeweiht. Der Neubau ersetzt die bisherige Kirche aus den 1970er Jahren und bietet der Gemeinde nun moderne Räume für Gottesdienste, Begegnung und Gemeindeleben.

Während also nebenan ein neues kirchliches Zuhause entstanden ist, wird das alte Gebäude derzeit vollständig geräumt und vorbereitet für den Abriss.

Abschied von einem vertrauten Ort

Schon seit Wochen herrschte rund um das Gebäude geschäftiges Treiben. Gemeindemitglieder räumten Keller, Dachboden und Nebenräume aus. Dabei kamen zahlreiche Erinnerungsstücke aus einem halben Jahrhundert Gemeindeleben zum Vorschein: alte Theaterkulissen, Requisiten, eine Schreibmaschine oder auch eine Nähmaschine. Vieles wurde gegen Spenden abgegeben oder verschenkt, anderes landete schließlich in einem großen Container vor der Kirche.

Für manche fühlte sich der Blick in die fast leeren Räume ein wenig wie ein Besuch in einem "Lost Place" an. Wo früher Gottesdienste, Konzerte und Gemeindefeste stattfanden, standen zuletzt nur noch die Prinzipalien – Altar, Taufbecken und Ambo – im Raum.

Hilfe aus der Oberpfalz

Dass diese zentralen Stücke kirchlicher Ausstattung nun weiter genutzt werden, ist der Hilfsorganisation Space Eye aus der Oberpfalz zu verdanken. Die Initiative engagiert sich seit Jahren stark in der Ukrainehilfe und organisiert Hilfstransporte sowie humanitäre Unterstützung für Gemeinden und Einrichtungen im Kriegsgebiet.

Im Rahmen eines solchen Hilfstransports sollen die Prinzipalien nach Charkiw gebracht werden. Die ostukrainische Millionenstadt liegt nahe der russischen Grenze und war seit Beginn des Angriffskrieges immer wieder Ziel schwerer Angriffe. Viele kirchliche Einrichtungen wurden beschädigt oder zerstört.

Männerkreis packt mit an

Beim Verladen halfen Mitglieder des Männerkreises der evangelischen Kirchengemeinde Laineck. Peter Reul, Jürgen Simon, Jürgen Fuhrmann und Christian Mauerer sorgten dafür, dass Altar, Ambo und Taufbecken sicher in den Transport gelangten.

Für sie war es mehr als nur ein logistischer Einsatz. "Ein bisschen Wehmut war schon dabei", beschreibt einer der Beteiligten die Stimmung. Schließlich verbindet viele Laineckerinnen und Lainecker persönliche Erinnerungen mit der alten Kirche.

Zukunft auf dem Grundstück

Auch baulich steht ein Neuanfang bevor: Das Gebäude der alten Epiphaniaskirche wird abgerissen. Auf dem Grundstück soll künftig ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung entstehen.

Während in Laineck also ein Gebäude verschwindet und daneben ein neues kirchliches Zentrum entstanden ist, gehen Altar, Ambo und Taufbecken auf eine lange Reise.

Ein Zeichen der Hoffnung

Der Gedanke, dass diese Stücke künftig in einer Gemeinde stehen, die mitten im Krieg ihren Glauben lebt, verleiht dem Abschied eine besondere Bedeutung.

So endet die Geschichte der alten Epiphaniaskirche nicht einfach mit Abriss und Container. Sie wird weitergeschrieben – in einem anderen Land, in einer anderen Sprache und unter ganz anderen Umständen.

Oder, wie es ein Gemeindemitglied beim Abtransport formulierte: "Mögen die Prinzipalien in der Ukraine den Menschen zum Segen werden."