30.10.2019
Kunst & Religion

Artionale 2019: Kuratorin Benita Meißner über Kunst in Kirchen

12 Kirchen und zwei kirchliche Einrichtungen zeigen Kunst und zeitgenössische Musik zur Artionale 2019 in München. Kuratorin Benita Meißner erklärt ihr Konzept im Interview.
Lukaskirche München Artionale 2019
Lukaskirche München : Lichtinstallation zur Artionale 2019.

Benita Meißner ist Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst (DG) und hat die Artionale 2019 kuratiert. Im Interview erläutert sie das Konzept der Schau unter dem Titel "Resonanzen", die bis 6. November in zwölf evangelischen Kirchen und zwei kirchlichen Einrichtungen zu sehen ist.

Ist es schwer, Kunst in Kirchen zu bringen?

Benita Meißner: Meine Erfahrung war sehr positiv, nachdem es sich bei Kirchen um Räume handelt, die extrem aufgeladen sind. Die Artionale möchte Neue Musik und Gegenwartskunst in Kirchen vorstellen. Ich wollte Kunstwerke finden, die ihre eigenen Themen mitbringen, aber in Resonanz treten mit den spirituellen Räumen.

Wie erfolgt diese Resonanz?

Meißner: In der Kreuzkirche zum Beispiel nimmt die künstlerische Arbeit Bezug zur Hagia Sophia in Istanbul. Nur wenige wissen, dass die Hagia Sophia rund 900 Jahre lang christliche Kirche war und nur etwa 500 Jahren als Moschee genutzt wurde. Die Fotografien von Karen Irmer zeigen arabische Schriftzeichen, das löst eine Gedankenkette aus. Und diese Art Resonanz gibt es an vielen Orten.

In der St. Lukaskirche hat der Künstler Lars Koepsel einen leuchtenden Globus mit dem Text "Wir Flüchtlinge" von Hannah Arendt beschrieben. Die Skulptur selbst trägt den Titel "I come from a beautiful place". Die Assoziationen, die die Kombination von Buch und Kommentar des Künstlers hervorrufen, sind vielfältig.  Für mich ist es eine Aufforderung unsere eine Welt zu teilen, denn niemand verlässt ohne Grund seine Heimat.

Wie lief die Zusammenarbeit mit den Gemeinden?

Meißner: Der Aufbau der Kunstwerke war weniger stressig als ich es erwartet hatte. In den Gemeinden haben sich die Menschen sehr bemüht und engagiert. Es gab einen guten persönlichen Austausch zwischen den Künstlern und Mitgliedern der Gemeinden. Die Kunst ist in den Kirchen angekommen. In jeder Kirche gibt es Paten, die sich den Kunstwerken angenommen haben. Das ist eine sehr positive Erfahrung

Warum sollte sich Kirche mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen?

Meißner: Kunst und Kirche teilen die großen Themen der Menschheit – Glaube, Liebe, Hoffnung, Trauer. Diese Themen verarbeiten auch Künstlerinnen und Künstler. Wenn der Mensch im Fokus steht, dann passt diese Form von Kunst gut in den Kirchenraum. Klar kann Kirche ohne Kunst leben und der Künstler ohne Kirche, aber gemeinsam ist es leichter und schöner.

Benita Meißner Lars Koepsel
Artionale-Kuratorin Benita Meißner und Künstler Lars Koepsel beim Kunstgespräch mit Moderatorin Rieke Harmsen in der Lukaskirche München.
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