2.04.2017
Kirchenmusik

Nur zwei Monate Vakanz? Bei Pfarrer-Stellen kaum denkbar. Aber nicht bei Kantoren. Mit Christoph Beyrer kam nur wenige Wochen nach der Verabschiedung des langjährigen Dekanatskantors Dieter Eppelein dessen Nachfolger ins Dekanat Neustadt an der Aisch. Der gebürtige Berliner hat viel vor.
Christoph Beyrer mit Posaune
Auch die Posaune hat es Christoph Beyrer angetan.

»Es sind freundliche und aufgeschlossene Menschen, die sehr im Leben stehen«, sagt der 50-jährige Musiker nur wenige Wochen nach dem Dreikönigstag, an dem er in sein neues Amt eingeführt wurde. Doch schon sechs Tage zuvor, am 1. Januar, hatte Beyrer an seiner neuen Wirkungsstätte zum ersten Mal gespielt, nachdem er noch an Silvester in seinem letzten Gottesdienst im thüringischen Ponitz zu hören war. Augenscheinlich also nicht nur ein verbriefter Vollblutmusiker, sondern auch einer, der den Wechsel und den damit verbundenen Stress nicht scheut.

Beyrer ist ein waschechter Berliner und hat in der Bundeshauptstadt in den Jahren 1987 bis 1993 ein Studium in den Fächern Vokalkorrepetition und Chordirigieren an den Hochschulen für Musik in Weimar und Berlin absolviert. Gleich im Anschluss zog es ihn bereits nahe zu den Menschen in seiner Tätigkeit als Klavierlehrer.

Zuvor im Altenburger Land tätig

Die nächste Station war ein Posten als wissenschaftlich-künstlerischer Mitarbeiter am Institut für Musikpädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dort nahm Beyrer sein Zweitstudium Kirchenmusik auf und legte das A-Examen in Halle an der Saale ab.

Die nächsten Jahre wirkte er an der evangelischen Familienerholungs- und Begegnungsstätte der Kirchenprovinz Sachsen »Burg Bodenstein«, bis er ab September 2003 die Stelle eines der vier im Kirchenkreis Altenburger Land angestellten hauptamtlichen Kantoren in Ponitz übernahm. Gerne erinnert sich Beyrer an die Gottfried-Silbermann-Orgel von 1737.

Ein absoluter Kontrast zu seinem neuen »Haupt-Instrument« in der Stadtkirche in Neustadt, das aus dem Jahr 1982 stammt, aber über stolze drei Manuale verfügt, was das Spektrum erweitert. Auf die Töne, die er der Orgel entlocken wird, darf man sich bestimmt ebenso freuen wie über die klingenden Ergebnisse seiner regen Chorkonzerttätigkeit, die er in Neustadt fortführen möchte.

Fokus auf Vokalmusik

»Meine kirchenmusikalischen Schwerpunkte liegen in der Alten Musik des 16. sowie 17. Jahrhunderts sowie der Moderne«, erklärt Beyrer. Generell sei ihm die klare, musikalisch-inhaltliche Aussage ein hehres Anliegen. Daher liege der Fokus in der Vokalmusik auf der Wort-Ton-Entsprechung. »Die Abstimmung zwischen Musik, Lesungen und Predigt im Gottesdienst muss einfach passen«, ist Beyrer überzeugt.

In Neustadt sei er von Anfang an sehr positiv aufgenommen worden und habe sich über die große Aufgeschlossenheit und das Interesse des Kammerorches­ters gefreut. »Kantorei und Kammerorchester arbeiten in Neustadt traditionell sehr gut zusammen.«

Natürlich steht Christoph Beyrer erst am Anfang seiner neuen Tätigkeit, hat aber die ersten mittelfristigen Ziele für sich bereits definiert: »Zuerst muss ich das musikalische Potenzial im Dekanat erkennen. Wichtig ist es, Kontakte über die Stadtgrenzen hinaus herzustellen und in eine musikalisch-kulturelle Koordination hineinzufinden. Ich will sicht- und spürbar machen, dass Musik für uns Menschen ein Lebensmittel ist«, so Beyrer.

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