Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beklagt einen schleichenden Verlust historischer Bauten. Die Lage für den Denkmalschutz sei dramatisch. In der Politik schwinde Verständnis und Rückhalt für den Erhalt von Denkmälern, sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny am Dienstag in Berlin zur Vorstellung des ersten Schwarzbuches der Denkmalpflege und dem "Verzeichnis verlorene Geschichte 2023/2024".

Fast täglich fielen Denkmale Abrissbaggern und destruktiven Planungen zum Opfer, heißt es in dem mehr als 280 Seiten umfassenden Schwarzbuch. Für 2023 geht die Stiftung von mindestens rund 565 betroffenen Bauten aus, die von Denkmallisten gestrichen oder sogar abgerissen wurden. Für das vergangene Jahr wird von mindestens 455 Denkmälern ausgegangen. Das Schwarzbuch listet rund 40 Beispiele von "verloren gegangenen" Denkmälern aus fast allen Bundesländern auf.

Beispiele aus Bayern

Aus Bayern werden etwa die 1904 errichtete Radrennbahn Reichelsdorfer Keller in Nürnberg erwähnt, die Alte Schlosswirtschaft in Planegg aus dem 15. Jahrhundert, ein besonders aufwendig gestaltetes Fachwerkhaus von 1802 in Bayreuth oder ein im Kern spätmittelalterliches Handwerkerhaus in Landshut, die allesamt abgerissen wurden.

Genaue Zahlen sind laut Stiftung nicht verfügbar. Die Autoren des Schwarzbuches fordern deshalb eine bundesweite Erfassung des Denkmalbestandes. Bislang gebe es keine einheitlichen Standards. Abrissvorhaben und Streichungen von der Denkmalliste müssten künftig verbindlich und "transparent" veröffentlicht werden.

Der Vorsitzende des Stiftungsrats und ehemalige Berliner Landeskonservator, Jörg Haspel, beklagte die schlechte Ausstattung der meisten Denkmalschutzbehörden in Kommunen und Landkreisen. Diese seien dann oftmals überfordert, gemeinsam mit Eigentümern von Denkmälern tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

Stiftung kritisiert Schwächung gesetzlicher Vorgaben

Skudelny kritisierte eine Schwächung gesetzlicher Vorgaben. Dadurch komme es zu empfindlichen Verlusten. Zugleich verwies er darauf, dass historische Bauten als touristische Anziehungspunkte ein Wirtschaftsfaktor seien. "Denkmalschutz ist unser Dank an die Vergangenheit, unsere Freude an der Gegenwart und unser Geschenk für die Zukunft", schreiben die Autoren des Schwarzbuches.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes fordert die Stiftung ein politisches Bekenntnis zum "Bauen im Bestand". Dies müsse vereinfacht werden. Die Expertise in Fachbehörden müsse verbessert werden. Bei Verstößen sollten Behörden Sanktionsmöglichkeiten stärker nutzen. Dazu gehörten etwa Bußgelder oder eine Wiederaufbaupflicht. Eigentümer von Denkmälern müssten durch steuerliche Anreize finanziell entlastet werden. Nötig sei auch weniger Bürokratie bei Förderprogrammen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie fördert dank zahlreicher Spender rund 600 Projekte jährlich.

(om/epd)