10.09.2020
Kunst & Religion

Indische Künstlerin Sheela Gowda zeigt Installation in St. Lukaskirche München

Weihrauch in einer evangelischen Kirche? Die indische Künstlerin Sheela Gowda zeigt eine Installation in der Lukaskirche München.
Sheela Gowda Installation in Lukaskirche Muenchen
Die indische Künstlerin Sheela Gowda zeigt ihre Kunst in der Lukaskirche München.

Kunst aus Asche: Eine Installation der zeitgenössischen indischen Künstlerin Sheela Gowda ist ab diesem Freitag (11. September) in der evangelischen Lukaskirche zu sehen. Die Schau mit dem Titel "Collateral" ist eine Satellitenausstellung des Lenbachhauses, das derzeit erstmals in Deutschland eine umfassende Werkausstellung Gowdas zeigt. Die 63-Jährige zählt zu den wichtigsten indischen Künstlerinnen. Sie arbeitet mit Weihrauch, Kokosfasern und duftenden Pulvern, aber auch mit Nadeln, Haaren oder Kuhdung. Sheela Gowda war mit ihren Arbeiten bereits auf der documenta und der Biennale vertreten und erhielt 2019 den Maria-Lassnig-Preis.

"Uns geht es darum, mithilfe der Kunst die Wahrnehmung des sakralen Raums zu verändern", sagt Andreas Ludwig, Vorsitzender des Kunstausschusses. Für ihre Installation verbrenne Gowda eine Paste aus Weihrauch und Kohle auf flachen Paneelen aus Stahlgewebe - zurück blieben fragile, duftende Aschegebilde. Olfaktorische Irritation sei programmiert: Gerade in Oberbayern ist Weihrauchduft in Gotteshäusern klar mit der katholischen Kirche verbunden.

"Andererseits denken viele ausländische Besucher sowieso, dass die Lukaskirche wegen ihrer Form, Größe und Lage eine katholische Kirche sei", sagt Ludwig. Gowdas Installation lässt solche Erwartungshaltungen miteinander kollidieren und schlägt zugleich eine interreligiöse Brücke zur indischen Glaubens- und Alltagstradition, in der Weihrauchduft fester Bestandteil ist.

Sheela Gowda, Jahrgang 1957, ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Indiens. Für ihre Skulpturen und Installationen arbeitet sie mit Weihrauch, Kokosfaser und duftenden Pulvern, aber auch Nadeln, Haaren oder Kuhdung. Ihre narrativen und oft metaphorischen Arbeiten thematisieren gesellschaftliche und soziale Konflikte, widmen sich der Situation der Frauen oder setzen mediale Bilder der indischen Gesellschaft ein.

Gowda war mit ihren Arbeiten auf der Biennale in Venedig 2009 und der Documenta 2007 vertreten. 2019 bekam sie den Maria-Lassnig-Preis verliehen. Das Lenbachhaus präsentiert offiziell ab 31. März bis 26. Juli im Kunstbau erstmals eine umfassende Werkausstellung in Deutschland. Das Kunstprojekt ist eine Kooperation mit dem Lenbachhaus München.

Sheela Gowda Collateral
Auf Tischen verbrennt die indische Künstlerin Sheela Gowda ein Gemisch mit Weihrauch. Zurück bleiben zarte Bilder aus Asche.
Sheela Gowda: Installation in der Lukaskirche München 2020.

Sheela Gowda in Lukaskirche München

Von 11. bis 27. September ist in der Vierung die Installation "Collateral" der indischen Künstlerin Sheela Gowda zu sehen.

Die Arbeit wurde eigens für den Kirchenraum angefertigt. Für "Collateral" hat die Künstlerin eine Paste aus Kohle und Weihrauch hergestellt und diese auf Paneele mit Stahlgewebe gestrichen. Nach dem Verbrennen der Paste bleibt eine feine, fragile Aschestruktur bestehen, die stark nach Weihrauch duftet.

Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Lenbachhaus, dort ist die Gowda-Ausstellung bis 18. Oktober zu sehen.

Die Vernissage ist am Freitag, 11. September 2020 um 19 Uhr, es sprechen die Kuratorin Dr. Eva Huttenlauch und Rieke C. Harmsen.

Zum Abschluss gibt es am Sonntag, 27. September um 10 Uhr einen Kunstgottesdienst mit Dr. Oliver Heinrich, Kirchenmusikdirektor Tobias Frank und Andreas N. Ludwig.

Sheela Gowda Kunst
Die Asche des Weihrauchs aus der Nähe betrachtet.
Sheela Gowda Kunst
Asche auf der Tafel von Sheela Gowda.
Sheela Gowda Lukaskirche München
Blick von oben auf das Kunstwerk von Sheela Gowda in der Lukaskirche.
Sheela Gowda Lukaskirche München
Installation von Sheela Gowda in der Lukaskirche München.
Sheela Gowda Lukaskirche München
Eröffnung der Installation von Sheela Gowda in der Lukaskirche München.
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