30.01.2020
NS-Zeit

Nürnberger Egidienkirche zeigt Ausstellung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg"

Die Nürnberger Egidienkirche zeigt ab 31. Januar 2020 die Sonderausstellung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg". Zu sehen sind Grafiken von Richard Grune und Hugo Walleitner, die wegen ihrer Homosexualität von den Nazis verfolgt und im Konzentrationslager interniert wurden.
Kurator Hans Simon-Pelanda (l.), langjähriger Vorsitzender der 1986 gegründeten "Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg", und Veranstalter Uwe Scherzer vom Bündnis gegen Trans- und Homophobie.

Die Ausstellung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg" will auf die Menschen blicken, die das NS-Regime überlebt haben. Kurator Hans Simon-Pelanda, langjähriger Vorsitzender der 1986 gegründeten "Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg", und Veranstalter Uwe Scherzer vom Bündnis gegen Trans- und Homophobie aus Nürnberg erklären die Hintergründe.

Herr Simon-Pelanda, dass ausgerechnet in einem Konzentrationslager Kunst entsteht, kann sich kaum einer vorstellen. Wie kam es trotzdem dazu?

Hans Simon-Pelanda: Flossenbürg als Entstehungsort ist ein besonderer, da es ein Lager zur Vernichtung durch Arbeit war. Da gab es eigentlich keine Zeit und vor allem kein Material, um künstlerisch tätig zu werden. Nur ein paar der gezeigten Bilder sind aus dem KZ, entweder im Auftrag der SS oder im Geheimen entstanden. Ein Häftling wurde beispielsweise als Hilfsschreiber eingesetzt und kam so an Blatt und Stift. Ein anderer sollte Kaninchenställe ausmisten und hat für seinen Kapo gemalt, wenn er mit seiner Arbeit fertig war.

Die meisten gezeigten Werke sind von Menschen geschaffen, die gleich nach ihrer Befreiung das Erlebte künstlerisch verarbeiten mussten.

Richard Grune war Bauhaus-Schüler und konnte sich so gut ausdrücken. Aber es gibt auch Autodidakten, die nicht wussten, wohin mit ihrem Schmerz. Einige haben geschrieben, andere gemalt. Und es gibt noch die Gruppe professioneller Künstler, die fast ihr Leben lang einen Deckel auf ihre Erinnerungen gelegt haben und diesen in den 70er- und 80er-Jahren lüfteten, als sie aufhörten zu arbeiten.

Herr Scherzer, was hat Sie dazu bewogen, die Ausstellung zu organisieren?

Uwe Scherzer: Wir sammeln seit August 2019 Spenden für ein Mahnmal für die nach Paragraf 175 inhaftierten und verfolgten Schwulen und Lesben. Da passt dieser Teil der größeren Regensburger Schau "Kunst und KZ" perfekt, um auch in Nürnberg auf diese Schicksale aufmerksam zu machen. Die sogenannten "Rosa-Winkel"-Häftlinge im KZ standen auf einer der untersten Stufen in der Hierarchie der Gefangenen. Man hätte dabei sein können.

Wie ging es mit dem umstrittenen Paragrafen und den Homosexuellen nach dem Krieg weiter?

Scherzer: Gleichgeschlechtliche Unzucht unter Männern war bis ins Jahr 1969 in der Bundesrepublik Deutschland immer noch in der verschärften Form der Nazis strafbar. Danach wurde der Paragraf 175 zwar sukzessive entschärft, bestand im Wesentlichen aber bis ins Jahr 1994.

Wir kennen Fälle von Männern, die wegen ihrer Homosexualität ins KZ eingesperrt wurden und ihre Strafe auch in der BRD noch absitzen mussten.

Ausstellungs-Tipp

Die Ausstellung ist bis 12. März täglich von 11 bis 16 Uhr in der Nürnberger Egidienkirche zu sehen. Der Eintritt ist frei.

31. Januar 2020, 19 Uhr: Benefiz-Konzert mit anschließender Vernissage

1. Februar 2020, 18 Uhr, Wolfgangskapelle: Egidier Kulturgottesdienst zur Ausstellung

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