6.06.2019
Know-how aus der Wüste

Israelische Bewässerungstechnik für den Frankenwein

Süßwasser ist kostbar – und der Klimawandel bringt in vielen Regionen der Welt die Wasserverhältnisse durcheinander. Rund um den unterfränkischen Weinbauort Iphofen hat der Kampf ums Wasser schon begonnen. Wie man in Sachen Wasser in Weinfranken von israelischem Wüsten-Know-how profitiert.
Die Iphöfer Winzerin Andrea Wisching in einem ihrer Weinberge.
Die Iphöfer Winzerin Andrea Wisching in einem ihrer Weinberge.

Tröpfchen für gute Tropfen

In Mainfranken hat der Kampf ums Wasser schon begonnen. Die Sommer werden heißer, die Vegetationszeiten länger. Weinfreunde können dem Klimawandel wenigstens die positive Seite abgewinnen, dass im vormals rauen Deutschland in Sachen Weinbau bei immer höherer Qualität immer mehr möglich wird. Derweil kämpft man in den Weinbergen rund um Kitzingen immer häufiger mit Trockenheit, Sommerhitze und vor allem: Wassermangel.

Wie in anderen Weinbaugegenden fällt durch den Klimawandel auch hier mal zu viel Regen auf einmal. Doch in der Regel ist die Gegend um Iphofen ein regelrechter Dürrefleck auf der unterfränkischen Landkarte. Der Main ist hier schon zu weit weg, um noch direkt mit Flusswasser nachhelfen zu können, wenn Niederschläge ausbleiben. Und das ist immer öfter der Fall.

Während in Südbayern im Durchschnitt 1.000 bis 1.200 Millimeter Regen im Jahr fallen, waren es in Iphofen im Jahr 2018 nur 470. Selbst im langjährigen Durchschnitt sind es gerade einmal 600 Millimeter – Tendenz fallend.

Mittendrin: der Schwanberg, der nicht nur mit einem evangelischen spirituellen Zentrum aufwarten kann, sondern auch mit einem veritablen evangelischen Weinberg in Kirchenbesitz. Schon seit fast 20 Jahren - spätestens seit dem Hitzesommer 2003 - treibt die Winzer in der traditionsreichen Weinbauregion die Sorge um die Zukunft um.

Partnerschaft mit Israelischen Winzern

Die Iphöfer Winzerin Andrea Wirsching ist katholisch, aber mit einem israelischen Weingut verpartnert. Dutzende solcher "Twin Winery"-Partnerschaften mit israelischen Winzern gibt es in ganz Deutschland. Und auch wenn es mit der Israel-Weinpartnerschaft gar nicht unmittelbar zusammenhängt: Wirschings Weingut profitiert bereits auf 15 von seinen 90 Hektar Anbaufläche von israelischem Know-how in Sachen Tröpfchenbewässerung.

Das kleine Land zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste ist weltweit führend in sparsamen Bewässerungstechniken. Daniel Heßdörfer, Bewässerungsexperte der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, findet, man könne in Bayern eine Menge lernen von den Israelis. Am Thüngersheimer Scharlachberg im Landkreis Würzburg hat er mit israelischer Tröpfchenbewässerungstechnologie ein Pilotprojekt des Freistaats initiiert.

Wie funktioniert es?

In dem bis zu 45 Grad steilen Weingarten sind überall schwarze Schläuche mit schmalen, pinken Streifen verlegt. Alle 50 Zentimeter ist ein kleines Loch im Schlauch. Genau 1,6 Liter Wasser kommen, wenn es heiß ist, Wasser fehlt und die Reben in Trockenstress zu geraten drohen, pro Stunde aus jedem dieser Löcher. Tröpfchen für Tröpfchen wird die Erde direkt an den Wurzeln der Rebstöcke befeuchtet. Gespeichert wird das Wasser in einem Tank ganz oben im Weinberg.

Keiner sei so gut im Einsatz und der Vernetzung vorhandener Technik wie die Israelis, sagt Heßdörfer – und dabei geht es auch um digitalisierte Messungen, die dem Weinberg "den Puls fühlen" und zum Beispiel durch Drohnenflüge mit Wärmebildkameras herausfinden, welche Pflanze gerade Trockenstress hat. Durch zahlreiche Versuche wisse man inzwischen sehr genau, wann und wie stark man durch zusätzliche Rebenbewässerung die Quantität der Trauben sichern und ihre Qualität verbessern könne: Weinbau 4.0 nennen es manche.

Anders als bei Sprinklerbewässerung verdunstet kein Wasser durch Sprühung. Tropfen von oben verbrennen bei Sonne und Sommerhitze außerdem das Weinlaub. Mit der Tröpfchentechnik kommt das Wasser stattdessen an genau einer Stelle im Boden an, die durch die stetige Betropfung zudem durchlässiger wird.

(...)

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Trockenstress in Unterfranken: Die bekannteste Iphöfer Weinlage ist der Julius-Echter-Berg. Das Luftbild aus dem trockenen Sommer 2018 zeigt, wo die Reben besonders unter Wassermangel leiden.
Trockenstress in Unterfranken: Die bekannteste Iphöfer Weinlage ist der Julius-Echter-Berg. Das Luftbild aus dem trockenen Sommer 2018 zeigt, wo die Reben besonders unter Wassermangel leiden.
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