20.12.2017
Weihnachtsmusical

Mit 15 und 16 Jahren geben sie schon den Ton an: Zwei Jugendliche leiten in einer kleinen Gemeinde im Mittelfränkischen einen Kinderchor. An Weihnachten wird das Publikum hören, wie gut das klappt.
Der Kinderchor Oberferrieden bei der Probe.
Der Kinderchor Oberferrieden zeigt sein Singspiel »Im Jahre Null« im Familiengottesdienst am Heiligen Abend in der Kirche in Oberferrieden um 15.45 Uhr.

»Nun stimmt mit ein in dieses Lied und passt gut auf, was dann geschieht«, Marie, Gabor, Jakob, Leo und die anderen 15 Kinder singen aus vollem Hals. Der Einstieg in ihr Weihnachtsmusical macht ihnen Spaß, das merkt man. Jetzt bei der Probe zappelt Marie noch auf ihrem Stuhl und Raffael überlegt vielleicht, ob er seinem Vordermann »Hasenohren« machen soll. Aber sie haben ihre Dirigentin meist fest im Blick.

Elisa Schwendtner hält die Partitur in der linken Hand, mit den Fingern der rechten Hand gibt sie routiniert dem evangelischen Kinderchor der Gemeinde Oberferrieden (Landkreis Nürnberger Land, Gemeinde Burgthann) die Einsätze und zählt den Takt mit. Mit nur 15 Jahren dirigiert sie den kleinen Chor zusammen mit ihrer Freundin Miriam Reichenbach. Die ist 16 Jahre alt und begleitet den Gesang bei den Proben am Klavier. Schon im zweiten Jahr sind die beiden Jugendlichen für den großen Auftritt des Kinderchors zu Weihnachten verantwortlich.

»Schscht«, macht Elisa jetzt streng. »Miriam spielt ein Vorspiel, ich zähle bis acht und ihr seid gaaanz still!" Elisa und Miriam dürften zu den jüngsten Kinderchorleiterinnen in Bayern gehören: Stefanie Hruschka-Kumpf jedenfalls, Referentin beim Verband evangelischer Chöre in Bayern, ist ein so junges Dirigenten-Duo noch nicht begegnet. Aus ihrer Sicht gibt es kein Mindestalter für Chorleiter. »Es geht darum, Freude an der Musik zu vermitteln«, und wenn das die Jugendlichen schaffen, sei das gut.

Keine musikalischen Bedenken

»Musikalisch hatte ich nie Bedenken«, sagt Pfarrer Volker Dörrich. Er weiß, Elisa stammt aus einer Musikerfamilie, die Mutter Opernsängerin, der Vater Organist, und auch in der Familie Reichenbach werde seit Jahren viel Kirchenmusik gemacht. Aber würden die Jugendlichen mit den lebhaften Kids fertig werden, fragte er sich. »Ich bin mal in meinem Büro gesessen als Kinderchorprobe war und da dachte ich, über mir tobt eine Elefantenherde«, erzählt Dörrich, »aber das Gemeindehaus ist stehengeblieben.«

Elisa lacht, »manchmal sind sie ja auch eine Elefantenherde«. Doch im Grunde haben sie und Miriam die Kinder gut im Griff. Was der Pfarrer gehört hat, war ja das Rumtollen und Toben, das die Chorleiterinnen den Mädchen und Buben anfangs verordnen, damit sie anschließend ruhig sitzen. Tricks und Kniffe, wie man mit dem Haufen lebhafter Sänger fertig wird, haben die beiden von einem Chorleiter-Lehrgang mitgebracht. »Wie man reagiert, wenn die Kinder was reinbrüllen oder rummotzen«, hätten sie dabei gelernt, erklärt Miriam.

Wenn man selbst erst vor wenigen Jahren dem Kinderchoralter entwachsen ist, kann man sich in die kleinen Sänger ganz gut reinfühlen, stellen die beiden Dirigentinnen fest. Auch die Kinder finden, mit den jungen Chorleiterinnen haben sie es gut erwischt. »Elisa sagt manchmal so komische Vergleiche, das macht mir Spaß«, erklärt Jonathan. Und Gabor, der schon ein alter Chor-Hase ist, erinnert sich an die Zeiten als Elisas Vater noch den Chor leitete und Elisa einen Solopart als Bär hatte. »Sie kann viel besser singen als ihr Vater«, stellt er mit Kennerohr fest.

Wen wundert's, Elisa ist bereits im Fach Gesang bei »Jugend musiziert« erfolgreich gewesen und sie ist Mitglied des Jugendchors der Nürnberger Staatsoper. Die Gymnasiastin hat auch in anderen Chören gesungen und sich als Sängerin einiges von den Dirigenten abgeguckt.

Nach der Schule singen

Spätestens am Montag nach dem Schulunterricht treffen sich die Freundinnen im Gemeindehaus Oberferrieden. Elisa kommt dann mit der S-Bahn aus der Schule in Neumarkt, »Miri« fährt jeden Tag nach Nürnberg und wieder zurück. Mit Eifer machen sie sich daran, eine Kinderchorstunde zu planen, »die möglichst nicht langweilig wird«, sagt Miriam. Dazu gehört dann auch mal, dass die Teenager selbst gebackene Kekse an die Kinder verteilen oder Bilder malen lassen.

Die beiden stecken viel Freizeit in ihren Chor, aber manchmal kämen sie aus der Probe für das Singspiel heraus und dächten: »Oh Gott, das kann nicht funktionieren.« Und Elisa gibt zu, dass sie auch schon ein wenig Bammel vor dem Auftritt an Weihnachten hat: »Doch dann singen sie wie die Engel, es ist total schön und man fängt fast an zu weinen.«

 

Der Kinderchor Oberferrieden zeigt sein Singspiel »Im Jahre Null« im Familiengottesdienst am Heiligen Abend in der Kirche in Oberferrieden um 15.45 Uhr.

 

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