31.12.2018
Literatur

Theodor Fontane: Jubiläum zum 200. Geburtstag des Dichters

Schmuck des Dorfes und der Landschaft, ein wenig nüchtern, reizend gelegen: Theodor Fontane hat sich in seinen Werken auch vielen Kirchen gewidmet. Im Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag des märkischen Dichters 2019 rücken auch sie in den Blick.
Theodor Fontane

"Die Landschaft ist reizlos, im wesentlichen auch das Dorf", schrieb einst Theodor Fontane (1819-1898) über Friedersdorf bei Seelow, doch etwas in dem Ort hat ihm gefallen: "Wir blicken alsbald in eine Dorfkirche hinein, die sehr wahrscheinlich in märkischen Landen nicht ihresgleichen hat. Ein Zusammenwirken von Umständen war nötig, um eine Ausschmückung wie diese zu schaffen: lang andauernder Besitz und ein Herz für Kunst und Kirche." Dorf und Kirche sind seit Jahrhunderten mit der Familie von der Marwitz verbunden, der märkische Dichter hat ihr in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" etliche Zeilen gewidmet.

Zum Fontane-Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag des Schriftstellers 2019 steuert deshalb auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und Bio-Landwirt Hans Georg von der Marwitz einen Beitrag bei. "Auferstanden aus Ruinen", schreibt der gebürtige Heidelberger, der 1990 in den Ort seiner Vorfahren zurückgekehrt ist, über die Sanierung der Dorfkirche nach der Wiedervereinigung: "Johannes Becher und Hanns Eisler mögen es mir verzeihen, dass ich ausgerechnet die ersten Worte der Nationalhymne der DDR zitiere, aber schöner lässt sich die Renaissance der Friedersdorfer Barockkirche kaum formulieren."

Der Beitrag gehört zu den Geschichten, die Antje Leschonski für ihr Buch "Von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche" zum Jubiläumsjahr zusammengetragen hat. Mit Texten von 20 Autoren begibt sie sich dort auf die Spuren Fontanes in märkischen Kirchen, darunter in Rheinsberg, Siethen und Meseberg. In einigen Wochen soll es erscheinen, derzeit ist die gelernte Buchhändlerin aus Berlin mit den letzten Arbeiten daran beschäftigt. "Schon in der Buchhändlerschule haben wir Fontane sehr gemocht", betont sie. Und: "Fontane war sehr interessiert an Kirchen."

Auch beim "Dorfkirchensommer" der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz soll der Schriftsteller 2019 gewürdigt werden. "Unbedingt", sagt Leschonski dazu. Sie gehört zu den Gründerinnen der Initiative, die jedes Jahr ein umfangreiches Kulturprogramm der märkischen Dorfkirchen zusammenstellt. Noch stehen längst nicht alle Veranstaltungen fest, Lesungen aus dem Buch soll es in verschiedenen Kirchen geben, geplant ist auch ein Konzert mit Werken des Kirchenmusikers und Komponisten Manfred Schlenker, der mehrere Fontane-Gedichte vertont hat. Und der Berliner Altbischof und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, werde mit seiner Ehefrau Kara aus Fontane-Werken lesen, erzählt Leschonski. Am 12. Mai soll der "Dorfkirchensommer" in Karwe nahe Fontanes Geburtsstadt Neuruppin eröffnet werden.

Brandenburg und Berlin feiern den Autoren

Die evangelische Landeskirche plant kein eigenes Programm zum Fontane-Jahr. In den Gemeinden finde das Jubiläum jedoch viel Resonanz, sagt Kirchensprecherin Heike Krohn-Bräuer. In der Dorfkirche von Blumberg am nördlichen Berliner Stadtrand soll eine Ausstellung über Fontanes Beziehungen zu den historischen Porträt-Kunstwerken der Kirche gezeigt werden. Die Stadtführungsagentur des evangelischen Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte "Cross Roads" bietet besondere Fontane-Führungen an.

Brandenburgs Landesregierung widmet Fontane 2019 ihren jährlichen Foto-Kalender über das Bundesland. Das Kloster Chorin, die Kirche von Luckenwalde, das Pfarrhaus von Potsdam-Fahrland und die Friedersdorfer Kirche gehören zu den Motiven. Fontanes Werk sei "voll von protestantischen Pfarrern", heißt es dazu in einem der Kalendertexte: In seinen Romanen seien sie "nicht nur Hirten und Honoratioren, sondern oft auch aufgeklärte Dichter, kluge Pädagogen, sammelnde und forschende Geister", die in ihren "märkischen Gebetsstuben Kunst und Literatur" gepflegt hätten.

Der 1764 geborene und 1838 gestorbene Dichter und Pastor Friedrich Schmidt von Werneuchen ist einer davon. "Schmidt von Werneuchen handhabte Vers und Reim mit großer Leichtigkeit und zählte zu den produktivsten Lyrikern jener Epoche", schreibt Fontane über den Theologen: "Am vorzüglichsten war er da, wo er in klassischer Einfachheit und in nie zu bekrittelnder Echtheit die märkische Natur beschrieb."

Auch auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof, dem größten evangelischen Friedhof in Deutschland, soll Fontane im Jubiläumsjahr stärker in den Blick rücken. Elisabeth von Ardenne ist dort begraben, Vorbild für Fontanes Romanfigur "Effi Briest". Und einer der Söhne des Schriftstellers.

Fontane in Bayern

Theodor Fontane hatte sich 1859 vergeblich als Privatbibliothekar von König Max II. in München beworben – in der Sektion Bayern der bundesweiten Fontane-Gesellschaft hat er eine Heimat gefunden.

Die Sektion Bayern mit Sitz in München hat sich nach eigenem Bekunden die Aufgabe gestellt, einem interessierten Kreis Fontanes Werk, Persönlichkeit und Wirkung näher zu bringen. Dies geschieht im Rahmen von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen.

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