26.11.2018
Bericht des Landesbischofs

Bedford-Strohm über Digitalisierung und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

"Sexualisierte Gewalt darf kein Tabuthema sein", mahnt der bayerische Landesbischof vor dem in Garmisch-Partenkirchen tagenden Kirchenparlament und erläutert, wie Missbrauchsfälle künftig aufgearbeitet werden sollen. In seinem Bericht geht er außerdem auf das Thema Digitalisierung ein.
Aufarbeitung von Missbrauch und Digitalisierung waren die zentralen Themen der Rede des Landebischofs Heinrich Bedford-Strohm in seinem Bericht vor den Synodalen
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: Bericht zu Beginn der Tagung der Landessynode in Garmisch

Missbrauchsfälle müssen nach Überzeugung des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm auf allen kirchlichen Ebenen umfassend aufgearbeitet werden. "Sexualisierte Gewalt darf kein Tabuthema sein", betonte der Bischof in seinem Bericht vor der in Garmisch-Partenkirchen tagenden Landessynode. Deshalb sollten alle Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen an ihrem jeweiligen Ort dieses Thema sehr ernst nehmen. Denn sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen fügten Menschen "unfassbares Leid" zu und traumatisierten und stigmatisierten sie für ihr ganzes Leben. Dabei könne es keine Wiedergutmachung geben, sondern nur das Mitgefühl mit den Betroffenen und die Bitte um Vergebung.

Bischof kündigt Studie zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen an

Zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gehören Bedford-Strohm zufolge externe Studien, die Analyse von Einzelfällen und die Aufdeckung von Strukturen, die sexuelle Übergriffe ermöglichen und deren Aufdeckung behindern. Deshalb habe der Landeskirchenrat beschlossen, eine wissenschaftliche Studie von Außen in Auftrag zu geben. Die Bemühungen um Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und deren Verhinderung sollen in einer eigenen Fachstelle in der Landeskirche gebündelt werden. Die Landessynode als Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischer Protestanten muss auf ihrer Herbsttagung, die noch bis Donnerstag dauert, abschließend über die Einrichtung einer derartigen Stelle entscheiden.

Landeskirche will Seelsorge auf digitalen Kanälen stärken

Außerdem will die bayerische Landeskirche mit ihren seelsorgerlichen Angeboten stärker auf digitale Kommunikation und die überregionale Zusammenarbeit der 1.540 bayerischen Kirchengemeinden setzen. Weil die Lebensstile und -gewohnheiten der Menschen immer unterschiedlicher würden, könne eine einzelne Gemeinde nicht mehr allen Anforderungen und Erwartungen gerecht werden, sagte der Landesbischof. Deshalb sollten sich die Gemeinden vernetzen und "gabenorientiert" Schwerpunkte setzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Bedford-Strohm zufolge die Digitalisierung. Durch ihre Möglichkeiten könne sich jeder schnell über die verschiedenen kirchlichen Aktivitäten informieren.    

Gut aufbereitete digitale Informationen könnten es auch Kirchenmitgliedern erleichtern, in einer neuen Umgebung, etwa nach einem Umzug, die für sie passenden Angebote zu finden. Als Beispiel nannte der Bischof eine Studentin, die in ihrer neuen Gemeinden nach einem geeigneten Angebot gefragt habe. Von dem Pfarrer sei ihr jedoch nur eine Frauengruppe im Alter von 60 Plus empfohlen worden. Dann könne es nicht verwundern, wenn sich junge Menschen nach derartigen Erfahrungen von der Kirche nicht ernst genommen und nicht willkommen geheißen fühlen, sagte der Bischof.

Dossier Landessynode

Landessynode Garmisch-Partenkirchen

Die bayerische evangelische Landessynode tagt vom 25. bis 29. November 2018 in Garmisch-Partenkirchen. Unser Dossier mit allen Artikeln, Hintergrundinformationen und Infografiken zur Landessynode, finden Sie hier: sonntagsblatt.de/landessynode!

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