20.09.2019
Medienforum der bayerischen Landeskirche

Medienforum: Diesen Einfluss haben Smartphones auf unser Gehirn

Nachrichten lesen, Termine planen, Mails checken, mit Freunden chatten, spielen: Ständig greifen wir in unserem Alltag zum Smartphone. Welche Auswirkungen das auf Menschen und ihre Wahrnehmung hat - darüber haben Experten aus Kirche, Bildung, Wissenschaft und Medien beim zweitägigen Medienforum der bayerischen Landeskirche in der Evangelischen Akademie Tutzing diskutiert.
Smartphone

Die Neurobiologin Gertraud Teuchert-Noodt hat eindringlich vor dem Einfluss von Smartphones und Tablets auf die Entwicklung von Babys und Kleinkindern gewarnt. Sie mit mobilen Endgeräten spielen zu lassen sei mit einer "digitalen Zwangsjacke" zu vergleichen, sagte die ehemalige Leiterin des Bereichs Neuroanatomie der Universität Bielefeld beim Medienforum der bayerischen Landeskirche in der Evangelischen Akademie Tutzing. Die Bedienung der Geräte hemme den motorischen Fortschritt der Kinder, weil sie dabei nicht so stark gefordert würden wie etwa beim Spielen im Sandkasten.

Auch ältere Kinder und Jugendliche seien von der Schnelligkeit digitaler Anwendungen überfordert, mahnte Teuchert-Noodt. Nutzten sie Smartphones, Tablets und Computer zu stark, könnten sich ihre Gehirnzellen nicht richtig vernetzen. Statt die digitalen Geräte immer stärker in den Schulunterricht zu integrieren forderte die Wissenschaftlerin ein Umdenken: "Es müsste ein Schulfach für langsames Denken geben."

Bierbaum: Mediennutzung kritisch überprüfen

Der in der Landeskirche für den Bereich Medien zuständige Oberkirchenrat Detlev Bierbaum rief angesichts des intensiven Gebrauchs von Smartphones und Tablets im Alltag dazu auf, die eigene Mediennutzung kritisch zu überprüfen. "Smartphones und Tablets machen es leicht, ständig online zu sein", sagte der Theologe. Umso wichtiger sei es, sowohl im Beruf als auch im Privatleben Normen für den Griff zum mobilen Endgerät zu entwickeln.

"Wir müssen schlichtweg ein Gefühl dafür bekommen, wann es angebracht ist, ein Smartphone zu nutzen und online zu sein – und wann nicht", betonte Bierbaum in seinem Vortrag. Beim Einkaufen, in der Kantine, in Sitzungen oder beim Sport: Die digitalen Geräte hätten die Online-Kommunikation um Schauplätze erweitert, die früher ohne Medien ausgekommen seien. "Einen medienfreien Raum finde ich heute fast nirgends mehr vor", kritisierte er.

Das Medienforum in Tutzing fand zum siebten Mal statt. Die Tagung, die von der Landeskirche, der Evangelischen Akademie Tutzing und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg veranstaltet wird, stand unter dem Titel "Smartphone, Tablet und PC – Was macht das mit unserem Gehirn?".

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