16.11.2017
Bildung

Medienbildung ist wichtiger denn je. Das ist das Ergebnis des 5. Medienforums der bayerischen Landeskirche. Ein Überblick.
Medienforum der Landeskirche Bierbaum

Der evangelische Oberkirchenrat Detlev Bierbaum hält Medienbildung in Zeiten sich immer schneller entwickelnder Kommunikationstechnologien für wichtiger denn je. Es gehe nicht darum, die neuen Technologien zu verteufeln. Denn der Nutzen sei an »vielen Stellen unbestritten«, sagte Theologe, der in der bayerischen Landeskirche für Bildung und Medien zuständig ist beim Medienforum der Landeskirche in der Evangelischen Akademie Tutzing. »Dennoch: Manchmal bedeutet Bildung, gerade im aufklärerischen Sinne, auch einmal auf die Spaßbremse zu treten.«

Es sei ihm ein Anliegen, dass Christen im Gespräch mit Bildungseinrichtungen und kulturellen Institutionen über neue Kommunikationsmöglichkeiten blieben, sagte Bierbaum. Denn Bildung helfe etwa dabei, zu unterscheiden, was Fake News seien und was real News. Außerdem helfe Bildung, eigenverantwortlich zu handeln: »Muss ich jeden Klick zur Datensammlung auf meinem Handy auch betätigen? Muss ich jede Information über mich gedanken- und damit auch bedenkenlos per Daumenwisch freigeben?« Der Mensch benötige die Fähigkeit, auswählen zu können zwischen unzähligen Quellen. »Das erfordert Urteilskraft und Befähigung«, betonte Bierbaum.

Es reiche nicht, zu wissen, was Social Media sei oder wie Big Data funktioniere, sagte Bierbaum. »Sondern ich muss als Nutzer und als Nutzerin auch eine individuelle Haltung dazu entwickeln.« Das gelinge, »wenn ich das Wissen, das überall zugänglich und an vielen Stellen sogar überfordernd viel zugänglich ist, gut sortieren, einordnen und reflektieren kann, um daraus eine kluge Haltung einzunehmen«, sagte der Oberkirchenrat.

Manuela Pietraß Medienforum Tutzing 2017

Pietraß: »Ohne Medien ist Bildung nicht möglich«

»Ohne Medien ist Bildung nicht möglich« erklärte die Bildungswissenschaftlerin Manuela Pietraß von der Bundeswehr-Universität in München. Die Digitalisierung bringe große Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich.

Pietraß zufolge gebe es zwei Formen des Medienwandels: Zum einen entwickelten sich Medien weiter. Dazu gehöre etwa die Möglichkeit, flexibel, individuell und ortsunabhängig zu lernen. Entscheidend für den digitalen Wandel sei aber die Transformation digitaler Medien. Als Beispiel dafür nannte Pietraß interaktive Computerspiele, bei denen der Nutzer eine neue Welt entdeckt und mit anderen Spielern interagiert. Dies sei eine »kategoriale Änderung« der Medien mit weitreichenden Folgen, so Pietraß. Eine der negativen Folgen dieser Änderung sei die »entfesselte Kommunikation«..

Pietraß forderte eine umfassende Medienbildung an Schulen. »Kinder und Jugendliche sollten alle Formen von Medien verwenden und nutzen«, sagte die Bildungswissenschaftlerin. Zugleich sei es wichtig, die Rückbindung an die soziale Zusammenhänge und reale Welten zu schaffen. »Ein Kind, dass im Netz gemobbt wird, muss in der realen Welt Rückhalt bekommen«, so Pietraß.

Medienforum in Tutzing

Das Medienforum findet zum 5. Mal statt. Bis 16. November diskutieren Experten mit Studierenden über die Medienbildung der Zukunft. Das 5. Medienforum findet statt in Kooperation zwischen der Abteilung Gesellschaftsbezogene Dienste der ELKB, der Evangelischen Akademie Tutzing und der Abteilung für Christliche Publizistik der Friedrich-Alexander-Universität-Erlangen-Nürnberg.

 

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