Schüler*innen machen Medien
Ein paar Mal im Jahr packen die Mitarbeiter*innen der Evangelischen Funk-Agentur ihre Aufnahmegeräte und Laptops ein und bauen an einer bayerischen Schule eine mobile Redaktion auf. Den Schüler*innen vor Ort zeigen sie in den Projekten "Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion", dass viele von ihnen das Zeug zu Nachwuchsredakteur*innen haben - auch Nichtmuttersprachler*innen. Die Initiative für die Medienangebote kommt von einem Brasilianer.
Die Teilnehmer*innen des Volo Seminars vor ihrer Schule

Er hatte die Idee, hat die Organisation in die Hand genommen und die Finanzierung über die Evangelische Jugend Nürnberg und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in die Wege geleitet: Theaterpädagoge Jean-François Drozak aus Nürnberg. Dank des gebürtigen Brasilianers sind über die Jahre ein medienpädagogisches Projekt entstanden, mit denen junge Menschen in Bayern an die Arbeit in Medienredaktionen herangeführt werden: "Volo, die junge Redaktion".

Für Drozak waren es verschiedene Gründe, die ihn zu den Projekten mit Schüler*innen inspiriert haben. "Ich rede viel mit Redakteuren, die sich Sorgen machen, dass immer weniger Menschen Zeitung lesen oder sich Themensendungen im Radio anhören", erzählt er. Dabei sei die deutsche Medienlandschaft so breit und vielfältig aufgestellt – eine Errungenschaft der Demokratie. Um diese Vielfalt beizubehalten, motiviert Drozak junge Menschen, selbst aktiv zu werden und Medien mitzugestalten. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Ihnen will er ein Vorbild sein, dass auch Nichtmuttersprachler*innen die deutsche Sprache zu ihrem Arbeitswerkzeug machen können.

In seiner Stadt Nürnberg haben etwa 40 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Unter Jugendlichen sind es sogar 60 Prozent.

"Repräsentativ wäre, dass auch 40 Prozent der Redakteure einen Migrationshintergrund haben. Ist aber nicht so!"

 Jean-François Drozak versucht, dem entgegenzuwirken.

Jean-François Drozak
Diplom-Sozialpädagoge, Theaterpädagoge und freier Künstler

Das klingt dann im Radio so: "Volo! Jungredakteure machen Radio!" Und dann moderiert der Nachwuchs unter professioneller Anleitung drauf los. Aber nicht Migration ist das Thema der aufwendigen Beiträge. Die Schüler*innen haben in diesem Jahr eine komplette Sendung zum Thema Verhältnismäßigkeit produziert, die am Sonntag auf dem Nürnberger Sender 98.6 charivari zwischen 9 und 10 Uhr läuft. Sie beleuchten das Thema von verschiedenen Seiten und lernen dabei verschiedene journalistische Formen kennen. In eine Umfrage erklären verschiedene Menschen, was für sie Verhältnismäßigkeit ist.

Es ist wichtig, dass man immer die gleichen Maßstäbe anlegt und jeden auch gleich fair behandelt.

Aber es geht nicht nur um Verhältnismäßigkeit im Allgemeinen, sondern sie ist Teil vieler Bereiche unseres Lebens. Mit großem Interesse und Humor nähern sich die Jugendlichen dem Thema an. Birgit Engler ist Fachkraft für Suchtprävention in Miltenberg und erzählt im Interview augenzwinkernd von ihrer ganz persönlichen Sucht:

Ich denke schon, dass ich kaffeesüchtig bin. Wenn ich morgens keinen trinke, kann es schon sein, dass ich mittags Kopfschmerzen kriege.

Obwohl in unseren Gesetzen vieles vorgeschrieben ist, spielt auch dort Verhältnismäßigkeit eine Rolle. Richterin Christina Huhn arbeitet am Familiengericht und erzählt, dass sie abwägen muss, welche Maßnahmen bei Kindeswohlgefährdung am besten für das Kind ist.

Der Landwirt Florian Neuberger bewirtschaftet den größten Mutterkuhbetrieb in Südbayern. Er betreibt aber keinen Bio-Hof. In seinem Beitrag geht es um die Verhältnismäßigkeit von Vorgaben. Wenn er ein Bio-Siegel bekommen möchte, müsste er viele Vorgaben erfüllen, die für ihn und seinen Betrieb nicht wirtschaftlich wären.

Durch die strikten Vorgaben und die Einschränkungen, die die Bauern wird es dann wahrscheinlich zu extrem teuren Lebensmitteln kommen und je nach Jahr auch zu einer Lebensmittelverknappung, da ich im konventionellen Ackerbau immer noch die Möglichkeit habe, durch Pflanzenschutzmittel (...) immer noch gegenreagieren kann, was mir im Ökolandbau nicht möglich ist.

Landrat Jens Marco Scherf kämpft oft mit den Erwartungen seiner Bürger*innen. Gerade in der Corona-Pandemie war er oft an die Entscheidungen von höheren politischen Ebenen gebunden, die er dann ausführen musste. Viele fragen gerade bei diesen Maßnahmen nach der Verhältnismäßigkeit.

Zugang zum Journalismus für alle

Jugendliche, die nicht in Deutschland geboren sind, hätten spezielle journalistische Fähigkeiten, sagt Drozak. Sie seien es gewohnt zu übersetzen: Inhalte, Denkweisen und Strategien. Und sie hätten Zugang zu gesellschaftlichen Gruppen, den deutschstämmige Journalist*innen nicht haben.

Sich auseinandersetzen.

Demokratie lernen.

Seinen Platz in der Gesellschaft finden.

Medien nutzen und Medien machen.

Die Schulwoche "Volo, die junge Redaktion" haben riesiges Potential - und hoffentlich auch eine Zukunft, sagt Drozak. Die Finanzierung sei nämlich viel Arbeit.

Volo - Jungredakteure machen Radio

Die komplette Sendung läuft am 3. Oktober zwischen 9 und 10 Uhr auf 98.6 charivari. Zum Nachhören findet sich die Sendung auf der Webseite von volo.

Träger des Projekts ist die Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

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