28.09.2014
Kunststadt

Ausstellung im Stadtmuseum: "Ab nach München!"

Die Ausstellung "Ab nach München" im Stadtmuseum zeigt, dass die bayerische Landeshauptstadt um 1900 nicht nur Stadt der Künste, sondern auch der Künstlerinnen und ein Zentrum der Frauenbewegung war.

"Ab nach München" schrieb Gabriele Münter 1901 in ihr Tagebuch, nachdem ihre Freundin Margarete Susmann sie auf die Damen-Akademie aufmerksam gemacht hatte. Wie viele andere junge Frauen, in der Regel aus dem gehobenen Bürgertum, ging sie nach München, um dort Malerei zu studieren. Doch auch in der Kunststadt München war angehenden Künstlerinnen der Zugang zur Königlichen Kunstakademie bis 1919 verwehrt.

Für Frauen galt:

"… sie dürfen überhaupt nichts sein, im besten Falle eine Wohnstubendekoration oder ein brauchbares Haustier (…) ihnen werden die unnötigsten, uninteressantesten Kenntnisse eingetrichtert, furchtbar viel Religion, Grammatik, Handarbeiten und Klavier. (…) was dabei herauskommt, können Sie an den Durchschnitts-jungen Mädchen und Frauen sehen, ungebildet, bleichsüchtig, interessenlose Geschöpfe."

So schrieb die unabhängige Gräfin und Schriftstellerin Fanny zu Reventlow, die wie keine Zweite das Milieu der Schwabinger Bohème zu schildern verstand. In der Kaulbachstraße lebte die in Husum geborene, in einem Schloss aufgewachsene Adlige ihrem Freiheitsdrang gemäß als moderne Frau in einer ménage à trois; sie ist befreundet mit der Frauenrechtlerin Anita Augspurg, die zusammen mit Sophia Goudstikker in der benachbarten Von-der-Tann-Straße das erfolgreiche wie berühmte Fotoatelier Elvira gründet und als erste promovierte Juristin im Kaiserreich gilt. Gemeinsam rebellieren die emanzipierten Damen gegen das herkömmliche Frauenbild: Kinder, Küche, Kirche.

Sie taten das auch mit einem vierten K - der Kunst. Dass in Bereichen der bildenden Kunst, des Kunstgewerbes und der Fotografie Frauen Vorreiter der Moderne sind, zeigt jetzt die facettenreiche Ausstellung "Ab nach München! Künstlerinnen um 1900" im Münchner Stadtmuseum. Sie läutet einen Perspektivwechsel ein und zeigt, wie Frauen, die es wagten, erstzunehmende Künstlerinnen zu werden, in ihrem Metier Erstaunliches geleistet haben, wenngleich sie in einschlägigen Satirezeitschiften wie dem "Simplicissimus" oder der "Jugend" als "Malweiber" verhöhnt wurden.

Als Mann verkleidet und mit gefälschten Papieren bekommt die Krakauer Malerin Zofia Stryjenska (sie ziert das Ausstellungsplakat und avanciert später zur populärsten Künstlerin Polens) nach bestandener Aufnahmeprüfung im Namen ihres Bruders die Zulassung zur Königlichen Kunstakademie in München. Allerdings bleibt die Täuschung der Wagemutigen nicht unerkannt: "... meine Studienkollegen begannen etwas zu ahnen, vor allem die Franzosen, die eine Nase für Frauen haben, aber auch Amerikaner haben mich geneckt, ich soll mich in den Pausen mit ihnen boxen", notiert die Künstlerin in ihr Tagebuch.

Künstlerinnen gestern und heute

Andere Künstlerinnen aus dem In- und Ausland werden scharenweise angelockt von der 1884 gegründeten Damen-Akademie. Oder sie besuchen ab 1905 die Debschitz-Schule für Malerei und Kunsthandwerk.

Zu den bekannteren Namen zählen Käthe Kollwitz, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Neu zu entdecken ist neben vielen anderen Künstlerinnen die Pfarrerstochter und Freskomalerin Linda Kögel. Ihr Altarbild in der Apsis der Münchner Erlöserkirche fügt sich harmonisch in die Jugendstilarchitektur von Theodor Fischer.

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm, darunter auch die Tagung "Pionierinnen der Kunst", eine Kooperation des Münchner Stadtmuseums und der Evangelischen Akademie Tutzing vom 30. Januar bis 1. Februar 2015. An zwei Tagen richtet sich der Blick zuerst auf Berufs- und Ausbildungswege der Künstlerinnen um 1900, ihre Vernetzung in Gruppen und Vereinen sowie die Rezeption ihrer Kunst. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Gegenwart und befragt heutige Künstlerinnen sowie Experten für den Kunstmarkt und das Studium der Bildenden Künste.

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