Diakoniedorf
Das Edelfleisch der Agnus-Rinder, die im Diakoniedorf Herzogsägmühle auf der Weide stehen wird teuer verkauft. Aber nicht an die Bewohner des Diakoniedorfs. Direktor Wilfried Knorr erklärt, warum.
Agnus-Rinder auf der Weide

Das oberbayerische Diakoniedorf Herzogsägmühle (Landkreis Weilheim-Schongau) wartet seit jeher mit Besonderheiten auf. Unter anderem stehen dort 250 Angus-Rinder auf der Weide, deren hochwertiges Fleisch in der eigenen Metzgerei verkauft wird. Auf dem Teller der Menschen mit Hilfebedarf im Ort liegt aber dennoch meist günstiges Fleisch aus den Supermärkten der Umgebung. Grund sind die gesetzlichen Vorgaben. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) fordert Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr eine Gesetzesänderung von der künftigen Bundesregierung.

Wie kommt es, dass in Herzogsägmühle teures Angus-Fleisch produziert wird, die Menschen in den Wohngemeinschaften und -gruppen davon aber nichts haben?

Knorr: Wir müssen Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen mit Hilfebedarf in unseren Einrichtungen möglichst kostengünstig einkaufen. Die Vorgaben im Sozialhilferecht und die Ergebnisse der Verhandlungen mit Kostenträgern zeigen: Es geht rein um Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, nicht aber um Nachhaltigkeit. Im Ergebnis der Gesetzgebung bekommen dann Billig-Produkte, wo es nicht um Nachhaltigkeit, Regionalität, Fairtrade oder ökologische Gesichtspunkte geht, den Vorzug.

Das führt dann wiederum zu der absurden Situation, dass wir hochwertiges und daher auch relativ teures Angus-Rindfleisch produzieren, das sich aber halt vor allem die betuchtere Kundschaft aus der Region leisten kann. Die Menschen in unseren Einrichtungen dagegen bekommen davon meist nichts ab.

Was müsste sich nun ändern?

Knorr: Die künftige Bundesregierung sollte die Gesetze weiterentwickeln und bei der Refinanzierung der sozialen Arbeit nicht mehr nur dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit folgen, sondern auch auf Nachhaltigkeit achten. Das ist im Übrigen nicht nur eine Forderung von mir, sondern der gesamten Diakonie und der freien Wohlfahrtspflege. Die Einrichtungen würden dann einen entsprechenden Zuschlag erhalten, so dass auch die Menschen mit Hilfebedarf in den Einrichtungen mehr saisonale und regionale Lebensmittel bekommen. Dieses Denken muss zum Beispiel auch für energetische Sanierungen von Gebäuden oder die Umstellung von Kraftfahrzeugen auf Elektromobilität gelten.

 Und trotzdem setzen Sie aus eigenem Antrieb in Herzogsägmühle schon sehr auf Nachhaltigkeit...

Knorr: Und genau das finden die Menschen aus der Region an unseren Produkten aus unserer Gärtnerei und Landwirtschaft, in der Bäckerei und Metzgerei gerade so gut. Viele Menschen legen großen Wert darauf, dass zum Beispiel die Tiere artgerecht gehalten werden. Wir können als diakonisches Unternehmen nicht von Bewahrung der Schöpfung reden und dann nichts tun. Der Staat müsste so etwas aber auch mehr fördern - es darf eben nicht nur in der Verantwortung des Unternehmens liegen.

 

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