Lena K. ist 19 Jahre alt und kommt aus Augsburg. Sie studiert seit dem letzten Oktober in München Hebammenkunde. Der Studiengang ist relativ neu, es gibt nur zwei ältere Jahrgänge. Insgesamt dauert das Studium sieben Semester oder dreieinhalb Jahre, am Ende erhalten die Absolvent*innen den Bachelorabschluss und können freiberuflich oder angestellt in einer Klinik als Hebamme arbeiten.

 

Warum hast du dich für den Studiengang Hebammenkunde entschieden?

 

Lena K.: Ich wollte auf jeden Fall ein Studium im medizinischen Bereich machen. Das klassische Medizinstudium hat mir allerdings nicht ganz so zugesagt, wegen der Länge und der hohen Theorielastigkeit. Natürlich war es auch mit den benötigten Schulnoten schwierig, weil die Anforderungen an die Studenten ja doch sehr hoch sind. Deswegen habe ich mich nach anderen Berufen im medizinischen Feld umgeschaut, auch eher pflegerische Berufe fand ich sehr spannend. Und dann habe ich entdeckt, dass jetzt die Ausbildung zur Hebamme umgebaut wird und in einigen deutschen Städten in Richtung Studium geht, und habe mich dann einfach im Internet informiert, wo das Studienfach angeboten wird. 

 

Wie sieht der Alltag einer Hebammenstudentin aus?

 

Lena K.: In der Theorie-Phase, in der wir normal an der Hochschule Unterricht haben, haben wir verschiedene Vorlesungen, die Themen wie Anatomie, die physiologische Geburt, das Geschehen im Krankenhaus und Mikrobiologie behandelt. Wir haben aber auch viel Unterricht, in dem wir relevante Themen auch praktischer lernen, indem wir zusammen in Gruppen zusammenarbeiten. Außerdem gibt es Praxisseminare, da lernen wir, theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen und können an speziellen Puppen Vorgänge üben, die wir auch in der Klinik können müssen. Dazu gehört katheterisieren oder vaginal untersuchen. Einige Geburtspositionen können wir sogar selbst ausprobieren und so erfahren, wie sie sich anfühlen.

"Diese familiäre Stimmung gefällt mir sehr gut." 

Im Praxisteil des dualen Studiengangs arbeiten wir in der Klinik, meistens im Kreißsaal oder auf der Wochenbettstation, ab und zu auch auf einer gynäkologischen Station. Ich darf im regulären Schichtdienst des Krankenhauses mitarbeiten und -helfen und das, was ich in der Theorie gelernt habe, praktisch umsetzen. In Begleitung der Hebammen der Klinik erlebe ich ihren Arbeitsalltag und betreue mit ihnen zusammen verschiedene Patientinnen und Schwangere. Wir Hebammen verbringen aber natürlich nicht unsere komplette Zeit im Kreißsaal. Aber wir sind viel bei der Frau, leiten sie an oder schauen, was sie noch so braucht und wie wir sie unterstützen können. Und bei der Geburt ist dann natürlich auch die ausgebildete Hebamme dabei.

Was gefällt dir am besten an deinem Studiengang?

 Lena K.: Das wir so viel praktisch arbeiten dürfen! Wir haben zwar schon manchmal auch Frontalunterricht, aber das ist tatsächlich eher selten. In Gruppenarbeiten erarbeiten wir selber Themenbereiche, wir probieren viel aus, arbeiten viele Stunden mit Puppen und machen zur besseren Vorstellung Rollenspiele. In unserer relativ kleinen Gruppe funktioniert das gut. Wir sind nur 27 Studierende! Diese Erfahrungen unterscheiden sich vom Unterricht in der Schule. Wir kennen uns alle persönlich, ganz anders als in einem Vortrag mit 800 Leuten. Diese familiäre Stimmung gefällt mir sehr gut.

Im Schichtdienst finde ich die Arbeit mit den Schwangeren besonders spannend. Und ja, die Arbeitszeiten sind definitiv gewöhnungsbedürftig am Anfang, aber wenn man reinkommt, ist es fast routinemäßig. Ich erlebe jeden Tag etwas Neues. Manchmal ist bei Schichtbeginn der ganze Kreißsaal voll, jedes Zimmer belegt und alle springen hin und her. Oder ich beginne eine Schicht und es ist total ruhig, ich betreue nur eine Frau und lerne sie und ihre Erfahrungen in der Schwangerschaft viel besser kennen.

 Habt ihr an der Uni oder am Klinikum eine Aktion zum Internationalen Tag der Hebammen 2022 geplant?

 Lena K: Ja, haben wir! Die Studierenden aus den höheren Semestern haben zusammen Vorträge und Workshops geplant und verschiedene Projektpartner eingeladen. Es gibt unter anderem Vorträge von Pro Familia und mehreren Beratungsstellen zu verschiedenen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und allgemeine Frauengesundheit. Auch Hebammen werden dort reden.

Jeder darf an den Vorträgen teilnehmen. Vor allem wir, die Studenten im zweiten Semester, wurden eingeladen, aber natürlich auch die, die sich selbst vorstellen können, einmal Hebammenkunde zu studieren, können  vorbeischauen.

 Was wünschst du dir denn für den Internationalen Tag der Hebammen 2022?

Lena K.: Ich fände es schön, wenn noch mehr auf diesen Beruf aufmerksam gemacht wird und junge Leute abgeholt werden, die vermutlich eher wenig über den Beruf der Hebamme wissen. Es soll gezeigt werden, dass dieser Beruf total spannend ist und viele Seiten an sich hat, damit mehr Menschen für Berufe in der Pflege begeistert werden. Aber ich wünsche mir natürlich auch, dass noch mehr auf die Probleme in der Pflege aufmerksam gemacht wird. Mit den Vorträgen zu den unterschiedlichen Themen, zur Gesundheit, zu Geburt, aber auch zu Gewalt in der Geburtshilfe kann hoffentlich eine breite Masse erreicht werden.

"Ich fände es schön, wenn noch mehr auf diesen Beruf aufmerksam gemacht wird und junge Leute abgeholt werden, die vermutlich eher wenig über den Beruf der Hebamme wissen."

Aber ich freue mich auch einfach, mir das anzuhören und selber noch mal mehr dazu zu lernen.

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