Kabarettist und Theater-Unternehmer
Martin Rassau wird neuer Hospizbotschafter in Fürth. Im Gespräch mit dem Sonntagsblatt erklärt er, wie er seine neue Aufgabe angehen will – und wie sein Beruf Kabarettist seine Herangehensweise verändert.
Martin Rassau (l.) und Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins Fürth

Am Montag, den 4. Oktober ist der Kabarettist und Theater-Unternehmer Martin Rassau als Hospizbotschafter des Hospizvereins Fürth vorgestellt worden. Er wird sich künftig für die Verbreitung der Hospizidee einsetzen - und zwar auf seine ganz eigene Art und Weise. Zusammen mit seinem Bühnenpartner Volker Heißmann hat er als "Waltraud und Mariechen" schon einige letzte Wünsche sterbenskranker Menschen erfüllt.

Herr Rassau, zuletzt im Sommer hatten Sie bei einem Bühnenauftritt Besuch von einer todkranken Frau, deren letzter Wunsch es war, noch einmal "Waltraud und Mariechen" live zu erleben. Welche anderen, auch persönlichen Berührungspunkte hatten Sie bisher mit dem Thema Hospizarbeit?

Rassau: Ich habe mich schon lange mit dem Tod beschäftigt. In den 90er-Jahren habe ich zunächst die Aidshilfe unterstützt. Während in dieser Zeit viele Freunde und Bekannte auf Hochzeiten waren, war ich mehr auf Beerdigungen. Im Jahr 2000 ist dann mein Bruder in jungen Jahren an Hepatitis gestorben, da war der Tod plötzlich wieder so präsent. Jetzt möchte ich mich für den Hospizverein einsetzen, weil er den Betroffenen, aber auch den Angehörigen hilft.

Haben Sie als Kabarettist eine eigene Herangehensweise an das Thema?

Rassau: Man kennt mich als lustigen, als lachenden Menschen. Aber da, wo gelacht wird, wird auch geweint und ich glaube das liegt gar nicht so weit auseinander. Christian Morgenstern hat mal gesagt: "Lachen tötet die Furcht." Da ist es beim Thema Tod nicht verkehrt, dass man auch mal lachen kann. Tod und Sterben sind zu verdrängt aus der Gesellschaft. Das muss doch mal wieder ein Stück weit normal werden, dafür möchte ich mit meinem Gesicht stehen. Wenn sie mich sehen, sollen die Leute daran erinnert werden, dass es einen Hospizverein gibt, an den sie sich bei allen Fragen wenden können.

Als Hospizbotschafter wollen Sie Berührungsängste abbauen. Was haben Sie denn selbst neu über Hospizarbeit gelernt?

Rassau: Ich dachte immer: Hospiz, da geht man zum Sterben hin. Das ist aber die falsche Ansicht, denn hier geht es nicht ums Sterben, sondern hier geht es ums Leben. Darum, das Leben, das noch vorhanden ist, so lebenswert und lebensfroh zu gestalten, wie es nur möglich ist. Das ist ein sehr schöner Ansatz. Gleichzeitig bietet der Hospizverein schon lange vorher Unterstützung, zum Beispiel bei Patientenverfügungen.

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