Psychischer Notfall
Psychisch am Ende: Manchmal kommt man mit einer Trennung, einem Todesfall, Krankheit oder dem Verlust der Arbeit nicht allein zurecht. Bayern führt nun als erstes Bundesland einen flächendeckenden telefonischen Krisendienst ein.
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Ab diesem Montag (1. März) ist der bayernweite Krisendienst unter der Rufnummer 0800/6553000 kostenlos zu erreichen. Vorrangiges Ziel sei es, Menschen in seelischen Notlagen zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, teilte der Bezirketag mit.

Der Präsident des Bayerischen Bezirketags, Franz Löffler, bezeichnete die einheitliche Nummer als "eine Art Erste Hilfe in seelischen Notlagen". Durch eine frühe Intervention lasse sich oft eine weitere Zuspitzung vermeiden und verhindern, dass aus einer Krise eine längere Krankheit werde.

Erstes Bundesland mit flächendeckendem Angebot 

Der Krisendienst Bayern sei erstmalig ein flächendeckendes Sofort-Angebot bei psychischen und psychiatrischen Notfällen in einem Bundesland, hieß es. Wenn telefonische Beratung nicht ausreiche, vermittle die Leitstelle den Betroffenen beispielsweise an eine psychiatrische Praxis, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder an die Akutstation einer psychiatrischen Klinik.

In besonders dringenden Fällen würden mobile Teams zu den Anrufern kommen. Diese mobilen Einsätze würden von den Fachdiensten der Freien Wohlfahrtspflege und privater Anbieter durchgeführt.

Vom Ziel einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung seien die Bezirke noch unterschiedlich weit entfernt, stellte Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, fest. "Die mobilen Dienste müssen in allen Bayerischen Bezirken zügig aufgebaut und die Erreichbarkeit der Leitstellen ausgebaut werden", sagte sie. Das sei umso dringlicher, als die psychischen Belastungen durch Corona zunehmen würden.

Verschiedene Hilfemöglichkeiten

Insgesamt mussten für den Krisendienst fünf Leitstellen neu aufgebaut werden. In Mittelfranken und Oberbayern gab es sie bereits. Die Kosten von rund 18 Millionen Euro trage der Freistaat Bayern, teilte der Bezirketag mit. Die Finanzierung der mobilen Einsatzteams und aller sonstigen Kosten in noch einmal der gleichen Höhe würden die Bezirke bezahlen.

Verbandspräsident Franz Löffler forderte aber ein Bundesgesetz, das die Krankenkassen an der Finanzierung beteilige: "Denn durch eine frühe Intervention können Krankenhausaufenthalte verhindert und dadurch Kosten eingespart werden."

Ab dem 1. Juli dieses Jahres ist in Mittelfranken eine Versorgung an sieben Tagen in der Woche geplant. Hilfe in einem seelischen Ausnahmezustand könne man per Telefon, online am Computer oder im persönlichen Gespräch in den Räumen in der Nürnberger Hessestraße leisten, teilte der Bezirk mit. Mit den Sozialpsychiatrischen Diensten in Mittelfranken strebe man eine Kooperationsvereinbarung für Hausbesuche an. Zusätzlich gebe es ein russisch- und türkischsprachiges Angebot.

Im Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) sind die sieben Bezirke 2018 verpflichtet worden, einen bayernweiten Krisendienst für Menschen in psychischen Notlagen aufzubauen.

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