5.06.2020
Kurseelsorge

Stillstand im Kurbetrieb - Kurseelsorger im niederbayerischen Bäderdreieck hoffen auf baldige Wiedereröffnung der Thermen

Während die Freibäder in Bayern bald wieder öffnen dürfen, müssen die Thermen im niederbayerischen Bäderdreieck wegen Corona weiter geschlossen bleiben. Eine ungewohnte Zwangspause für die Kurseelsorge.
Eine Sauna im Wellnessbereich

Pünktlich zu den Pfingstferien hat Bayern weitere Corona-Beschränkungen gelockert: Hotels und Campingplätze dürfen seit 30. Mai wieder öffnen. Doch in den Kurorten Bad Birnbach, Bad Griesbach und Bad Füssing im niederbayerischen Bäderdreieck ist immer noch nichts los. Die Besucher würden zu dieser Jahreszeit längst ihren medizinisch verordneten Kuren nachgehen, was durch die Auflagen aktuell aber nicht möglich ist

Denn die Thermalbäder dürfen ab 8. Juni wie die Freibäder nur im Außenbereich wieder öffnen. Für die Kurorte ist dies wenig hilfreich, weil das Thermengeschehen meist im Innenbereich anfängt, mit Umkleiden, Duschen und therapeutischen Anwendungen. Im Rottaler Bäderdreieck werden pro Jahr etwa 4,5 Millionen Übernachtungen gezählt. Gut 20.000 Jobs hängen in Niederbayern von den Thermen ab.

Kuren in Bad Griesbach

In Bad Griesbach fällt die gespenstische Stille besonders auf: Stadtgebiet und Hotels sind hier komplett voneinander getrennt. "Das Kurgebiet wirkt wie eine Geisterstadt", sagt Pfarrer Klaus Stolz, der auch für Bad Birnbach zuständig ist. Vor 26 Jahren wurde in Bad Griesbach ein ökumenisches Zentrum samt Kirche mit 400 Sitzplätzen erbaut.

Niederbayern ist zwar Diasporagebiet, aber die Kurseelsorge im Bäderdreieck kann sich sehen lassen. "Wir profitieren von den Gästen, die über einen langen Zeitraum hier sind", sagt Stolz. An normalen Sonntagen kommen bis zu 200 Besucher zum Gottesdienst. "Aber daran ist momentan gar nicht zu denken."

Kurseelsorge im Bäderdreieck

Die Hotelbesitzer wollen nicht öffnen, solange die Thermen noch geschlossen sind, weil es für sie wirtschaftlich nicht rentabel ist. "Das ist bei der Kirche anders, ich halte auch für zehn Leute einen Gottesdienst", sagt Stolz. Dennoch bereite ihm der Zustand momentan Sorgen.

Im Juni will er nun neben den Gottesdiensten langsam wieder anfangen, alle zwei Wochen am Montag "eine halbe Stunde mit Zuhören, Entspannen und Nachdenken, mit Orgelmusik, Geschichten und spirituellen Gedanken" zu veranstalten. Er rechnet damit, "dass zwischen 25 und 30 Leute kommen werden".

Stillstand in Bad Füssing

Auch in Bad Füssing, dem größten der drei Kurorte, herrscht weitgehend Stillstand im Kurbetrieb. Lediglich ein Hotel mit eigener Thermalquelle habe bislang geöffnet, sagt Pfarrer Norbert Stapfer. Wenn der Betrieb in vollem Gange wäre, kämen bis zu 250 Besucher sonntags in die Christuskirche. Zurzeit seien es gerade mal 25. "Wir hängen komplett in der Luft, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht", sagt Stapfer.

Die Kirchenmusik spielt im Kurort eine tragende Rolle. Aber Kirchenmusikdirektor Jürgen Wisgalla kann derzeit kein offenes Singen anbieten und nicht mit dem Chor proben. Auch die Orgel neben dem Altar schweigt aus hygienischen Gründen. Stattdessen musiziert Familie Wisgalla von der Empore aus, um wenigstens Choräle musikalisch zu unterlegen, wenn schon nicht gesungen werden dürfe.

Gottesdienst im Kurort

Erschwerend kommt hinzu, dass laut den landeskirchlichen Richtlinien wegen Corona höchstens 35 Besucher im Kirchenraum Platz fänden. Keine einfache Situation für den evangelischen Theologen. Richtig problematisch wird es für Stapfer, wenn der Kurbetrieb wieder anlaufe.

Es würden nicht gleich die Massen sein, weil auch die Hotels nur bis zu 50 Prozent ausgelastet sein dürften. "Aber wir werden ab 8. Juni bei Bedarf drei Gottesdienste am Sonntag anbieten, um 9, 10 und 11 Uhr, jeweils 35 Minuten lang, damit wir den Menschen ein ausreichendes Angebot machen können."

Erwachsenenbildung

Auch für die Erwachsenenbildung im Kurort hat sich der Kirchenvorstand etwas einfallen lassen. Da bereits ein Schutzkonzept für die Kirche bestehe, werde man die Vortragsabende, Andachten, Meditationen und die Kaffeenachmittage "ohne Kaffee" in die Kurkirche verlegen. Die meditativen Spaziergänge sollen im Bibelgarten des Freizeitparks stattfinden. "Wir nutzen alle Möglichkeiten, die uns erlaubt sind", sagt Stapfer.

Auch Abendmusiken werde es wieder geben, aber vorerst nur mit Klaviermusik.

Inzwischen fange die Gemeinde Bad Füssing an, sich wieder für den Kurbetrieb zu rüsten. Als Kirche will Stapfer "vorne mit dabei sein". Aber vieles hängt von der Thermenöffnung ab. "Da ist die Hoffnung, dass es ab Mitte Juni wieder losgeht."

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"Das Coronavirus führt uns vor Augen, dass der Mensch immer noch schmerzhaft sterblich ist", meint der Seelsorger und Autor Rainer Liepold, der in der Sterbebegleitung und in einem Pflegezentrum tätig ist. Liepold beleuchtet in seinem Beitrag die Frage, wie unsere Gesellschaft jetzt mit dem Thema Tod umgeht - und was es mit dem Streben nach Unsterblichkeit auf sich hat.