30.10.2018
Evangelische Kirchenpartnerschaft Bayern und Ukraine

Ukrainer freuen sich über neue Partnerschaft mit bayerischer Landeskirche

Nach zwei Jahren Eiszeit sind bayerische und deutsch-ukrainische Lutheraner wieder Partner. Jetzt gibt es eine neu gewählte Leitung, die von der bayerischen Landeskirche wieder anerkannt wird. Damit wieder Geld fließen kann, müssen allerdings noch verlässliche Strukturen geschaffen werden.
Seit ihrem Wiederaufbau, der 2010 abgeschlossen wurde, bestimmt die evangelische Kirche St. Paul wieder das Stadtbild von Odessa, verkörpert aber auch die wechselhafte und leidvolle Geschichte der Lutheraner in der Ukraine. Die neoromanische Kirche brannte 1976 ab und wurde unter maßgeblicher Unterstützung aus Bayern seit 2005 wieder aufgebaut.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) hat die Partnerschaft mit der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) wieder aktiviert, wie Landeskirchen-Sprecher Johannes Minkus dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage mitteilte. Der Landeskirchenrat habe die neu gewählte Leitung der DELKU anerkannt und ihr gratuliert. Gelder für Projekte würden allerdings erst dann wieder fließen, "wenn es eine verlässliche Struktur in der DELKU gibt", sagte Minkus.

Die DELKU befindet sich seit mehreren Jahren in der Krise. Auf der Synode am 9. Oktober entzogen nun Vertreter "einer großen Mehrheit der Gemeinden" dem bisherigen Bischof Serge Maschewski das Vertrauen und die Vollmachten, wie die DELKU auf ihrer offiziellen Internetseite mitteilte. Im Einklang mit den Bestimmungen der DELKU-Satzung wurde ein Bischöflicher Visitator für ein Jahr gewählt: Neuer Leiter der Kirche ist Pawel Schwarz, 36-jähriger Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Auferstehungsgemeinde Charkiw.

2016 hatte die ELKB die Partnerschaft mit der DELKU ausgesetzt. Begründung: Sie erhalte keine transparenten Abrechnungen über ihre Zuschüsse, und Bischof Maschewski verweigere Gespräche, erläuterte Oberkirchenrat Michael Martin damals. Er attestierte der DELKU, sie sei "völlig gespalten" - mehr als die Hälfte der rund 30 Gemeinden hätten die Kirche verlassen. Die Konflikte seien vor allem auf Bischof Maschewski zurückzuführen, der laut Martin "alles selbst im Griff haben will und sich mit abweichenden Meinungen schwer tut". Der ukrainische Pfarrer Alexander Gross hatte noch im Juni dieses Jahres in Nürnberg um Hilfe bei der Rettung seiner Kirche gebeten. Maschewski verbreite Angst, entlasse Pfarrer, grenze Synodale aus und lasse eigenmächtig kirchliche Gebäude und Autos einziehen, sagte Gross.

Jetzt ist die Zeit des Neuanfangs

Nach der Absetzung des Bischofs zeigen sich nun zahlreiche Pfarrer hoffnungsfroh - etwa der ukrainische Pfarrer Alexander Gross, der von Maschewski entlassen worden war und aktuell zwei kleine Gemeinden in Petrodolinske und Nowograd-Kievka bei Odessa leitet. "Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Synode und die Möglichkeit, jetzt auch die Partnerschaft mit der ELKB und anderen Kirchen in Europa zu erneuern", sagte er auf Anfrage dem epd. "Wir sind wieder ein Teil der großen europäischen und weltweiten lutherischen Familie des Lutherischen Weltbunds. Wir verstehen, dass uns eine schwere Aufgabe bevorsteht: die Kirche aus einer Ruine wieder zu erbauen. Wir hoffen sehr, dass unsere Brüder und Schwestern aus Bayern uns dabei helfen."

Auch bayerische Pfarrer sind erleichtert: "Die Zeit der Zerstörung und der Verfolgung, der Gerichtsprozesse gegen Gemeinden der DELKU hat ein Ende", schreibt etwa Ralf Haska, Pfarrer der oberfränkischen Kirchengemeinde Marktleuthen/Großwendern und früherer Pfarrer der Kirche St. Katharina in Kiew, auf seiner Facebookseite. "Jetzt ist die Zeit des Neuanfangs, des neuen Aufbruchs, des Aufbauens angebrochen."

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