Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) hat am Donnerstag die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage zur Corona-Pandemie vorgestellt. Ziel war es, Lehren aus der Krise zu ziehen und das kirchliche Handeln in künftigen Ausnahmesituationen zu verbessern. Die Befragung fand im Frühjahr 2025 statt und wurde vom Institut für Praxisforschung und Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg ausgewertet.
Landesbischof Christian Kopp begrüßte in diesem Zusammenhang die geplante Enquete-Kommission der Bundesregierung zur Aufarbeitung der Pandemie. Auch die Kirche müsse sich selbstkritisch mit ihrem Wirken in der Krise auseinandersetzen, so Kopp.
Kopp: Kirche hat seelsorgerliche Angebote aufrechterhalten
Die Pandemie habe viele Menschen vor enorme Herausforderungen gestellt – auch innerhalb der Kirche sei die Verunsicherung groß gewesen. Dennoch sei es gelungen, mit viel Kreativität und Engagement seelsorgerliche Angebote aufrechtzuerhalten, etwa durch geöffnete Kirchenräume, Telefonkontakte oder digitale Gottesdienste.
Aus Sicht der ELKB besonders wichtig sind künftige Verbesserungen in drei Bereichen:
- der seelsorgerliche Zugang zu Einrichtungen wie Pflegeheimen
- die uneingeschränkte Betreuung von Kindern und Jugendlichen
- sowie der Dialog mit Menschen, die sich in der Pandemie von Staat oder Kirche entfremdet fühlten.
Kopp betonte, es sei entscheidend, mit diesen Menschen im Gespräch zu bleiben.
Rückmeldungen zeigen differenziertes Bild
Die rund 330 eingegangenen Rückmeldungen zeigen laut Institut ein differenziertes Bild: Neben Lob für neue digitale und hybride Formate sowie flexible Arbeitsmodelle gab es auch deutliche Kritik – etwa an einer als unzureichend empfundenen theologischen Begleitung oder an der mangelnden Vielfalt kirchlicher Stimmen im öffentlichen Diskurs.
Viele Befragte formulierten konkrete Erwartungen an die Kirche in zukünftigen Krisensituationen:
- Gewünscht wird vor allem eine stärkere seelsorgerliche Präsenz – insbesondere in Lebenslagen wie Krankheit, Alter, Sterben und Trauer.
- Auch Kinder und Jugendliche sollen stärker in den Blick genommen werden, etwa durch verlässliche Angebote zur emotionalen Unterstützung und zur Förderung sozialer Gemeinschaft.
- Häufig genannt wird zudem der Wunsch nach einem festen Krisenstab innerhalb der Kirche, der Informationen bündelt und Handlungssicherheit gibt.
Um digitale Formate flächendeckend zu ermöglichen, seien moderne technische Ausstattung und gezielte Schulungen für Mitarbeitende unerlässlich. Bereits erprobte hybride Gottesdienste und Online-Formate sollen weiterentwickelt und langfristig etabliert werden.
Räume für offenen Austausch schaffen
Darüber hinaus regen die Befragten eine vertiefte theologische Reflexion über neue Formen kirchlichen Lebens an – etwa über digitale Formen von Gemeinschaft, über die Abendmahlspraxis mit Einzelkelchen oder über Fragen der liturgischen Gestaltung in digitalen Räumen.
Wichtig sei es zudem, Räume für offenen Austausch über unterschiedliche Meinungen zu schaffen – innerhalb der Kirche ebenso wie im gesellschaftlichen Diskurs. Dabei, so die Erwartung, solle die Kirche Polarisierungen entgegenwirken, Orientierung bieten und sich besonders an den Bedürfnissen vulnerabler Gruppen orientieren.
Die ELKB versteht die Ergebnisse laut eigener Aussage als Auftrag, kirchliche Prozesse kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Ziel sei eine glaubwürdige, theologisch fundierte und seelsorglich präsente Kirche – auch in künftigen Krisenzeiten.
Die Umfrage wurde vom Institut für Praxisforschung und Evaluation der Evangelischen Hochschule Nürnberg durchgeführt. Die Beteiligung an der Umfrage war anonym über ein Internetformular oder durch eine E-Mail an das Büro des Landesbischofs möglich. Laut Angaben der Landeskirche gab es 333 anonyme Zuschriften.
Kommentare
Es wäre immer möglich…
Es wäre immer möglich gewesen ein Gespräch zu suchen.
Über den Gartenzaun oder am Friedhof beim Blumen giessen.
Aber die Pfarrer waren nirgendwo zu sehen in dieser Zeit.
Wer hat die Gottesdienste vermisst?
Die Kirchen waren genauso leer nach Corona wie davor.
Gottesdienste im TV gab es schon immer.
Da braucht nicht jede Gemeinde ein digitales Angebot.
Na