31.10.2020
#digitalekirche

Kirche im Internet: Die erste evangelische Webseite - zur Geschichte von Sonntagsblatt.de

Die bundesweit erste kirchliche Webseite wurde vom Evangelischen Presseverband für Bayern ins Leben gerufen. Über die Geschichte evangelischer Webseiten - und den Anfängen des Online-Magazins Sonntagsblatt.de.
Geschichte Sonntagsblatt

Grüne Schrift auf schwarzem Grund – so sah die erste Webseite der Welt aus. Programmiert hatte sie Tim Berners-Lee vom europäischen Kernforschungszentrum CERN, um seine Vision von einem World Wide Web zu formulieren. Als die Seite im August 1991 online ging, ahnte kaum ein Mensch, wie stark die Idee des britischen Physikers und Informatikers die Welt verändern würde. Denn eigentlich hatte er ja nur ein riesiges Verweissystem geschaffen, damit man endlich auf all die digitalen Texte und Daten zugreifen konnte, die sich weltweit seit der Erfindung des Computers bereits angesammelt hatten – ein System, das Bibliotheken auf analoge Art und Weise bereits seit Jahrhunderten benutzten.

Tim Berners-Lee war davon überzeugt, dass man im Netz schon bald nicht nur Texte lesen werde, sondern auch selber Inhalte erstellen, kommentieren und posten. Und er meinte, dass eines Tages der Kühlschrank erkennen würde, "wann die Eier alle sind", erinnert sich seine ehemalige Mitarbeiterin Maria Dimou. Berners-Lee wurde nicht so reich und berühmt wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg. Ihm ging es bei seiner Erfindung nicht um Profit, sondern um Offenheit, Vielfalt, Zusammenarbeit, Toleranz und Freiheit – in der digitalen Gegenwart eher bedrohte Werte.

Das World Wide Web befindet sich an einem Wendepunkt: "Nie zuvor waren die guten Kräfte des Internets mehr bedroht als heute", erklärte Berners-Lee vor einem Jahr auf der Digitalkonferenz re:publica. Falschinformationen, Algorithmen, Online-Plattformen sorgten für eine Polarisierung der Welt. Es gelte, das Netz zu schützen.

Online-Pfarrerin in der Bild-Zeitung

Um Vielfalt ging es auch dem ersten Webauftritt einer Landeskirche. Nicht grün, sondern lila-weiß strahlte die Startseite von www.bayern-evangelisch.de seit 1997 (oder vermutlich sogar schon 1994 - Quellen dazu fehlen leider). Initiiert, programmiert und redaktionell betreut wurde sie vom Evangelischen Presseverband für Bayern. Der besondere Clou: Über die Webseite konnte man die bundesweit erste Online-Pfarrerin erreichen. Das war sogar der Bild-Zeitung eine Schlagzeile wert. 1998 später folgte dann www.sonntagsblatt-bayern.de, kurz darauf die Seite www.epv.de.

Nach dem Startschuss im CERN begann das World Wide Web sich auszudehnen – erst langsam, dann immer rasanter: Gab es 1993 laut statista.com weltweit nur 130 Webseiten, so waren es fünf Jahre später bereits mehr als eine Million. 2014 existierten dann bereits mehr als eine Milliarden Seiten. Anfangs mussten Webseiten-Betreiber ihr Angebot noch händisch in Suchmaschinen wie Lycos, Yahoo oder Altavista eintragen. Mittlerweile haben automatisierte Prozesse diese Aufgabe übernommen. Mehr als 90 Prozent aller Suchanfragen landen bei Google.

1995 verkaufte Amazon sein erstes Buch im Netz, 2004 sorgte Facebook für den nächsten Boom. Der Siegeszug der Plattformen ist kaum zu bremsen. Klassische Medien verzeichnen einem rasanten Bedeutungsverlust. Zeitungen, Radiosender und TV-Anstalten, Verlage und Medienhäuser – darunter auch viele Einrichtungen der kirchlichen Publizistik – kämpfen ums Überleben.

1954 erschienen in Deutschland 225 Tageszeitungen, im Jahr 2018 waren nur noch 114 davon übrig. Und das Zeitungssterben hält an. Die Zahl der verkauften Tageszeitungen sank von 30,2 Millionen Exemplaren 1995 auf 15,6 Millionen im Jahr 2018. Auch die Umsätze sanken auf einen Tiefstand. Der Abwärtstrend lässt sich auch bei den evangelischen Medienhäusern beobachten: "Der Weg" im Rheinland und "Der Aufbruch" in Baden wurden eingestellt. Digitale Geschäftsmodelle etablieren sich nur langsam.

 

Geschichte Webseite Bayern-evangelisch

Zur Zukunft der evangelischen Publizistik im Netz

Aktuelle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich LeserInnen vor allem Orientierung und Rat wünschen. Gibt es einen persönlichen Nutzwert, sind sie auch bereit, Geld auszugeben. Sonntagsblatt.de nimmt diese Wünsche ernst. Die Seite bietet nicht nur Dossiers zu Lebenshilfe- und Servicethemen an. Unsere Redaktion organisiert auch Schulungen, Workshops und andere Veranstaltungen wie beispielsweise die monatlichen Meetups.

Sonntagsblatt.de ist ein Farbtupfer in der digitalen Medienwelt. Das Online-Magazin hat sich als zweitgrößte evangelische Webseite in Deutschland etabliert. Der Leitsatz von Medienpfarrer Robert Geisendörfer, dem Gründer des Evangelischen Presseverbands für Bayern, gilt auch heute: Wir wollen "Fürsprache üben, Barmherzigkeit vermitteln und Stimme leihen für die Sprachlosen".

Christliche Werte sind das Fundament, auf das sich unsere Redakteurinnen und Redakteure bei ihrer täglichen Arbeit stützen. In unserer Berichterstattung setzen wir auf Qualität, Exklusivität und Hintergrundinformationen. Journalistischer Anspruch und das Streben nach maximaler Verbreitung und Reichweite sind in unseren Augen kein Widerspruch. Auch deshalb sind unsere Beiträge nicht hinter einer Bezahlschranke versteckt. Auf unserer Seite finden Sie persönliche Blogs und kritische Artikel, unterhaltsame Videos und tiefgeifende theologische Texte.

Wir informieren täglich aktuell – auf der Webseite, in Newslettern und sozialen Medien. Lesen Sie. Schauen Sie. Hören Sie zu. Beteiligen Sie sich an unseren Aktionen. Engagieren Sie sich in unseren Projekten.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Netzwerk #digitalekirche

Meetup Digitale Kirche
Worauf muss ich beim Thema Bildrechte achten? Wie kann ich die Musterwebseite von Vernetzte Kirche nutzen? Und wie funktioniert die Termindatenbank "Evangelische Termine"? Beim Meetup #digitalekirche in Bayern geben Experten Auskunft.