2.09.2020
Schule und Corona

Bayern führt zweiwöchige Maskenpflicht im Unterricht ein: Markus Söder setzt Priorität auf Präsenzunterricht

Zum Schutz gegen mögliche Infektionen durch Reiserückkehrer gilt an den weiterführenden Schulen in Bayern zum Start des neuen Schuljahrs eine zweiwöchige Maskenpflicht. Söder sagte: "Die Maske ist das kleinere Übel als wochenlanger Schulausfall."
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In den ersten neun Tagen des neuen Schuljahres müssen Schüler und Lehrer an weiterführen Schulen auch im Unterricht Maske tragen. Wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, gehe es darum, "die richtige Balance zu finden zwischen Schutz und Sicherheit" und gleichzeitig den Bildungsauftrag zu erfüllen. Für die Erst- bis Viertklässler werde es keine solche Maskenpflicht geben. Die ersten zwei Schulwochen würden "ganz entscheidend sein", um eine weitere Corona-Verbreitung durch Reiserückkehrer zu verhindern.

Für alle Schularten und Altersklassen gilt weiterhin, dass ein Mund-Nasen-Schutz im Nahverkehr, auf dem Schulweg, auf Schulgängen, Toiletten und dem Pausenhof verpflichtend ist.

Eine Maskenpflicht im Unterricht wird es darüber hinaus auch nach den ersten zwei Wochen immer dann geben, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz über dem Wert von 35 liegt, wie aktuell etwa in München oder Rosenheim, sagte Söder. Dieser Wert entspricht der Anzahl der in den vergangenen sieben Tage neu gemeldeten Corona-Fälle pro 100.000 Einwohnern.

Bayern: Bei hohen oder sprunghaften Infektionszahlen soll es wieder Distanzunterricht geben

Der Ministerpräsident sagte, man sei sich nach den Gesprächen mit Vertretern der Schulfamilie am Montag einig darin, dass die Priorität klar auf dem Regelunterricht mit Präsenz liegen muss. Es gehe dabei um das "Gemeinschaftserlebnis Schule" auf der einen Seite, aber auch um die Wissensvermittlung.

Man wolle keinesfalls "weiße Jahrgänge", weil Bildung nicht stattfinden kann. Nur bei hohen oder sprunghaften Infektionszahlen soll es wieder Distanzunterricht geben, sagte Söder: "Die Maske ist das kleinere Übel als wochenlanger Schulausfall."

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte, ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 in einzelnen Regionen werde es auch wieder Distanzunterricht geben müssen. Der Stufenplan des Ministeriums sei eine Orientierungshilfe, Entscheidungen über eine zeitweise Schließung von Klassen erfolge in Absprache mit Gesundheitsämtern vor Ort, sagte Piazolo. Auch bei einem steigenden Infektionsgeschehen in einzelnen Regionen werde man "einen besonderen Blick auf die Eingangsklassen haben", damit diese Schule "trotz Corona kennenlernen können".

An den Gesprächen zwischen Söder, Piazolo, Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) nahmen Vertreter der Lehrer- und Direktorenverbänden sowie der Eltern- und Schülerverbände teil. Landesschülersprecher Joshua Grasmüller sagte, die Maskenpflicht sei "nicht unser Wunsch" gewesen.

Doch "Vorsicht ist hier besser als Nachsicht", wenn man langfristig wieder zum Regelbetrieb an den Schulen zurückkehren wolle:

"Wir müssen Rücksicht auf die Schwächsten unter uns nehmen."

Söder verwies in seinem Statement darauf, dass nach Angaben der Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) das Tragen einer Maske im Unterreicht das Infektionsrisiko um bis zu 90 Prozent senke. Die Bildungsgewerkschaft GEW Bayern - die an den Gesprächen mit der Staatsregierung nicht beteiligt war - hatte am Montagmorgen von der Regierung gefordert, das Schuljahr nur mit halbierten Klassen zu beginnen. Es sei unverständlich, große Veranstaltungen zu untersagen, in Klassenzimmern aber keine Mindestabstände einzuhalten.

Auch auf die Kritik an überfüllten Schulbussen reagiert der Freistaat: Der Ministerpräsident kündigte an, dass Bayern "alles an Mehrkosten" für die Schülerbeförderung übernehmen werde, um dort mehr Abstand zu ermöglichen. Normalerweise kommen Kommunen für 60 Prozent der Schultransportkosten auf, der Freistaat bezahlt gut 40 Prozent.

Auch Grundschüler müssen möglicherweise Masken tragen

Bei einer starken Zunahme der Corona-Fälle könnten auch die bayerischen Grundschüler im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Komme es in einem Landkreis oder einer Stadt zu mindestens 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, "gäbe es im Präsenzunterricht eine Maskenpflicht für alle, auch für Grundschüler", sagte Kultusminister Piazolo nach der Kabinettssitzung in München. Dann käme es auch zu geteilten Klassen und Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht.

Bleiben die Neuinfektionen in der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 49, gilt die Maskenpflicht im Unterricht nur für Schüler an weiterführenden Schulen, nicht aber für Grundschüler und Grundschullehrkräfte. Bei weniger als 35 Neuinfektionen findet Regelbetrieb unter Hygieneauflagen statt.

Reihentestungen für Lehrkräfte dauert noch bis zum 18. September

Abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen könne es auch Schließungen einzelner Klassen oder Schulen geben, sagte Piazolo. Diesen Stufenplan des Kultusministeriums beschloss das Kabinett nun. Wann welche Stufe greift, entscheidet das zuständige Gesundheitsamt in Abstimmung mit der Schulaufsicht. Der Distanzunterricht wurde laut Piazolo zudem in der bayerischen Schulordnung verankert, um ihm einen rechtlichen Rahmen zu geben. Dies ermögliche es nun etwa, auch beim Distanzunterricht Leistungsnachweise zu verlangen.

Der Zeitraum für die Reihentestungen für Lehrkräfte dauert noch bis zum 18. September. Laut Piazolo haben sich aktuell mehr als 50 Prozent der Lehrkräfte dafür angemeldet. Des Weiteren beschloss der Ministerrat, die Verstärkung des Schulbusverkehrs zu 100 Prozent zu finanzieren. Normalerweise bezahlen die Kommunen 60 Prozent des Schülertransports und der Freistaat 40 Prozent.

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