Evangelische Morgenfeier
Die Jona-Geschichte erzählt auch ein Coming-out. Ein spirituelles Coming-out. Da entdeckt jemand, in sich etwas, das sein Leben verändert – und erschrickt erst mal. "Das Wort des Herrn kam zu Jona." Was so einfach klingt, so selbstverständlich, so "typisch Bibel", das ist ein anstrengender Prozess im Inneren, der sich nicht stoppen lässt. Evangelische Morgenfeier von Pfarrer Florian Ihsen, München.
Der Prophet Jona, Fresko in der Kathedrale von Cahors

Andacht über die Jona-Geschichte

Es gibt sie in vielen Kathedralen und ich klettere sie immer gerne hoch. Die Treppenstufen in einem Turm. Ich steige die Stufen hinauf, meistens um einen schönen Blick auf die Stadt zu bekommen von da oben. Der Treppenaufgang selbst aber hat ein spannendes Moment. Ich steige hinauf und hinab. Dabei drehe ich mich immer wieder um ein und dieselbe Stelle. Wenn ich bewusst stehen bleibe, kann ich in diese Stelle hineinschauen. Nach oben und nach unten. Und bei diesem Blick nach oben oder unten kann es mir richtig schwindlig werden. Ich kann auch einfach die Stufen gehen, ohne stehen zu bleiben. Und doch bewege ich mich mit jeder Stufe, rauf oder runter, um dieselbe Stelle.

Für mich ist das ein Bild für das Leben. Diese Stelle hat mit dem ganz persönlichen Lebensthema eines Menschen zu tun. Und dieses Lebensthema ist nicht einfach klar erkennbar; man kann es ahnen, umkreisen, danach fragen:

Was ist der Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben, die Stelle, um die sich jede Stufe des Lebens dreht? Was ist der Sinn meines Daseins? Dieser Frage nachgehen, kann bedeuteten: Eine abenteuerliche Reise antreten. Eine Reise, wie die des Jona aus dem gleichnamigen Buch der Bibel:

Das Wort des Herrn kam zu Jona, dem Sohn des Amittai: "Auf! Geh nach Ninive, in die große Stadt, und rede ihr ins Gewissen! Ihr böses Tun ist mir zu Ohren gekommen."

Da machte sich Jona auf den Weg, aber genau in die andere Richtung. Er wollte vor dem Herrn nach Tarschisch fliehen. Als er in die Hafenstadt Jafo kam, lag dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Er zahlte den Fahrpreis und stieg ein, um mit den Seeleuten nach Tarschisch zu gelangen. So glaubte er, dem Herrn aus den Augen zu kommen.

Doch der Herr ließ einen starken Wind losbrechen, der über das Meer fegte. Der Sturm wurde immer stärker, und das Schiff drohte auseinanderzubrechen. Die Matrosen fürchteten sich und schrien um Hilfe, jeder betete zu seinem eigenen Gott. Dann begannen sie, die Ladung über Bord zu werfen, um das Schiff zu entlasten. Jona aber war nach unten in den Frachtraum gestiegen. Er hatte sich hingelegt und war eingeschlafen. Da ging der Kapitän zu ihm hinunter und sagte: "Wie kannst du nur schlafen? Auf! Bete zu deinem Gott! Vielleicht ist er der Gott, der uns retten kann. Dann müssen wir nicht untergehen!" (Jona 1,1-6)

Jona ringt mit einer Frage, die ich auch kenne, die wohl jeder Mensch kennt: Mit der Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens. Die Erzählung von Jona ist nicht irgendwann damals irgendwo passiert, sondern: Sie ist ein Spiegel für meine eigene, für unsere ganz persönliche Lebensgeschichte, liebe Hörerinnen und Hörer. Welcher Ruf ist in unser Leben gelegt?

Geh nach Ninive, hört Jona. Um Himmels Willen. Ninive! Diese Großstadt, in der Fremde leben, Andersgläubige. Ninive – eine fremde Großmacht, eine fremde unheimliche Weise zu leben und zu glauben. Nach Ninive geht man nicht freiwillig, denn: Diese Großmacht macht Angst. Und wahrscheinlich ist Angst die gefährlichste Großmacht im Leben eines Menschen. Die Angst, sich rauszutrauen. Raus aus den Vorstellungen anderer. Raus aus dem Gewohnten, raus aus den Sicherheiten, die gar nicht so sicher sind. Raus aus dem "Das macht man nicht", "Das war schon immer so". Raus in das eigene Leben.

Raus! Jona macht sich auf den Weg, aber genau in die andere Richtung. Hauptsache weit weg. Tarschisch ist eine Hafenstadt am Meer, ist fester Boden unter den Füßen: Hier ist scheinbar alles einfacher, bequemer. Keine Zweifel oder blöden Fragen mehr. Keine unheimlichen Worte und Gedanken mehr. Weit weg von Entscheidungen und Konflikten. Vor allem weit weg von der Riesenangst, das eigene Leben könnte falsch oder eigentlich ganz anders gemeint sein.

Jona will es einfacher, er sucht festen Boden unter den Füßen - und landet ausgerechnet auf einem schwankenden Schiff. Er will die Last seines Lebens loswerden - und wird dabei selbst zur Last, für sich und andere. Jona fürchtet sich vor den Fremden in Ninive - und trifft auf dem Schiff lauter Fremde. Jona verkriecht sich, will vergessen, schlafen – und genau dann zieht ein Sturm auf, alle sind hellwach und in Gefahr. Jona will am liebsten jemand anders sein, um ja nicht das zu leben, wozu er gerufen ist: Der Mensch, der nach Ninive geht. Sein Leben wird zu einer Flucht, und Jona ein Flüchtling seines eigenen Lebens.

Flucht vor sich selbst - Jona und die Bibel

Bei manchen Lebenswegen, die ich als Seelsorger oder Freund mitgehe, frage ich mich: Wovor läuft sie oder er davon? Der eine stürzt sich in jedes Event, jedes Wochenende wo anders, Leute treffen, unterwegs sein – wer bist du eigentlich hinter deiner gut gelaunten Maske? Eine andere trinkt Abend für Abend, vier Flaschen Bier und auch Wein. Denn abends tut er besonders weh, dieser Schmerz in der Seele, den die Ärztin Depression nennt.

Ein Mann ist über und über beschäftigt mit seinem Beruf, Tag und Nacht, das Laptop ist noch im Urlaub am Frühstückstisch dabei; hinter dem Laptop kann man sich gut verstecken, er fühlt sich schon länger fremd bei seiner Frau und seinen Kindern. Eine Dame ist hochengagiert in ihrer Kirchengemeinde, hier noch ein Ehrenamt, da noch zwei Aufgaben in Ausschüssen: Warum ist sie nie zu Hause? Sie hat doch Kinder und Enkel, von denen hört man nie was.

Es gibt so viele Schiffe, auf denen man vor dem eigenen Leben fliehen kann. Die Lockdowns haben viele Fluchtwege unseres Lebens behindert. Auf einmal geht das Davon-Laufen nicht mehr. Auf einmal steht sie quälend im Raum, die Frage: Wer bin ich eigentlich? Lebe ich mein Leben oder ein fremdes Leben?

Wenn Jugendliche oder Erwachsene entdecken: "Ich als Mädchen mag lieber Frauen, ich als Junge steh auf Jungs" dann nennt man das Coming-out. Zuerst entdeckt man das für sich selbst. Es ist ein Prozess, der in der Stille tief im Inneren beginnt. Seit der ersten vagen Vermutung, dass man anders ist, ist man auf einem Weg der Selbstentdeckung. Die Schritte sind meist ganz klein. Jeder Schritt lehrt einen etwas über sich. Man ist gezwungen in sich selbst nachzuschauen, unter die eigene Oberfläche. Wenn die Umstände ungünstig, die Ängste groß sind, verdrängt und verleugnet man. Bis man eines Tages erkennt: Das geht nicht wieder weg. Man kann nicht anders, als das eigene Leben zu leben und es auch anderen mitzuteilen.

Jeder Schritt fordert heraus und kostet etwas: Man riskiert Verluste. Man verliert Menschen und Zugehörigkeiten. Vor allem verliert man die geliebte Illusion von Normalität – was auch immer das ist - normal, Normalität.

Einige von Ihnen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, kennen Coming-out-Geschichten aus dem eigenen Leben, aus Freundeskreis und Familie. Etwa auch wenn Eltern sich vor anderen outen: Meine Tochter ist lesbisch, mein Enkel heiratet einen Mann, mein Kind geht einen anderen Weg als ich. Gesetze und Gesellschaft und auch die evangelische Kirche sind bei diesem Thema liberaler geworden. Trotzdem ist bis heute das Coming-out ein schwerer Prozess für Jugendliche und ihre Familien, ein schmerzlicher innerer Konflikt, für Jungen noch mehr als für Mädchen.

Ich erzähle Ihnen davon so ausführlich, weil ich glaube: Die Jona-Geschichte erzählt auch ein Coming-out. Ein spirituelles Coming-out. Da entdeckt jemand, in sich etwas, das sein Leben verändert – und erschrickt erst mal. "Das Wort des Herrn kam zu Jona." Was so einfach klingt, so selbstverständlich, so "typisch Bibel", das ist ein anstrengender Prozess im Inneren, der sich nicht stoppen lässt. Gerade im Verdrängen und Davonlaufen holt es Jona ein: Das Wort des Herrn. Jonas Bilder vom Leben wackeln. Vor allem: Sein Bild von Gott wackelt.

Jona soll wie ein Prophet im Namen Gottes sprechen und leben. Gott soll in seinem Leben eine andere, eine neue, eine ganz wichtige Rolle spielen. Dazu muss er sich erst einmal klar werden. Was bedeutet Gott für mein Leben? Und: Wer bin eigentlich ich?

Die Matrosen sagten zueinander: "Auf! Lasst uns Lose werfen! Sie werden uns sagen, wer schuld daran ist, dass dieses Unglück uns trifft!" Also ließen sie das Los entscheiden, und es traf Jona. Da fragten sie ihn: "Sag uns doch: Wer ist schuld an diesem Unglück? Bist du es? Was ist dein Beruf? Woher kommst du? Wo bist du zu Hause? Aus welchem Volk stammst du?" Er antwortete ihnen: "Ich bin ein Hebräer. Ich verehre den Herrn, den Gott des Himmels. Er hat das Meer und das Festland geschaffen." Da ergriff die Männer große Furcht, und sie sagten zu ihm: "Was hast du nur getan!" Denn die Männer hatten von seiner Flucht erfahren. Er hatte ihnen erzählt, dass er vor dem Herrn floh.  (Jona 1,7-10)

Jonas Antwort auf die Frage "Wer bist du?" überrascht alle, am meisten wohl ihn selbst. "Ich bin ein Hebräer", sagt er, und: "Mein Gott hat das Festland und das Meer geschaffen."

Jona steht mutig zu sich und zu seinem Glauben, der sich gerade verändert, weiter wird: Gott hat das Meer geschaffen. Nicht nur das Festland, das sichere, vertraute, bequeme Leben. Auch das Meer, das Wilde, Abgründige, Schwankende, Ungewisse, das Gefährliche. Gott hat Festland und Meer geschaffen. Auch auf dem Meer, auch in den Stürmen meines Lebens habe ich es mit Gott zu tun.

Eins meiner Lieblingslieder für Nächte und Stürme des Lebens, ist Abide with me, Bleib bei mir Herr, der Abend bricht herein.

Gottes Spuren finden

Welchen Ruf hat Gott in mein Leben gelegt? Um dem auf die Spur zu kommen, muss ich eine Geschichte erzählen. Und zwar: Die Geschichte von meinem eigenen Leben und von meinem persönlichen spirituellen Weg. Gottes Spuren finde ich zuerst im eigenen Leben. Seinen Ruf höre ich, wenn ich in mein Leben hineinhorche und darüber nachdenke. Wie ich zu dem Menschen wurde, der ich heute bin. Sara Miles erzählt davon in ihrer in ihrer spannenden und witzigen Autobiographie. San Francisco vor ein paar Jahren, Sara ist 46…

… Eines Morgens, es ist bewölkt draußen. Ich gehe runter zur Kirche, esse ein Stück Brot, trinke einen Schluck. Ganz normal am Sonntag für Millionen von Menschen. Außer dass ich bisher ein völlig säkulares Leben geführt habe. Religion? War mir eher gleichgültig – außer ich hab mich über Fundamentalisten geärgert. Und dann – mein erstes Abendmahl… Gott ist da. Wirklich. Christus, Brot des Lebens. Das hat alles verändert. Ein schockierender Moment. Tiefe Sehnsucht in mir. Ich verstand etwas. Was ich schon immer gern getan habe, das sollte ich tun: Menschen zu essen geben.

Das erste Abendmahl ist eine der wichtigsten Szenen in Saras Leben. "Take this bread" ist auch der Buchtitel ihrer Lebensgeschichte. Ihre Eltern sind Atheisten und lehnen Religion ab. Sara wird Journalistin, eher linksorientiert. Sie wird Mutter von Katie. Und sie entdeckt, dass sie auf Frauen steht. Christentum und Religionen sind Sara und ihren Freund*innen suspekt, da gibt es viel zu hinterfragen, besonders als linke Journalistin, als lesbische Frau und als Mutter einer Tochter. Und dann kommt dieser Moment: Sara geht in die Kirche, empfängt das Abendmahl, und spürt: Ich bin Gott begegnet. Und das verändert ihr Leben. Sie wird Christin und interessiert sich für die Bibel, für Jesus und was das Evangelium mit uns heute zu tun hat. Und sie entdeckt ihre Lebensberufung: Sie, die begeisterte Köchin, die früher mal in der Gastronomie gearbeitet hat, gründet eine bis heute erfolgreiche food pantry, eine Tafel für Bedürftige.

Einmal wöchentlich kommen hunderte bedürftiger Menschen in die Gregory-Kirche in San Francisco, um satt zu werden. Mitten im Kirchenraum. Dort, wo die Gemeinde jeden Sonntag das Abendmahl empfängt, treffen sich jeden Freitag Bedürftige. Und Sara und ihre Mithelfer*innen geben Lebensmittel aus. Und nicht nur Lebensmittel.

Die Leute kommen, weil sie was zum Essen brauchen, aber oft wollen sie noch viel mehr: die trauernde Mutter, der einsame Einwanderer, der kranke Mann und die vielen anderen crazy Leute, die da kommen. "Willst du für mich beten?" fragen sie mich manchmal. Ich für sie beten? Es ist schon schwer, für mich zu beten. Ich sprach mit Lynn, der Pfarrerin, die mich ermutigt. Und jetzt mach ich es einfach. Ich trau mich. Ich atme tief ein und fange an mit jemanden zu beten, der mich darum bittet. Eines Tages bittet mich ein Paar, dass ich ihnen die Hände auflege beim Beten. Sie sind mittleren Alters. Sie haben schwere Zeiten durchgemacht. Früher waren beide Alkoholiker.

Und ich bete dazu: Danke Gott für alle Heilung. Danke für das neue Leben. Und Danke besonders für die dunklen Jahre. Für alles, was im Dunklen wirkt.

Ich trau mich einfach, sagt Sara; und so wird sie zu einer spirituellen Begleiterin für Menschen. Nie hätte Sara gedacht, dass ausgerechnet sie mal Christin wird, sie mit ihrer bunten Biographie.

Im Rückblick erkennt sie: Es gab immer wieder Momente, in denen sie etwas ganz Eigenes, Verrücktes, vielleicht etwas Heiliges gespürt hat: Die Nacht, in der sie schwanger wurde, damals als Kriegsjournalistin mitten im Bürgerkrieg von El Salvador – da war so eine große Riesensehnsucht nach einem neuen Leben. Die Geburt ihrer Tochter Katie erlebt sie auch auf eine spirituelle Weise. Und ähnlich auch, als sie sich in ihre Frau Martha verliebt. Und da war der Pfarrer in El Salvador, der ihr Cookies gab, als sie Hunger hatte; und eine Bäuerin auf den Philippinen, die ihr einen Fisch schenkte. Kleine und große Momente eines Lebens, Spuren, die Gott schon hinterlassen hat, lange bevor Sara ihren Lebensauftrag entdeckt. All die Jahre ist sie davongelaufen, war wie ein Flüchtling vor sich selbst, und doch kreiste ihr Leben um dieses Thema "Take this bread", Nimm das Brot des Lebens und teil dein Brot mit den Hungrigen. Die ganzen Teile ihres Lebens passen auf einmal zusammen. Frühere Ahnungen haben sich verdichtet zu einem Ruf. Dem Ruf, der schon immer in ihr Leben hineingesprochen war…. Und sie spürt: Ich musste all diese Wege gehen, um die zu werden, die ich bin.

Biblische Geschichte über Jona

Das Leben gleicht einer Reise über das Meer: Gott nahe sein und frei sein. So singt Rod Stewart in seinem Song "Sailing". Leben ist ein Reisen und Kreisen um die eigene persönliche Lebensberufung.

Sara hört sie so: Take this bread. Nimm das Brot, und teil dein Brot mit anderen und spüre dabei deinen eigenen Hunger nach Gott.

Jona hört "Geh nach Ninive", trau dich raus. Erst hat er Angst. Doch auf dem Meer in den Stürmen des Lebens wächst sein Mut und sein Bild von Gott wird weit.

Und unser Ruf, liebe Hörerinnen und Hörer, wozu hat Gott Sie und mich gerufen?

Mich regen die Geschichten von Jona und Sara an, über mein eigenes Leben nachzudenken. Welches Wort von Gott erging an mich und mein Leben? Wie heißt mein geistliches Lebensthema, um das ich kreise, wie Treppen in einem Turm sich immer um ein und dieselbe Stelle drehen. Es sind mehrere Themen nebeneinander und ineinander- bei Jona, bei Sara, bei mir und in vielen Lebensgeschichten.

Sich mit der eigenen Biographie beschäftigen ist etwas Hochspirituelles. "Biographie ist Theologie und umgekehrt", sagt der Theologe Klaus Berger. Kaum anders komme ich Gott so nahe, als wenn ich mich mit meiner Lebensgeschichte beschäftige: mit meinen Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Freunden, mit Lebensmenschen, Kindern, Paten- oder Pflegekindern, mit geistlichen Männern und Frauen, die mein Leben begleiten und prägen. Mit Situationen, in denen sich mir etwas erschlossen hat, wer ich bin, was ich für andere bin, was ich geben und empfangen kann…. Mit Abenteuern und Gefahren, und wie ich es bisher trotzdem geschafft habe. Mit Wunden und Verletzungen, die zu meinem Leben dazugehören. Auch mit Fluchten, wenn das eigene Leben unheimlich wurde, der Lebensauftrag zu anstrengend war. Wie lautet mein Lebensauftrag? Wie könnte der Titel für das Buch von meinem Leben heißen? 

Mich mit meiner Biographie beschäftigen heißt auch: Mich mit meinen Bildern von Gott beschäftigen. Manches Bild von Gott muss man verabschieden, über Bord werfen in den Stürmen des Lebens. Das Bild vom lieben oder auch strengen Gott aus Kindertagen muss sich weiter entwickeln. Es sind gerade die Abenteuer und Lebensstürme, in denen sich Bilder von Gott wandeln, auflösen, sterben und auferstehen

Ein Theologe (Paul Tillich) schrieb mal: "Mut gründet in dem Gott, der erscheint, wenn Gott in der Angst des Zweifels untergegangen ist." Gott kann untergehen in meinen Ängsten. Gott kann ertrinken im Meer meiner Zweifel. Erst wenn alles untergegangen ist, was schwächer ist als meine Zweifel und Ängste, erst dann erscheint mir der wahre Gott, der mir Mut gibt, dass ich Ja sage zu mir und meinem Leben.

 

Literatur:

Sara Miles, Take this bread. A radical conversion, Canterbury Press, Norwich 2018. Die Textstellen sind frei von F.I. übertragen 

Paul Tillich, Der Mut zum Sein, in: ders: Sein und Sinn. Zwei Schriften zur Ontologie, Gesammelte Werke XI, Stuttgart 1969, 137 (sprachlich bearbeitet von F.I.).

 

Die Evangelische Morgenfeier

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