10.03.2019
Kirchenmusik

Dekanat Neu-Ulm will um Organisten werben

Der Kantor von Neu-Ulm sucht nach Kandidaten mit Erfahrung auf dem Klavier. Grund ist der flächendeckende Mangel an nebenamtlichen Musikern. Singen können müssen sie nicht.
Die Orgel der Kirche St. Jakob im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen
Die Orgel der Kirche St. Jakob im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen: Damit der Platz am Orgeltisch künftig in den Gemeinden nicht leer bleibt, will der Kantor um nebenberufliche Organisten werben.

Auch das ist Fachkräftemangel: Es gibt zu wenige Organisten in Bayern. Damit die Vorstellung von einer Gemeinde, die a cappella oder begleitet von Playback singen muss, nicht wahr wird, und damit engagierte Nebenamtliche entlastet werden, gilt es, aktiv zu werden. Oliver Scheffels, Dekanatskantor im Dekanat Neu-Ulm, sieht das Problem fehlender nebenamtlicher Organisten als ein flächendeckendes.

Mit Ideen wie Emporenkonzerten, bei denen man dem Organisten direkt auf Finger und Füße schauen kann, will er zukünftig auf potenziell Interessierte zugehen, um zu zeigen, dass das Image des behäbigen und verstaubten Instruments, das der Orgel anhaftet, falsch ist. Zudem kann der Dienst an der Orgel für Schüler und Studenten auch ein finanzielles Zubrot sein.

Je ländlicher, desto weniger Organisten

Der Altersschnitt im Organisten-Pool des Dekanats Neu-Ulm beispielsweise liegt bei etwa 50 Jahren. Er entsteht daraus, dass nebenamtliche Organisten vor allem Rentner, Pensionäre und Studenten sind, erzählt Scheffels.

Ohne Prüfung – die für den sonntäglichen Orgeldienst in einer Gemeinde nicht vorgeschrieben ist – gibt es pro Einsatz 30 bis 40 Euro, bei Organisten mit Prüfungen ist es je nach Qualifikation mehr. Gerade für den ländlichen Raum aber wäre es notwendig, diesen Pool zu vergrößern, damit die engagierten Organisten auch Wochenenden frei haben. "Es hat nicht jede Gemeinde das Glück, eine Organistin zu haben, die mehr oder weniger lebenslänglich am Sonntag auf der Orgelbank sitzt."

Je ländlicher ein Gebiet, desto schwieriger die Situation, könne man resümieren, sagt Scheffels. Ideal geeignet für den nebenberuflichen Orgeldienst sind Menschen, die mindestens ein oder zwei Jahre Klavierunterricht hatten; Noten lesen zu können ist Voraussetzung; singen zu können dagegen nicht, und evangelisch muss man auch nicht zwingend sein. Um das Rüstzeug für den nebenamtlichen Orgeldienst lernen zu können, kostet der Eigenanteil am Unterricht pro 15-Minuten-Einheit sechs Euro.

Das Orgel üben im Winter schreckt viele ab

Etwa ein Jahr lang Unterricht zu nehmen sei sinnvoll, sagt Scheffels, der von der umfangreichen Orgel-Literatur schwärmt – angefangen mit der ganz frühen Literatur des 14. Jahrhunderts, in der es "richtig rockt", wie der Petrus-Kantor erklärt, über die Emotionalität der Romantik bis hin zur Gegenwart.

Warum die Orgel als "Königin der Instrumente" Schwierigkeiten hat, begeisterte junge Musiker zu finden, könnte auch damit zu tun haben, dass man in den im Winter kalten Kirchen üben muss, vermutet Oliver Scheffels. Dabei sei gerade die Orgel das perfekte Instrument, um Koordinationsfähigkeit und logisches Denken zu schulen.

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