Finanzen und Sparmaßnahmen
Die Diakonenstelle der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte in Dachau wird im Zuge einer Sparmaßnahme nur noch bis Ende 2023 von der bayerischen Landeskirche finanziert. Das könnte das Aus der Stelle, die unter anderem auch mit Schulklassen und jugendlichen Straftätern arbeitet, bedeuten. Doch eine Berliner Stiftung hat bereits geldliche Unterstützung ab 2024 zugesagt, und hofft jetzt, dass ihr Engagement auch andere potentielle Förderer auf die Situation aufmerksam macht.

Mit jährlich 22.000 Euro fördert die Berliner "Stiftung Büro Pfarrer Grüber" künftig die Diakonenstelle an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Zusage gelte ab 2024 zunächst für fünf Jahre, teilte der Vorstandsvorsitzende Michael Grüber auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. "Uns ist wichtig, dass der Jugend an dieser Stätte des Grauens deutlich gemacht wird: Das darf nie wieder geschehen", sagte Grüber, Enkel des NS-Verfolgten, Pfarrers und Pazifisten Heinrich Grüber. Man erhoffe sich von der Zusage auch eine "Signalwirkung" an andere potenzielle Förderer, betonte er.

Förderung der Diakonenstelle in der KZ-Gedenknisstätte Dachau

Die Diakonenstelle, in deren Bereich unter anderem die Arbeit mit Schulklassen und jugendlichen Straftätern fällt, wird im Zuge von Sparmaßnahmen nur noch bis Ende 2023 von der bayerischen Landeskirche finanziert. Mit der Summe von 22.000 Euro jährlich könne man ab 2024 etwa ein Viertel der Stelle bezahlen, sagte Björn Mensing, Pfarrer an der Versöhnungskirche, dem epd. Das sei "ein ermutigendes Zeichen", die Arbeit des Diakons mithilfe von weiteren Unterstützern in vollem Umfang erhalten zu können. Der zuständige Oberkirchenrat der Landeskirche, Michael Martin, sagte, dass "Zusagen vorliegen, sodass die Diakonenstelle für die Jahre über 2023 hinaus finanziert werden kann".

Eine dieser Zusagen kommt von der Stiftung der Versöhnungskirche selbst: "Sie wird sich mit einer Summe von etwa 190.000 Euro an der Finanzierung beteiligen", sagte der Kuratoriumsvorsitzende und Münchner Stadtdekan Bernhard Liess. Verschiedene weitere Geldgeber hätten bereits Unterstützung in Aussicht gestellt. Man gehe derzeit davon aus, "die Diakonenstelle bis 2027 gesichert" zu haben. Zudem rechne er fest damit, dass das Kompetenzzentrum Fundraising der Landeskirche "uns bei der Suche nach Geldgebern und alternativen Finanzierungsmöglichkeiten unterstützen wird". Die Landessynode habe im März ein klares Votum dazu abgegeben, so Liess.

Die Unterstützung der Diakonenstelle durch die Berliner Grüber-Stiftung

Die Berliner Grüber-Stiftung trug bis vor kurzem den Namen "Evangelische Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte". Sie war nach Kriegsende die Nachfolgeorganisation des "Büro Pfarrer Grüber", mit dem der evangelische Theologe Heinrich Grüber von 1938 bis Ende 1940 über 1.000 Christen jüdischer Herkunft zur Auswanderung aus Nazi-Deutschland verholfen hatte.

Im Dezember 1940 wurde Heinrich Grüber verhaftet, ins KZ Sachsenhausen und schließlich ins KZ Dachau verschleppt. 1943 kam der Pfarrer - nach schweren Misshandlungen und mehreren Herzinfarkten - frei. Nach 1945 setzte er sich für die Überlebenden des NS-Terrorregimes ein. Heinrich Grüber nahm 1967 an der Einweihung der Versöhnungskirche teil. Sie ist europaweit die einzige Kirche auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers und neben der Schlosskirche in Wittenberg das einzige Gotteshaus im Besitz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Die Kirche liegt uns sehr am Herzen", begründet sein Enkel Michael Grüber das finanzielle Engagement der Stiftung.

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