Finanzen
Die bayerische Landeskirche kann die Stelle des Diakons an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau nur noch bis Ende 2023 finanzieren. In der Frage, wie es danach mit dem Posten weitergeht, gibt es neue Entwicklungen.

Neue Perspektive in der Debatte um die Diakonenstelle an der evangelischen Versöhnungskirche Dachau: Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagsausgabe) in ihrer Dachauer Ausgabe berichtet, hat Björn Mensing, Pfarrer an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte, die Zusage einer "Stiftung außerhalb Bayerns" erhalten, die einen Teil der Diakonenstelle von 2024 an mit jährlich 22.000 Euro finanzieren würde. "Diese Zusage gilt unbefristet", sagte Mensing auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts (epd). Der Betrag entspräche etwa einer 0,25-Prozent-Stelle.

Weitere Finanzierung über Stiftung der Versöhnungskirche möglich 

Zudem bestünde die Möglichkeit, mithilfe der Stiftung der Versöhnungskirche eine weitere Viertelstelle für einen Zeitraum von acht Jahren zu finanzieren. "Die Stiftung verfügt neben dem Stiftungskapital von 420.000 Euro über 195.000 Euro, die wir dafür verwenden könnten", sagte der Kirchenrat, der auch landeskirchlicher Beauftragter für die Gedenkstättenarbeit in Bayern ist. Mensing sagte, er hoffe nun auf weitere Unterstützung der Landeskirche, um die Diakonenstelle und ihre Arbeitsbereiche in vollem Umfang erhalten zu können.

Wegen des großen Spardrucks der evangelischen Landeskirche sei eine finanzielle Unterstützung der Diakonenstelle aus landeskirchlichen Mitteln über 2023 hinaus nicht realistisch, sagte der zuständige Oberkirchenrat Michael Martin in einem Interview der Dachauer SZ vom Freitag. Er setze stattdessen "auf eine Kooperation mit dem Dekanatsbezirk München Nord und der Evangelischen Jugend in München", so Martin im Interview. Desweiteren müsse man "nach Kooperationspartnern suchen, Stiftungen oder andere Geldgeber", damit die Arbeit an der Versöhnungskirche im bisherigen Umfang weitergeführt werden könne.

Liess: Finanzierung des Diakons aus Kirchenmitteln widersprüchlich

Auch der Münchner Stadtdekan Bernhard Liess, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Versöhnungskirche, setzt nicht auf eine Weiterfinanzierung des Diakons aus Kirchenmitteln. "Das widerspräche der neuen Logik des Landesstellenplans", sagte Liess, der selbst vor der Herausforderung steht, die Sparpläne im größten Dekanat der Landeskirche umzusetzen. Weil aber ein Wegfall der Diakonenstelle "erhebliche Konsequenzen auf die Arbeit der Versöhnungskirche" hätte, habe das Kuratorium einen Brief an die Synodalpräsidentin geschrieben mit der Bitte, "gemeinsam mit Landeskirche, EKD, Kuratorium und Dekanat nach Lösungen zu suchen", sagte der Stadtdekan dem epd.

Warum die Arbeit des Diakons in der Versöhnungskirche Dachau so wichtig ist

Mitte Februar war bekannt geworden, dass die bayerische Landeskirche die Diakonenstelle an der Versöhnungskirche nur noch bis Ende 2023 finanzieren könne. Grund seien laut Oberkirchenrat Michael Martin der coronabedingte Einbruch und die dauerhaft sinkenden Einnahmen von Kirchensteuern sowie der daraus folgende Sparzwang. Der frühere Diakon Klaus Schultz und der Holocaust-Überlebende Walter Joelsen hatten daraufhin einen Antrag an die Landessynode zum Erhalt einer vollen Stelle gestellt. Kommunalpolitiker, Zeitgeschichtsvereine, Wissenschaftler und KZ-Überlebende und ihre Angehörigen hatten gegen die Sparpläne protestiert und vor einem Imageschaden der Landeskirche gewarnt.

Die Versöhnungskirche ist europaweit das einzige Gotteshaus am Ort eines ehemaligen Konzentrationslagers. Sie wurde von ehemaligen Dachau-Häftlingen begründet und 1967 eingeweiht. Fast eine Million Menschen besuchen jährlich die KZ-Gedenkstätte Dachau, rund 200.000 kommen dabei nach Angaben der Versöhnungskirche in Kontakt mit ihrem Team. Die Versöhnungskirche ist neben der Schlosskirche von Wittenberg nur eins von zwei Gotteshäusern, das der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört. Auch die EKD hat bereits angekündigt, die Sachkosten für die Versöhnungskirche im Zuge von Sparmaßnahmen bis 2030 um 30 Prozent zu kürzen.

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