Wünschewagen
Reinhold Hutzler hat einen bösartigen Hirntumor. Wie viel Zeit ihm noch bleibt, weiß niemand. Durch den Wünschewagen des ASB ist sein letzter großer Traum in Erfüllung gegangen: ein Besuch im Fußballstadion von Borussia Mönchengladbach.
Reinhold Hutzler im Fußballstadion von Borussia Mönchengladbach
Reinhold Hutzler im Stadion von Borussia Mönchengladbach.

Warum es ausgerechnet dieser Verein war, das weiß Reinhold Hutzler heute gar nicht mehr. Nur, dass er schon immer Gladbach-Fan war - anders als seine Brüder, die den Bayern die Daumen drückten. "Als Jugendlicher war ich schon zweimal bei Spielen im alten Stadion. Aber noch nie im neuen", erzählt der Familienvater.

Reinhold Hutzler sitzt zusammen mit seiner Frau Silvia auf dem Balkon seines Hauses nahe Gößweinstein (Landkreis Forchheim). Die Sonne scheint und ein lauer Luftzug bringt die Windspiele zum Klimpern. Zusammen sehen sie sich die Fotos von ihrer Fahrt nach Mönchengladbach an - der letzten großen Fahrt für Reinhold Hutzler. Im vergangenen Sommer wurde bei ihm ein Hirntumor gefunden, der nicht operiert werden kann. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr. Sein letzter Herzenswunsch war es, einmal das neue Stadion in Mönchengladbach zu sehen, zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn.

 

Wünschewagen Franken erfüllt Reinhold Hutzler Herzenswunsch

Der Wünschewagen Franken des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) erfüllt schwer kranken Menschen ihre letzten Wünsche und ließ auch diesen in Erfüllung gehen. "Als wir erfahren haben, dass es klappt, war das sehr emotional", erzählt Silvia Hutzler. Wegen der Corona-Beschränkungen wussten sie nicht, ob sie ins Stadion kommen. "Und als wir dann noch erfahren haben, dass unser Sohn und ich mitfahren dürfen, waren wir sehr gerührt."

Die Wünsche, die der ASB erfüllt, sind sehr unterschiedlich: noch einmal das Wacken-Festival erleben, im Rollstuhl auf die Zugspitze oder den eigenen Baum im Friedwald aussuchen, teilt der Verband mit. Nachdem im Frühjahr 2020 wegen der Pandemie für eine Weile fast alles stillstand, ist der Wünschewagen jetzt wieder regelmäßig unterwegs und ermöglicht das, was mit den aktuellen Bestimmungen machbar ist, zum Beispiel ein letzter Geburtstag zu Hause oder ein Besuch im Zoo.

Alle Beteiligten seien vorher getestet, viele Mitarbeiter und einige Angehörige bereits geimpft. Für die Fahrt nach Mönchengladbach war innerhalb von zwei Wochen alles geklärt. An einem Samstagmorgen in aller Frühe kamen die Wunscherfüller und packten die Hutzlers für die lange Fahrt nach Nordrhein-Westfalen ein.

Ehrenamtliche Wünscheerfüller

Begleitet wurde Familie Hutzler von einer Rettungssanitäterin und von Thomas Wörle, der als einer von 250 ehrenamtlichen Wunscherfüllern beim ASB tätig ist.

"Die Stimmung war durchgehend sehr emotional", erzählt er.

Für Wörle war es die zweite Wunschfahrt, die er begleitet hat. "Für die Angehörigen ist es wichtig, dass sie auch mal mit jemand anderem sprechen können, der zuhört und ihre Situation kennt. Dafür verschenke ich gerne meine Zeit." Zu Familie Hutzler hält er seitdem Kontakt.

Reinhold Hutzler mit seiner Frau und seinem Sohn
Durch den Wünschewagen Franken des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) ist Reinhold Hutzlers letzter großer Traum in Erfüllung gegangen: zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn konnte er das Fußballstadion von Borussia Mönchengladbach besuchen.

Oft schaut sich das Ehepaar zusammen die Bilder von der Fahrt an. "Hier sieht man den Reinhold mit seinen Fanartikeln und mit Trikot. Wir hatten zwei Kannen Kaffee dabei und Kuchen. Vom ASB-Team gab es Brotzeiten. Das war ein richtiger Ausflug", erzählt Silvia Hutzler mit den Fotos in der Hand. "Als wir dann am Stadion angekommen sind, war Reinhold ganz überwältigt."

Mit Hilfe der Fotos wecken Reinhold und Silvia Hutzler immer wieder die Erinnerung an diese besondere Reise. "Wir konnten zwischendrin auch mal lachen und ein wenig die Krankheit vergessen. Das ist ein Ereignis, das bleibt. Und das kann uns keiner mehr nehmen." Ohne die Bilder könnte sich Reinhold Hutzler gar nicht an die Fahrt erinnern, denn der Tumor beeinträchtigt bereits sein Kurzzeitgedächtnis. "Einzelheiten habe ich keine mehr da. Aber wenn sie es mir erzählt, dann kommt es doch wieder hoch."

Vor Ort bekam die Familie eine private Führung durch das neue Stadion. Als sie auf der Pressetribüne standen, spannte sich ein Regenbogen über das Gelände. Sichtlich gerührt sagt Silvia Hutzler, "das war so schön, als hätte das alles genau so sein sollen".

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