Judentum
Am 12. Januar startet in Bayern das Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Der Antisemitismusbeauftragte Spaenle hat nun das Programm vorgestellt. Einer der Höhepunkte: die Rückkehr der ältesten Thorarolle Süddeutschlands nach Amberg.
Judentum Detail Tallith
Detail eines Gebetsmantels (Tallith), den viele jüdische Männer und liberale Jüdinnen zum Morgengebet tragen.

Das Jubiläumsjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" wird auch in Bayern mit mehreren hundert Veranstaltungen gefeiert. Mit dem Festjahr wolle man die "tiefe Verwurzeltheit" der jüdischen Menschen mit der Geschichte Deutschlands und Bayerns zeigen, sagte der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) bei der Vorstellung des Festprogramms in München.

Der Weg zum heutigen Deutschland sei maßgeblich durch das Judentum mitgeprägt worden.

Der Startschuss fällt diesen Dienstag (12. Januar) mit einer Online-Feierstunde: Sprechen werden unter anderem Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sowie der Münchner Professor für Jüdische Geschichte, Michael Brenner. Wegen des Lockdowns findet die Veranstaltung in digitaler Form statt und wird um 18.15 Uhr auf ARD-alpha übertragen.

Digitalisierte Archive

Das Festjahr soll mit mehreren Leuchtturmprojekten begangen werden, kündigte Spaenle an. So sollen die rund 300 Archive der jüdischen Gemeinde, die die Nazis beiseitegeschafft hatten und die heute in Israel lagern, digitalisiert und auch der bayerischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie eröffneten eine Innensicht auf das jüdische Leben in Bayern vor 1933, betonte Spaenle.

Ein weiterer Schwerpunkt soll auf den jüdischen Friedhöfen liegen, für die eine Ewigkeitsgarantie gelte, sagte Spaenle weiter. Einige stammten aus dem 16. Jahrhundert und seien daher eine einmalige Quelle für Lokalgeschichte. Geplant sei etwa, die Grabinschriften abzufotografieren und wissenschaftlich auszuwerten. Außerdem sollen digitale Projekte über jüdisches Leben in Bayern miteinander vernetzt werden.

Die älteste Thorarolle zurück in Amberg

Als besonderes Projekt hob Spaenle die Übergabe der ältesten Thorarolle Süddeutschlands hervor. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert aus Sulzbach-Rosenberg, wurde in Israel restauriert und soll nun wieder an die Kultusgemeinde Amberg übergeben werden. Die Thorarolle spiele beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar eine zentrale Rolle, betonte Spaenle. Der Tradition folgend sollen die Spitzen der Verfassungsorgane die letzten Buchstaben auf der Thorarolle schreiben.

Aktionen gegen Antisemitismus

Außerdem wolle man das Jubiläumsjahr nutzen, um gegen den wiedererstarkten Judenhass anzugehen, kündigte Spaenle an. Denn:

"Nur mit Wissen, können wir nachhaltig und langfristig antisemitischen Positionen den Boden und die Akzeptanz entziehen."

Dazu soll es etwa ein Themenheft "Antisemitismus" geben, außerdem widme sich der diesjährige Geschichtswettbewerb an Schulen, "Erinnerungszeichen", dem Jubiläumsjahr.

Das 1.700. Jubiläum geht laut Spaenle auf die älteste bekannte Quelle über jüdisches Leben auf dem Boden des heutigen Deutschlands zurück, die aus dem Jahr 321 aus Köln stammt. Die älteste bayerische Quelle stamme aus dem Jahr 981 aus Regensburg. Heute leben 18.000 jüdische Menschen in 15 Gemeinden in Bayern. 

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