Würzburg (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat dazu aufgerufen, den Feinden der liberalen Demokratie nicht das Feld zu überlassen. "Wir stehen unbeirrt ein für Menschenwürde, Freiheit und Zusammenhalt", sagte Fehrs am Sonntag in Würzburg zu Beginn der diesjährigen Tagung der EKD-Synode.
Völkischer Nationalismus und Antisemitismus seien mit der biblischen Botschaft nicht vereinbar, sagte die Hamburger Bischöfin. Sie sei überzeugt, dass die Stimmen der Kirchen nicht wirkungslos seien, auch wenn der Aufstieg extremistischer Kräfte und die Erosion der politischen Mitte bislang nicht aufgehalten worden seien. Sie mahnte aber auch: "Unsere Stellungnahmen, unser Handeln dürfen sich nicht in der Wiederholung von Warnungen erschöpfen."
Abgrenzung zur Politik der AfD
Klar grenzte sie die Positionen der Kirche zur ihrer Meinung nach menschenverachtenden Politik der AfD ab, die bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September jeweils stärkste politische Kraft geworden war. Für die evangelische Kirche gelte daher, wer menschenverachtende Haltungen öffentlich vertrete, könne nicht gleichzeitig glaubwürdig für die Kirche sprechen oder sie in Ämtern und Funktionen repräsentieren.
Die AfD benannte Fehrs in ihrem Bericht vor den Delegierten des evangelischen Kirchenparlaments nicht, kritisierte aber, dass erstmals seit mehr als 80 Jahren eine in einigen Bundesländern als rechtsextrem eingestufte Partei wieder einen Parlamentspräsidenten stelle. Der AfD-Politiker Tobias Rausch war Anfang Oktober zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt worden.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in seinem Grußwort an die Synodalen dazu auf, verächtlichen Bemerkungen und einer Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu widersprechen. Man dürfe nicht warten, bis jemand anders den Anfang mache, sagte er. "Wer den Mund aufmacht, macht es dem nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun."
Präses betont Fähigkeit zum Vermitteln
Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung rief die Kirchen zu mehr gemeinsamen Engagement gegen gesellschaftliche Polarisierung auf. "In dieser Situation müssen die christlichen Kirchen dazu beitragen, verbindende Kräfte zu stärken, um ein immer weiteres Auseinanderfallen der Gesellschaft zu verhindern", sagte Jung vor den Synodalen.
Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, betonte diese Fähigkeit der Kirche. "In Kirchenvorständen, Jugendgruppen, Chören und Synoden üben Menschen jede Woche, verschieden zu sein und trotzdem zusammenzugehören", sagte sie in ihrem Bericht. Noch bis Mittwoch beraten die 128 Delegierten des Kirchenparlaments zum Schwerpunktthema Demokratie und zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche.
Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD. Sie beschließt zudem den Haushalt und Kirchengesetze.