Franz Münchinger schaut nach oben, atmet tief ein und dann bricht es aus ihm heraus: "Ein rechter Scheißdreck war's! Altmodisch bis provinziell war's! Des war's!" So seine legendäre wie vernichtende Opernkritik. Auch das Publikum bleibt nicht verschont. Weil die Oper, die "gschissene", die ginge ja noch. "Viel schlimmer ist, dass wir in München ein Publikum haben, was hinten und vorn von nix was versteht und sogar jeden Reinfall zu einem einmaligen Erlebnis hochjubelt." Die Szene aus "Monaco Franze - Der ewige Stenz" (1983) ist auch mehr als 40 Jahre nach Erstausstrahlung der Serie im Bayerischen Fernsehen Kult. Der Münchner Kriminalkommissar Münchinger, genannt "Monaco Franze", stets auf der Suche nach amourösen Abenteuern und mit einer Aversion gegen die Kulturschickeria der Stadt, wurde zur Paraderolle des Schauspielers Helmut Fischer. Am 15. November 1926, vor genau 100 Jahren, wurde Fischer in München geboren.

Wenig deutete darauf hin, dass aus dem "Gassenkind" aus kleinen Verhältnissen einmal einer der bekanntesten Schauspieler des Landes werden würde. Über seine Kindheit ist wenig bekannt, Fischer mied Interviews. Das meiste hat die Münchner Autorin und Historikerin Sybille Krafft zusammengetragen, die über Fischer eine Biografie schrieb und mehrere Dokumentationen drehte. "Ich war ein anarchistisches Früchterl", sagte Fischer darin über sich selbst. Sein Schuldirektor habe ihm geraten, Schaffner bei der Straßenbahn zu werden, seine Mutter habe in ihm einen Beamten gesehen - er selbst wollte Schauspieler werden. Mit mäßigem Erfolg. Als er an den Münchner Kammerspielen einen Baum spielen sollte, attestierte ihm der Regisseur fehlende "künstlerische Reife". Am Würzburger Stadttheater bezeichnete ein Kritiker Fischers schauspielerische Leistung als "Körperverletzung".

Fischer trug Zeitungen aus und schrieb Filmkritiken

Trotz kleinerer Rollen im Theater und im Fernsehen sei Fischer ein "glückloser Kleindarsteller" geblieben, der um jedes Engagement habe kämpfen müssen, schreibt Krafft. Jahrzehntelang habe er sich in einem "künstlerischen Wartestand" befunden. Damit er von der Schauspielerei leben konnte, trug er nebenher Zeitungen aus und schrieb Filmkritiken für die "Münchner Abendzeitung". Langsam stellten sich erste Erfolge ein: Ab 1972 mimte er im "Tatort" den Ermittler Ludwig Lenz. Fischer sei zum "Tatort" gekommen, weil man einen Komödianten gesucht habe, einen Gegenpart zu den eher gemütlichen Originalen Gustl Bayrhammer und Willy Harlander, sagte der damalige Drehbuchautor für die München-"Tatorte", Willy Purucker.

1977 kam es zur schicksalhaften Begegnung mit dem Münchner Regisseur Helmut Dietl, der Helmut Fischer später den "Monaco Franze" mit seinem Hallodri-Charme auf den Leib schrieb. "Wir lernten uns durch Zufall in einem Café in Schwabing kennen", erzählte Dietl im Interview mit Krafft.

 "Es war von Anfang an so, als würde ich einen alten Bekannten treffen." 

Für beide sei das Treffen ein Glücksfall gewesen.

Das Drehbuch zu "Monaco Franze" hätte er ohne Fischer, der ihn zu der Figur inspiriert habe, nicht schreiben können, sagte Dietl. Dass "Monaco Franze" seine Frau Annette von Soettingen, gespielt von Ruth Maria Kubitschek, treuherzig "Spatzl" nannte, hat sich Dietl aus dem echten Leben abgeschaut. Helmut Fischer nannte seine Frau Utta tatsächlich so. Dass Sätze wie "Spatzl, schau wia i schau" oder "Wie meinst Krise, Spatzl?" mal Kult werden würden, ahnte da wohl keiner von beiden.

Mehr als 40 Jahre mit seinem "Spatzl" verheiratet

Oft wurde Fischer auch die Frage gestellt, wie viel "Monaco Franze" eigentlich in ihm selbst stecke. "Überhaupt nichts", gab er meist zur Antwort. Helmut Dietl sagte in Kraffts Buch, Fischer sei kein leichtlebiger Typ wie der "Monaco Franze" gewesen.

"Er führte ein sehr stetiges Leben an der Seite seiner Frau, die beiden waren ewig verheiratet, mit kleinen Störungen durch seine gelegentlichen Liebschaften." 

Seine Frau nahm die "Monaco"-Seite ihres Mannes gelassen: "Irgendwann merkt man ja auch, dass da eigentlich keine Gefahr ist." Wenn man wisse, dass da nichts passiere, dann könne man schon viel wegstecken. Das Paar, das sich 1950 kennenlernte, war mehr als vier Jahrzehnte verheiratet.

Am 14. Juni 1997, im Alter von 70 Jahren, starb Helmut Fischer überraschend für die Öffentlichkeit an einer Krebserkrankung, die er weitgehend geheim gehalten hatte. Bei der Trauerfeier nahmen mehr als 1.000 Menschen Abschied. Die Trauerrede hielt der damalige Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), mit dem Fischer laut eigener Aussage eine "wunderbare Freundschaft" verband. 

Kurz nach seinem Tod wurde Fischer in seiner Heimatstadt ein Denkmal gesetzt: Seither sitzt er als Bronzestatue in seinem Stammcafé an der Münchner Freiheit in Schwabing. 2022 gesellte sich sein 2015 verstorbener Freund Helmut Dietl - ebenfalls in Bronze - dazu. A bissel was geht eben immer.