Nürnberg (epd). Gegen Rechtsextremismus und für politische Positionierung hat sich der Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB), Malte Scholz, ausgesprochen. "Fromm und politisch ist für uns kein Widerspruch, sondern unsere DNA", sagte Scholz in seinem Jahresbericht bei der Vollversammlung der EJB-Landesjugendkammer am Samstag in Nürnberg. "Eine rechtsextreme Partei wie die AfD, die Menschen nach Herkunft, Religion oder Lebensweise abwertet, steht im Widerspruch zum Evangelium und zu allem, wofür wir eintreten." Politisch zu sein sei eines der zehn Dinge, für die es sich lohne, evangelische Jugendarbeit zu machen.

Der Rechtsstaat dürfe ein AfD-Verbotsverfahren nicht scheuen, sagte Scholz. Ein Verbot ersetze jedoch nicht die politische Auseinandersetzung - "die müssen wir weiterführen". Vor Ort wolle die EJB Räume des Dialogs schaffen und Sorgen ernst nehmen, zugleich aber eine klare Grenze ziehen, wo es um Abwertung und Menschenfeindlichkeit geht. Bei der Erinnerungsarbeit solle die EJB "auch aufgrund unserer Geschichte vorangehen".

Freiwilligendienst statt Wehrpflicht

Scholz bekräftigte die Forderungen des Landesjugendkonvents zur zivilen Seenotrettung und kritisierte die Entscheidung von Union und SPD, deren staatliche Förderung einzustellen: "Nächstenliebe endet nicht an Europas Grenzen." Auch beim Wehrdienst bleibt die EJB bei ihrer Haltung: "Christlich heißt freiwillig." Schon die verpflichtende Musterung bereite eine Wehrpflicht durch die Hintertür vor. Die EJB fordert stattdessen ein Recht auf einen Freiwilligendienst für alle.

Den ersten bayerischen Staatsminister für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll (CSU), begrüßte Scholz als gutes Signal, formulierte aber Erwartungen: "Das Amt darf kein Lorbeerblatt sein. Es muss mit Mitteln ausgestattet werden." Die EJB werde ihn daran messen, was sich verändert: "Und wir werden das Gespräch suchen." Knoll hat das Amt seit 30. September inne.

Landesversammlung kommt im Januar

Die Landesjugendkammer ist das höchste Entscheidungsgremium der EJB, das die kirchenleitenden Organe zur Jugendarbeit berät. Sie traf sich zur vorletzten Vollversammlung vor der Umstrukturierung: 2027 wird sie durch eine Landesversammlung abgelöst. Die Ordnung der EJB von 1974 (überarbeitet 1994) garantierte, dass junge Ehrenamtliche mindestens die Hälfte aller Entscheidungen tragen. Über die Neufassung entscheiden nun Landeskirchenrat und Landessynodalausschuss.

Zudem gilt es für die EJB, sich vom Haus am Hummelsteiner Weg 100 zu verabschieden, das jahrzehntelang ihre "Herzkammer" gewesen sei: EJB-Geschäftsstelle und Wirkstatt evangelisch ziehen auf den Evangelischen Campus Nürnberg. Dort soll es künftig ein eigenes Haus für die Jugend geben.