Nürnberg (epd). Forderungen nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen und zusätzlichen langen Einkaufsnächten führen aus Sicht der "Allianz für den freien Sonntag" in Nürnberg in die falsche Richtung. Wer die Zukunft des Einzelhandels sichern und die Innenstadt attraktiver machen will, müsse sich den tatsächlichen Ursachen der aktuellen Herausforderungen stellen, teilte die Allianz am Mittwoch mit. "Längere Öffnungszeiten bedeuten nicht automatisch mehr Umsatz, mehr Kaufkraft oder mehr Attraktivität", sagte Nina Golf vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.
Der Sonntag sei kein ungenutztes Umsatzfenster, das der Handel nur noch erschließen müsste. "Er ist ein gemeinsamer freier Tag, der Beschäftigten und ihren Familien verlässliche Zeit für Erholung, soziale Kontakte und gemeinsames Leben ermöglicht", sagte Golf. Die meisten Menschen hätten außerdem schlicht weniger Geld zum Einkaufen zur Verfügung.
Allianz: Vor Ort attraktive Angebote schaffen
Auch die Konkurrenz des Onlinehandels sei kein überzeugendes Argument für eine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten, hieß es. Der stationäre Einzelhandel stehe ohne Zweifel vor großen Herausforderungen. Er solle sich jedoch "nicht selbst in die Tasche lügen", kritisierte Susanne Jensen von Verdi Mittelfranken. Wer seine eigenen stationären Strukturen durch eine Preisgestaltung zugunsten des Onlinevertriebs schwäche, könne die daraus entstehenden Probleme nicht anschließend den Öffnungszeiten anlasten.
Entscheidend für die Zukunft des stationären Handels seien aus Sicht der Allianz attraktive Angebote, faire Preise, guter Service, eine lebenswerte Innenstadt und ein Einkaufserlebnis, das einen tatsächlichen Mehrwert gegenüber dem Onlinehandel biete. Wer Aufenthaltsqualität will, müsse sich um die Innenstadt kümmern. Diese sei mehr als eine Ansammlung geöffneter Geschäfte. Menschen wollen sich dort sicher und wohlfühlen, sich aufhalten, Gastronomie und Kultur genießen, Freunde treffen und ihre Freizeit verbringen.
Zur "Allianz für den freien Sonntag" in Nürnberg gehören Gewerkschaften sowie kirchliche Organisationen.