München (epd). Der Landesverband Bayern der Gehörlosen (LVBYGL) hat am Montag eine Stellungnahme zur geplanten Auseinandersetzung mit dem historischen Gebärdensprachverbot im bayerischen Landtag veröffentlicht. "Wir legen darin die wissenschaftlichen Hintergründe der systematischen Sprachdeprivation dar und richten sechs konkrete sozial- und bildungspolitische Kernforderungen an den Freistaat", hieß es in einer Mitteilung des Verbands. Der LVBYGL fordert eine lückenlose historische Aufarbeitung sowie weitreichende sozialpolitische Konsequenzen im Freistaat.

Über Jahrzehnte hinweg wurde gehörlosen Kindern an bayerischen Schulen der Gebrauch der Deutschen Gebärdensprache (DGS) unter Androhung und Anwendung physischer und psychischer Gewalt verboten, so die Mitteilung weiter. Diese Ausgrenzung wurde auf dem Mailänder Kongress von 1880 beschlossen. Am 25. April 2026 habe der Berufs- und Fachverband Hören und Kommunikation (BDH) die historische Verantwortung für diese Praxis übernommen und die Gebärdensprachgemeinschaft offiziell um Entschuldigung gebeten.

Verband kritisiert "defensive Haltung"

Der Bayerische Landtag habe am 21. Mai einstimmig beschlossen, das historische Gebärdensprachverbot durch ein Fachgespräch im Ausschuss für Arbeit und Soziales aufzuarbeiten. Der LVBYGL kritisierte in seiner Mitteilung jedoch "die defensive Haltung der bayerischen Staatsregierung". Zu den Kernforderungen des Verbands gehören unter anderem eine offizielle politische Anerkennung und Entschuldigung durch die Staatsregierung, eine historische Aufarbeitungsstudie sowie eine verpflichtende Verankerung der DGS als gleichwertige Unterrichts- und Kommunikationssprache an Förderzentren.