Als Altweibersommer wird eine Schönwetterperiode im frühen Herbst bezeichnet. Typisch sind trockene Luft und stabile Hochdrucklagen mit sonnigen, häufig noch warmen Tagen. Nachts wird es dagegen bereits deutlich kühler, vielerorts bildet sich morgens Nebel.
Altweibersommer kommt von den Baldachinspinnen
Woher der Name "Altweibersommer" genau stammt, ist nicht abschließend geklärt. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf die feinen Spinnfäden zurück, die im Herbst durch die Luft schweben. Diese führt den Wortbestandteil ‚weib‘ auf das althochdeutsche ‚weiben‘ zurück, das mit dem Spinnen beziehungsweise Weben von Fäden in Verbindung gebracht wird.
Es gibt allerdings weitere Erklärungen für die Entstehung des Begriffs. Eine sprachwissenschaftliche Deutung bringt ihn etwa mit der Vorstellung einer "zweiten Jugend" von Frauen in Verbindung. Auch regionale Bezeichnungen wie "Witwensommer", "Frauensommer", "Mädchensommer" oder "Mettkensommer" zeigen, dass die Geschichte des Begriffs komplexer ist.
In Norddeutschland ist beispielsweise die Bezeichnung "Mettkensommer" überliefert. "Mettken" wird dabei als Verkleinerungsform von "Made" erklärt – möglicherweise, weil die feinen Spinnfäden mit Raupengespinsten in Verbindung gebracht wurden.
Regionale Bräuche zum Altweibersommer
Der Altweibersommer gilt vielerorts als Symbol für Reife, Ernte und den Übergang in die kältere Jahreszeit. Traditionell sind damit viele regionale Bräuche verbunden. Auf dem Land nutzen die Bauern die sonnigen Tage für die letzte Ernte, Äpfel werden verarbeitet, und die Vorbereitungen für den Winter laufen an: Das Vieh muss mit dem ersten Frost tiefer ins Tal geführt werden.
Im Weinbau fällt diese Zeit mit der Weinlese und zahlreichen Herbst- und Weinfesten zusammen. In Österreich laden Winzer etwa zum "Heurigen" ein – traditionell zum Ausschank des eigenen Weins, häufig verbunden mit einer Brotzeit.
Auch in der Natur ist im Herbst viel Bewegung: Zugvögel fressen sich Energiereserven für den langen Flug in den Süden an und bereiten sich auf ihre Reise vor.
Fun Fact: Klage gegen Begriff wegen Beleidigung
Übrigens gab es zur Verwendung des Begriffs auch schon gerichtliche Auseinandersetzungen: 1988 hatte eine Rentnerin vor dem Landgericht Darmstadt (LG Darmstadt, Az. 3 O 535/88, Urteil vom 2. Februar 1989) gegen die Verwendung des Begriffes in Wetterberichten als diskriminierend geklagt. Doch das Gericht wies die Klage ab und erklärte, dass der Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt sei und dies auch kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Frauen darstelle.
Das Gericht sah in der Verwendung des Begriffs keine Beleidigung der Klägerin. Auch eine Beleidigung der Gruppe älterer Frauen lag nach Auffassung des Gerichts nicht vor. Eine solche Personengruppe sei nicht hinreichend bestimmt und abgrenzbar, sodass die einzelnen Mitglieder nicht als Teil einer beleidigungsfähigen Personengruppe angesehen werden könnten.
Der Fall zeigt, wie ungewöhnlich die Diskussion um den Begriff bereits vor Jahrzehnten war. Der Altweibersommer durfte seinen Namen behalten – und gehört bis heute zum deutschen Sprachgebrauch.