Augsburg (epd). Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, fordert ein Verbotsverfahren gegen die AfD. "Vieles an der AfD erinnert mich heute an den Weg der Nationalsozialisten zur Macht", sagte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Die Gegenwehr, die eine Partei wie sie aus der demokratischen Mitte zu spüren bekommen muss, hat in Deutschland viel zu spät eingesetzt", kritisierte die 93-Jährige angesichts des Erstarkens der AfD bei jüngsten Wahlen und in Umfragen.
Die AfD sei eine Partei, "in der es von Judenhassern und Extremisten nur so wimmelt", warnte Knobloch. Früher habe es das auch schon gegeben, "aber früher sind solche Parteien sehr schnell wieder von der Bildfläche verschwunden". Dies werde bei der AfD nicht mehr von selbst passieren: "Sie hat eine breite Unterstützung im Volk, nicht zuletzt bei den jungen Menschen." Die Partei versprühe Hass, "auch den Hass auf Juden", sagte Knobloch. "Leider ist es bisher nicht gelungen, ihr einen Riegel vorzuschieben, deshalb gehört sie verboten", auch wenn dies "juristisch vielleicht schwierig ist".
Judenhass kommt von allen Seiten
Die Juden in Deutschland seien heute "buchstäblich wieder unter Beschuss", mahnte die Münchnerin. Vieles davon erinnere sie an die 1920er und frühen 1930er Jahre. "Die Lage für uns Juden hat sich nicht verbessert, sie hat sich verschlechtert", sagte sie. "Judenhass gibt es von rechts, von links und aus dem muslimischen Milieu."
Der Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal am Donnerstag mache sie sprachlos. "Der mutmaßliche Täter war Afghane, also eine andere Richtung", so Knobloch, "aber wenn es eine Kraft in Deutschland gibt, die das Problem des Judenhasses nicht löst, dann ist es die AfD. Sie befeuert ihn eher noch."