Am 26. September 2026 ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DBG) gemeinsam mit seinen Mitgliedsgewerkschaften zu Kundgebungen in etlichen Städten auf. Unter dem Motto "Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente." sollen möglichst viele Menschen gegen die Reformpläne der Regierung auf die Straße gehen. Man dürfe die verärgerten Bürger nicht noch weiter enttäuschen und einseitig belasten, hieß es bei einer Pressekonferenz des DGB in Nürnberg.

Bundesweit finden am letzten Wochenende im September in 15 Städten Demonstrationen statt. Allein in Nürnberg werden bei der zentralen Großkundgebung für Bayern Tausende Menschen erwartet. "Wir werden ein deutliches Zeichen gegen die Reformpläne der Bundesregierung setzen", sagte Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern. Der Sozialstaat stehe seit Monaten als Kostenproblem oder Luxus zur Debatte. "Doch ein Sozialstaat ist nicht verhandelbar. Soziale Leistungen sind keine Almosen, sondern von den Bürgern hart erarbeitet."

Gruppen nicht gegeneinander ausspielen

Die Beschäftigten dürften nicht die Rechnung für politische und wirtschaftliche Versäumnisse zahlen, betonte Stiedl. All die Debatten über längere Arbeitszeiten, mehr Befristungen, Einschnitte bei der Rente, Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag, Gesundheit und Pflege verstärkten nur den Frust der Menschen. Zudem spalteten sie die Gesellschaft. "Wenn man ständig verschiedene Gruppen gegeneinander ausspielt, löst das kein einziges Problem im Land", kommentierte Stiedl die Bundespolitik.

"Dass sich Beschäftigte, die Kinder zuhause haben oder Angehörige pflegen, dafür beschimpfen lassen müssen, dass sie Teilzeit arbeiten, empört mich", sagte Stiedl. Genauso wühle ihn auf, dass Menschen, die ihr Leben lang in die Sozialsysteme eingezahlt hätten, nun um ihren Renteneintritt nach 45 Jahren bangen müssten.

"Wie kann man soziale Systeme zerstören, wenn gleichzeitig die rechtsextreme AfD dazugewinnt?", fragte Stephan Doll, Geschäftsführer der DGB-Region Mittelfranken. Die Pläne der Koalition schwächten nur die demokratische Mitte. Nürnberg als zentraler Ort der Großkundgebung in Bayern sei deshalb auch kein Zufall: "Nürnberg ist die Stadt der Menschenrechte, und dazu gehören auch soziale Rechte", betonte Doll.

Stiedl: Reiche sollen mehr zahlen

Reformen gelängen nur, wenn die Menschen der Politik vertrauen könnten, erklärte Bayerns DGB-Chef Stiedl. Viele Mitbürger sorgten sich aber schon jetzt um ihren Arbeitsplatz, ihre Rente und darum, wie sie die Miete noch bezahlen könnten. "Wir stellen uns als DGB nicht gegen Reformen. Aber was ein Abbau des Sozialstaats mit wirtschaftlichem Aufschwung zu tun hat, will mir nicht einleuchten", sagte er. Wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlicher Zusammenhalt seien keine Gegensätze.

Die Politiker in Berlin sollten lieber Investitionen fördern, Innovation ermöglichen und reiche Menschen stärker an der Finanzierung der staatlichen Aufgaben beteiligen. "Die Konfliktlinie verläuft nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich", erklärte Anna Gmeiner, Bezirksjugendsekretärin des DGB Bayern. Menschen mit hohem Vermögen müssten mehr zum Gemeinwohl beitragen.