Berlin, München (epd). Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus sieht junge Menschen in nie dagewesenem Maße von sexuellen Übergriffen bedroht. "Noch nie war das Risiko für Kinder und Jugendliche, sexualisierte Gewalt zu erleben, so hoch wie heute", sagte Claus am Dienstag in Berlin. Die rasante Entwicklung im digitalen Bereich habe daran "einen entscheidenden Anteil", fügte sie hinzu: "Die Risiken im digitalen Raum explodieren."
Claus stellte ihren ersten Bericht nach der gesetzlichen Verankerung ihres Amtes im vergangenen Jahr vor. Dieser zeige, dass es bereits "teils starke Strukturen und Anstrengungen" gegen sexualisierte Gewalt an jungen Menschen gebe. Es sei aber auch offenkundig, "wo die Lücken liegen", sagte sie. Bund, Länder und Kommunen seien gemeinsam in der Verantwortung, diese zu schließen. Bisher entscheide "immer auch der Zufall" über die Frage, ob ein Kind Schutz oder im Falle eines Übergriffs Hilfe finde.
Appell an Bundesländer
Claus richtete sich explizit an mehrere Bundesländer, in denen es bisher keine Verpflichtung für Schulen gibt, Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt zu verfassen. Sie könne nicht nachvollziehen, warum dies nicht überall vorgeschrieben sei, und fordere die fraglichen Länder auf, sich darum zu kümmern. Entsprechende Vorgaben fehlen bisher in Hamburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Bayern und Bremen.
In einer Abfrage für den Bericht der Beauftragten gab der Freistaat Bayern an, dass für die Schulen die "Aufforderung" gelte, "die Prävention weiter zu optimieren und qualifizierte Schutzkonzepte zu erstellen", heißt es im entsprechenden Länder-Kapitel des Berichts. In anderen Bundesländern sind die Schulen bereits gesetzlich verpflichtet, ein Schutzkonzept zur Prävention von sexueller Gewalt zu erstellen.